„Wenn es nach mir ginge, sollte jeder Idiot, der mit ‚Frohe Weihnachten‘ auf den Lippen herumläuft, mit seinem eigenen Pudding gekocht und mit einem Stechpalmenzweig durchs Herz beerdigt werden!“ Sagt Ebenezer Scrooge, von Beruf verbitterter Geizhals und Außenseiter im London des 19. Jahrhunderts. 1843 erstmals unter dem Titel „A Christmas Carol“ veröffentlicht, bringt der Wuppertaler Schauspieler, Sprecher und Moderator Michael Baute den Klassiker von Charles Dickens am 23. Dezember auf die Bühne des Tic-Theaters in Cronenberg. Der Abend ist eine Traditionsveranstaltung geworden – und das hat Gründe.

„Ich liebe diese Geschichte, weil sie nicht nur weihnachtlich und mit Geistern ausgestattet, sondern auch vielfältig ist“, sagt der 44-Jährige. Die Erzählung sei ein Denkmal für Nächstenliebe und dazu politisch. Denn „obwohl sie die viktorianische Gesellschaft beschreibt, umfasst sie Probleme, die noch heute aktuell sind“.

Michael Baute lernte sein Handwerk auf der Cronenberger Bühne, der er seit 20 Jahren treu ist: Ob „Ein Käfig voller Narren“ oder „Urmel aus dem Eis“ – im Kindertheater nach dem Buch von Max Kruse sprach er den traurigen See-Elefanten –, sein Einsatz habe „wahnsinnig Spaß gemacht, egal in welchem Genre wir unterwegs waren. Musical, Revue, Komödie, die Erfahrungen begleiten mich bis heute“, erinnert er sich mit einem Gefühl von Glück. Dass Humor in den Geschichten für ihn eine Grundlage bildet, sei auch eine Strategie von Selbstschutz, erklärt Baute, der unter anderem bei Ingeborg Wolff, einst Mitglied der Wuppertaler Bühnen, Unterricht erhielt: „Humor heißt ja nicht nur, Witze zu machen, sondern das Leben optimistisch anzugehen. Das schafft die Möglichkeit, dieses Leben nicht als so schwer zu belassen, wie es einem in Brocken vor die Füße geworfen wird.“

Wer sich mit seinen Ideen und seiner Biografie beschäftigt, glaubt ihm das sofort. Er machte Bekanntschaft mit Käpt’n Blaubär und Benjamin Blümchen, gehört seit 2018 zum Ensemble des kultigen Vollplaybacktheaters – eine, wie er selbst sagt, „bekloppte, aber großartige Form von Schauspiel“. Er setzt in seinem Programm „Ohne Probe ganz nach oben“ auf Improvisation und geht im kommenden Jahr mit der Kreuzfahrtlinie „Mein Schiff“ wieder auf Lesereise, unter anderem rund um Großbritannien und nach Norwegen. Dabei sei ihm wichtig, die Programme auf die Reiseziele abzustimmen. „In diesem Sommer war ich mit dem Schiff in Island unterwegs und habe eine Lesung aus dem Roman ‚Die Reise zum Mittelpunkt der Erde‘ von Jules Verne gemacht.“ Sie handelt von einer Expedition, die von Deutschland zur Vulkaninsel aufbricht, um dort den Einstieg ins Innere der Erde zu finden.

Bis zu tausend Zuschauer folgen ihm im Bauch des Schiffes – je nach Seegang. „Das große Theater ist ganz vorne im Schiff, da schwankt es umso mehr“, sagt er und grinst. Für ihn kein Problem: „Seekrankheit kenne ich nicht.“ Sein Engagement umfasst pro Reise drei bis fünf Auftritte. „Aber glauben Sie mal nicht, dass ich ansonsten auf dem Balkon sitze und Cocktails trinke“, betont er. Neben seiner Theaterarbeit ist der passionierte Mützenträger als Ausflugsbegleiter tätig: „Ich stehe am Bus und passe auf, dass alle Teilnehmer da sind.“ Je nach Tour fungiere er auch als Übersetzer. Sprache kann Baute schließlich. Mit Leidenschaft.

So sehr, dass die Weihnachtslesung im Tic-Theater leider schon ausverkauft ist. Doch für Fans skurriler Geschichten gibt es in den nächsten Wochen weitere Chancen, den 44-Jährigen zu erleben: Mit seinen Kollegen Tamara Peters und Florian Albers präsentiert Michael Baute am 16. Dezember im Leo-Theater in Schwelm das Kleinkunstprogramm „Weihnachten kommt immer so plötzlich. Eine offene Therapiesitzung zur Weihnachtszeit“.

Ende Februar kehrt er mit dem Vollplaybacktheater für vier Aufführungen des Comedy-Krimis „Die drei ??? und der Fluch des Rubins“ in die Wuppertaler Rudolf-Steiner-Schule zurück. Wer dafür ebenfalls keine Karten mehr bekommt und Abenteuer liebt, kann sich aber auch einer Kreuzfahrt anschließen und Ende März gemeinsam mit Michael Baute von Kapstadt nach Palma de Mallorca reisen. „Kabinen sind noch frei.“ Na dann: Ahoi und frohe Weihnachten!