Rosa von Praunheim

Stand: 17.12.2025 15:40 Uhr

Der Regisseur, Autor und Schwulenaktivist Rosa von Praunheim ist tot. Er wurde 83 Jahre alt. Erst vor wenigen Tagen hatte er seinen Lebensgefährten geheiratet.

Rosa von Praunheim ist tot. Wie eine Person aus dem engsten Freundeskreis dem rbb bestätigte, starb er im Alter von 83 Jahren. Zuvor hatten unter anderem der Tagesspiegel und das Magazin Stern berichtet. Der als Holger Radtke geborene Filmemacher hatte erst vor wenigen Tagen seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Sechting geheiratet.

Anfang der 1970er-Jahre sorgte seine Filmdokumentation „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ für Aufsehen, mit der er als erster Filmemacher das damals verdrängte Thema Homosexualität in die öffentliche Diskussion einbrachte.

Im Gefängnis geboren, aus der DDR geflohen

Geboren 1942 im deutsch besetzten Riga, wuchs der spätere Regisseur als Holger Mischwitzky bei seinen Adoptiveltern aus Ostberlin auf. Wie er erst mit über 60 Jahren erfuhr, kam er im Zentralgefängnis von Riga zur Welt und verbrachte das erste Lebensjahr im Waisenhaus.

Seine Adoptivfamilie floh in den Westen und siedelte sich in Frankfurt an, wo er an der Offenbacher Werkkunstschule – der heutigen Hochschule für Gestaltung – Malerei studierte und bald zum experimentellen Film fand. „Die Bettwurst“, sein 1970 mit Laiendarstellern und praktisch ohne Budget realisiertes Debüt, wurde zum Kult.

Der Name ist Teil des Programms

Mit seinen Filmen avancierte von Praunheim vom Avantgarderegisseur zum Vorreiter der deutschen Schwulen- und Lesbenbewegung, was sich auch in seinem Künstlernamen widerspiegelt: Rosa ist eine Hommage an die „rosa Winkel“, die Homosexuelle im KZ tragen mussten.

Mit dem queeren Musical „Stadt der verlorenen Seelen“ von 1983 und „Transsexual Menace“ von 1996 realisierte er die ersten deutschen Filme über transidente Menschen. Mit „Ein Virus kennt keine Moral“, einem der weltweit ersten Filme über das HI-Virus, polemisierte von Praunheim 1986 gegen den durch Aids wieder aufflammenden Schwulenhass in der Gesellschaft.

Umstrittenes Outing von Kerkeling und Biolek

Seine Strategie, das Private in die Öffentlichkeit zu tragen, stieß allerdings nicht nur auf Gegenliebe. 1991 outete er in einer Fernsehsendung Hape Kerkeling und Alfred Biolek, zwei der beliebtesten deutschen Fernsehgesichter, gegen ihren Willen als homosexuell.

Diese umstrittene Aktion brachte ihm auch Kritik aus der queeren Community ein. Er rechtfertigte sie später gegenüber dem Spiegel als „Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aids-Krise“.

2015 wurde von Praunheim für sein Engagement, das etwa 150 Kurz- und Langfilme umfasst, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.