Ein bisschen erinnert das ehemalige Grand Café Planie am Karlsplatz an das Bahnprojekt Stuttgart 21: Zeitpläne werden aufgestellt – und immer wieder verschoben. Doch während noch immer unklar ist, wann der erste Zug unterirdisch den neuen Hauptbahnhof ansteuert, steht nun fest, wann das Land nach langer Sanierung das Traditionslokal im Alten Waisenhaus übergeben kann: Im Frühjahr dürfen die Pächter hinein und werden vielleicht im Sommer öffnen. Bei den vielen Planie-Fans kann die Vorfreude nun also steigen.
„Das lange Warten hat sich gelohnt“ – Planie vor Neueröffnung
Zu immer neue Verzögerungen war es gekommen, weil die Bausubstanz erheblich schlechter war als angenommen. Die Plieninger Garbe-Chefs Marius Tim Schlatter und Robert Ruthenberg, die künftigen Pächter der landeseigenen Immobilie an der Planie, sind aber froh, dass die Verantwortlichen von der Behörde Vermögen und Bau so gewissenhaft beim Erneuern vorgegangen sind. Ein privater Investor hätte das nicht gemacht, meinen die beiden. „Unsere Zusammenarbeit mit den Vermietern war ganz hervorragend“, lobt Ruthenberg. So viel Prügel habe das Land bezogen – doch am Ende werde man sagen: „Das lange Warten hat sich gelohnt.“
Planie soll zum lebendigen Treffpunkt für Genießer werden
Schlatter und Ruthenberg, die außer der Garbe in Plieningen auch das Stadthotel Waldhorn mit dem Restaurant Holz & Feuer in Kirchheim unter Teck betreiben, werden das bisherige Grand Café Planie mit seinen schönen Außenplätzen schlicht Planie nennen. Viel Lebensfreude wollen die beiden der City zurückgeben und das Haus erneut zu einem brummenden Treffpunkt für Genießer machen – geöffnet von morgens um 9 Uhr bis nachts. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem man genauso selbstverständlich auf einen Kaffee vorbeikommt wie für ein Glas Wein oder ein gutes Essen“, sagen die künftigen Betreiber.
Zahlreiche namhafte Gastronomen hatten sich um die Planie beworben. Ausschlaggebend für den Zuschlag dürfte das klare Bekenntnis der beiden zu Bio-Qualität und Nachhaltigkeit gewesen sein – ein Punkt, auf den das von den Grünen geführte Finanzministerium als Eigentümer der Immobilie in der Ausschreibung großen Wert gelegt hat. Vertreter der Landesbehörde Vermögen und Bau hätten sich die bestehenden Betriebe des Duos sehr genau angeschaut und die Auswahl gewissenhaft getroffen.
Das Grand Café Planie wird künftig Planie heißen. Foto: Lichtgut/Kovalenko Wein und Qualität: Planie setzt auf regionalen Genuss
Inhaltlich wollen Schlatter und Ruthenberg der Planie ein eigenständiges Profil geben. Während rund um den Schlossplatz Brauereigaststätten zu finden sind, soll hier der Fokus auf Wein liegen – auch und gerade auf Weinen regionaler Winzer. Die Zusammenarbeit mit diesen Produzenten soll eng sein und das Angebot prägen. Als Berater hat die Planie den Sommelier und Koch Gerhard Retter, bekannt aus dem Vox-Format „Kitchen Impossible“, gewonnen. Zugleich setzen die Gastronomen auf eine überschaubare Karte: lieber weniger Gerichte, dafür höchste Qualität. „Zehn perfekte Gerichte sind uns lieber als eine überladene Speisekarte“, heißt es.
Beide kommen aus der gehobenen Gastronomie, was man auch in der Planie erkennen dürfte. Die Dinette wird mit „abgefahrenen Belägen“ angeboten. Schwäbische Kost gehört dazu. Vegetarier und Veganer sollen sich in der Planie wohl fühlen – und das zu fairen Preisen. Wie es sich für ein klassisches Kaffeehaus gehört, wird es zudem eine große Auswahl an Kuchen und Torten sowie Eisspezialitäten geben. In diesem Bereich wollen die neuen Pächter erneut Maßstäbe in der Stadt setzen.
Planie sucht Personal für die Neueröffnung, die für den Sommer 2026 geplant ist
Auch wenn die Übergabe der Immobilie für Frühjahr feststeht, ist der genaue Eröffnungstermin noch unklar. Anvisiert ist der Sommer. Ab sofort wird Personal gesucht. In die Einrichtung, die „zeitlos“ und „hochwertig“ ausfallen soll – mit wertigen Steinböden –, investieren die neuen Pächter kräftig. Ein „Schicki-Micki-Lokal“ soll die Planie ausdrücklich nicht werden. Vielmehr wollen Schlatter und Ruthenberg einen offenen, urbanen Ort schaffen, der Tradition, regionale Qualität und zeitgemäße Gastlichkeit verbindet. Der Innenraum wird nicht zu einem großen Saal, sondern soll untergliedert werden. In den ersten Monaten wollen die Chefs jeden Tag selbst vor Ort sein, kündigen sie an.
„Wir wissen, dass wir in große Fußstapfen treten“
Für die beiden ist die Planie ein Prestigeprojekt, dem sie sich mit Herz und Power verschreiben. Trotz aller Vorfreude ist ihr Respekt zu spüren. „Wir wissen, dass wir in große Fußstapfen treten“, sagt Schlatter. Die Erwartungshaltung in Stuttgart sei hoch. Umso mehr freut es ihn, dass etliche Mitarbeiter aus dem bewährten Team eines ihrer bestehenden Betriebe mit in die Planie wechseln werden.
Hört man die beiden reden, gewinnt man sofort den Eindruck, dass hier zwei Menschen am Werk sind, die ihre Liebe zur Gastlichkeit mit viel Herzblut in die Tat umsetzen wollen – und allen Widrigkeiten in der Gastronomie zum Trotz den Spaß daran nicht verloren haben.