
Studierende aus der EU können ab 2027 wieder mit dem Erasmus-Austauschprogramm an britischen Unis studieren. In London ist von einem Durchbruch die Rede. Mit dem Brexit war das Programm ausgelaufen.
Das Vereinigte Königreich wird ab 2027 wieder an Erasmus, dem EU-Austauschprogramm für Studenten, teilnehmen. Damit können Studierende im Rahmen des Programms in Großbritannien studieren oder eine Ausbildung absolvieren. Auch britische Studenten können damit wieder in der EU studieren.
Der Beitritt zum Erasmus-Programm war bereits im Mai beim ersten Gipfel zwischen Großbritannien und der EU in Brüssel in Aussicht gestellt worden. Über die Finanzierung für das akademische Jahr 2027/2028 haben sich die Briten bereits mit der EU geeinigt. So sollen 570 Millionen Pfund, umgerechnet mehr als 648 Millionen Euro, in das Erasmus-Programm gesteckt werden. Die Kosten der Folgejahre müssen noch ausgehandelt werden.
„Großer Gewinn für junge Menschen“
Dass das Vereinigte Königreich nun wieder dabei ist, sei ein Durchbruch und „großer Gewinn für unsere jungen Menschen“, sagt der für Beziehungen mit der EU zuständige Staatssekretär Nick Thomas-Symonds. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf der Plattform X, mit der Vereinbarung öffne man jungen Menschen die Tür „zu neuen gemeinsamen Erfahrungen und dauerhaften Freundschaften“.
Der britische Premierminister Keir Starmer bemüht sich seit seiner Wahl im vergangenen Jahr um engere Beziehungen zur EU und grenzt sich damit von der konservativen Vorgängerregierung ab.
Der EU-Abgeordnete Bernd Lange (SPD) begrüßte die Rückkehr Großbritanniens in das Erasmus-Programm. Es sei auch ein symbolischer Meilenstein der Wiederannäherung. Denn Erasmus sei mehr als nur ein Bildungsprogramm, so der Co-Vorsitzende der EU-Kontaktgruppe zum Vereinigten Königreich; es lasse „seit Jahrzehnten Studierende und Auszubildende auf unserem Kontinent über den Tellerrand blicken“, vermittele gemeinsame Werte und „fördert auf unvergleichliche Weise Zusammenhalt und Vernetzung junger Menschen“.
Keine Gebühren und Stipendium
England, Schottland, Wales und Nordirland waren bis zum Brexit beliebte Zielländer für Erasmus-Studierende. Das Programm ermöglicht es insbesondere Studierenden im Bachelor, Master und Doktorat, aber auch Praktikanten in Unternehmen, durch Zuschüsse den Weg ins Ausland zu finanzieren. Studierende können so bis zu zwölf Monate ohne zusätzliche Studiengebühren in einem der weltweiten Partnerländer verbringen.
Seit der Einführung 1987 nutzten mehr als 18 Millionen Menschen das Erasmus-Programm. In Deutschland erfreut sich Erasmus wachsender Beliebtheit. Die am häufigsten gewählten Zielländer sind Spanien, Frankreich, Niederlande und Italien.