Kiel. Der Mann hat keinen Vogel: Bruno Berger aus Kiel entwirft Vogelhäuser – massenhaft. Von kleinen, eher einfachen Häuschen bis hin zu wahren Villen. Der 88-Jährige hat in den vergangenen sechs Jahren rund 400 Bauten für Vögel konstruiert. Etwa 100 Stück lagern derzeit in seiner Wohnung und im Keller.

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„Meine Frau hatte damals mal gefragt, ob ich ihr ein Vogelhaus bauen könnte“, erzählt Berger von den Anfängen. „Dann kam eins zum anderen.“ Und rasch baute er aus altem Parkett etwa 40 Vogelhäuser.

Seine Leidenschaft kommt nicht von ungefähr: Der ehemalige Maschinenbautechniker arbeitete 13 Jahre in einer Baufirma und war auch Bauleiter. „Ich bin einfach baugeil“, sagt Berger und lacht. Seine Frau Ute bestätigt: „Das Arbeiten sitzt bei meinem Mann drin, er muss einfach arbeiten.“

50 Häuser und 70 Wohnungen: „Ich habe mich richtig ins Bauen reingekniet“

Neben seinem Vollzeitjob hat der gebürtige Westfale früher privat Häuser errichtet: erst für sich, dann für seinen Bruder und seine Mutter. „Ich habe mich richtig ins Bauen reingekniet“, sagt Berger. „Ich hatte dann mehr Ahnung vom Hochbau als von Maschinenbau, was ich ja eigentlich gelernt hatte.“

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Berger zog von Lippstadt nach Kiel und war zunächst bei der Marine. Danach arbeitete er in einer Baufirma. „Ich habe in meiner Zeit als Bauleiter etwa 50 Häuser und 70 Wohnungen gebaut“, sagt er. Sein letztes Haus konstruierte er mit 75 Jahren für seine Tochter.

100 Vogelhäuser auf Halde: „Wir werden sie einfach nicht mehr los“

Doch dann eine Diagnose: Vor etwa einem Jahr bekam Berger eine Hüftarthrose und ist seitdem körperlich eingeschränkt. Allerdings nur im Gehen – seine Vogelhäuser baut er weiterhin. Im Keller wird gesägt, in der Wohnung lackiert und geleimt. „Wenn ich mit der Laubsäge arbeite, dann beruhigt mich das“, sagt er. Schon als Kind habe er mit einer Laubsäge gearbeitet.

Sein Schwiegersohn schenkte ihm vor sechs Jahren eine Laubsäge des gleichen Modells für seine Vogelhäuser. „Ist das nicht ein netter Zufall?“, sagt Berger. Seine Ärzte hätten ihm gesagt, er solle mit dem Bauen weitermachen. „Das hält mich fit im Kopf.“

Das hält mich fit im Kopf.

Bruno Berger

Vogelhausbauer

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Viele seiner Vogelhäuser hat Berger auf Ausstellungen verkauft, unter anderem im Kieler Pop-up-Pavillon am Alten Markt. Doch das ist nun nicht mehr möglich. „Wir werden sie einfach nicht mehr los“, sagt seine Frau Ute, die verzweifelnd den Kopf schüttelt.

Und tatsächlich: Die Vogelhäuser lagern in der Wohnung und im Keller. Sogar das Bett im Schlafzimmer ist zur Hälfte voll gestellt. „Meine Frau schläft im Wohnzimmer“, sagt Berger und schmunzelt. „Aber ursprünglich, weil ich zu laut schnarche.“

Berger würde sich freuen, vor Weihnachten anderen mit seinen Vogelhäusern eine Freude zu machen. Interessierte können sich mit vorheriger Terminabsprache unter der Nummer 0431-24038911 bei Berger melden und die Vogelhäuser vor Ort anschauen. Je nach Größe des Hauses verkauft Berger sie von 30 bis 180 Euro. Jeder dritte Euro wird dabei an den Verein „KN-hilft“ gespendet, der Menschen in Not unterstützt.

Andere vom Handwerk überzeugen: Bruno Berger möchte etwas weitergeben

Außerdem möchte Berger sein Wissen und Können weitergeben. Deshalb hat er versucht, seine Enkel zu überzeugen. „Ich habe 14 Häuser in einer Woche gebaut, um meine Enkel zu motivieren und ihnen das zu zeigen“, erzählt Berger. Doch so richtig überzeugt habe das nicht. Einer seiner Enkel studiere „zumindest Bauingenieurwesen“, wie er berichtet.

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Nutzen die Vögel denn auch seine extravaganten Häuser? „Und wie“, sagt Berger. „Im Keller war das Fenster mal geöffnet und da hat prompt eine Meise in einem meiner Häuser genistet.“

Für Berger ist Hausbau kein besonderes Talent. „Viele Menschen sagen, das sei Kunst, aber das ist einfaches Handwerk.“ Was man für den Bau von Vogelhäusern brauche? Laubsäge, Stichsäge, Messwerkzeuge und nicht zu vergessen: „eine gute Brille“.

KN