Kiel. Den Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftsschule Hassee in Kiel stinkt’s: In der Jugendsitzung des Ortsbeirats Hassee und Vieburg im November hatten die Jugendlichen kritisiert, dass in unmittelbarer Umgebung des Schulgeländes regelmäßig geraucht werde. Das berichtete Oliver Voigt (Grüne) in der Sitzung des Gremiums am Dienstag. Lehrkräfte, Mitglieder der Schülerschaft und teils externe Personen würden im Umfeld des Schulhofes sowie in den Eingangsbereichen für alle deutlich sichtbar Zigaretten, E-Zigaretten oder Vapes konsumieren.

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„Das offen sichtbare Rauchen wurde als Belästigung und Gesundheitsgefährdung für jüngere Schülerinnen und Schüler kritisiert“, erklärte Voigt. Besonders die fragwürdige Vorbildfunktion von Lehrkräften, die in den Pausen direkt vor den Augen der Schülerinnen und Schüler rauchten, sei von den Jugendlichen hervorgehoben worden. „Das macht die jungen Menschen zu Adressaten für den Einstieg ins Rauchen“, war auch Voigt überzeugt.

Rauchverbot im Umkreis von 100 Metern um Schulen gefordert

Zur Lösung des Problems hätten die Teilnehmer der Jugendsitzung eine über das Schulgelände hinaus geltende Rauchverbotszone angeregt – ähnlich der Verbotszone, die es seit der Legalisierung auch für den Konsum von Cannabis gebe. Da gilt: In einem Umkreis von 100 Metern vor dem Eingangsbereich von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche darf nicht gekifft werden.

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„Wir wissen alle, dass Rauchen strafrechtlich nicht so behandelt wird wie der Konsum anderer Drogen“, sagte Voigt. Die Idee der Jugendlichen wollte der Ortsbeiratsvorsitzende dennoch aufgreifen – und dabei gleich eine über das lokale Problem hinausgehende Diskussion anschieben. In einem Antrag forderte Voigt nicht nur die Kieler Stadtverwaltung auf, die Einrichtung einer – gegebenenfalls freiwilligen – Rauchfrei-Zone im direkten Umfeld der Gemeinschaftsschule Hassee zu prüfen.

Kieler Politik soll sich für gesetzliche Grundlage einsetzen

In der Annahme eines allgemeinen Interesses an einem solchen Verbot zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, ging Voigt noch einen Schritt weiter: Er adressierte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und die Kieler Ratsversammlung, „sich politisch auf Landes- und Bundesebene für eine rechtlich belastbare Ermächtigungsgrundlage zur Einrichtung von Rauchverbotszonen im Umfeld von Schulen einzusetzen“. Dies solle sowohl über den Landtag, als auch in den kommunalen Verbänden und kreisfreien Städten erfolgen.

Wenn das Rauchen auf dem Schulgelände und um die Schule herum verboten ist: Wo dann?

Kerstin Quellmann (Grüne)

Mitglied im Ortsbeirat Hassee/Vieburg

Es fehle bisher an einer gesetzlichen Regelung, erklärte Voigt die Ausweitung seines Appells an die Politik. Wenn offen vor Kindern und Jugendlichen geraucht werde, habe das eine starke Normalisierungs- und Vorbildwirkung. „Gerade im Schulumfeld ist der Schutz vor Passivrauch und einem einfachen Einstieg in die Droge Rauchen ein naheliegendes Präventionsziel.“

Kerstin Quellmann (Grüne) stimmte Voigt zu. Sie gab aber zu bedenken, dass es Lehrkräften – wie in jedem anderen Arbeitsbereich – im Schulalltag ermöglicht werden müsse, eine Rauchpause zu machen. „Wenn das Rauchen auf dem Schulgelände und um die Schule herum verboten ist: Wo dann?“, fragte Quellmann.

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Rauchfreie Schuleingangsbereiche: Appell an Freiwilligkeit

Auch Hans Wischmann (Linke/Die Partei) sprach sich für eine rauchfreie Schulumgebung aus. Da es für ein Verbot keine gesetzliche Grundlage gebe, setzte er dabei auf Freiwilligkeit: „Es muss darum gehen, wie am besten vermittelt werden kann, dass nicht vor den Eingangsbereichen geraucht wird.“

Thorsten Becherer (Grüne) wollte sich von fehlenden Gesetzen dagegen nicht abschrecken lassen. Er baue auf die Absichtserklärung der grün-roten Mehrheit im Kieler Rathaus, sagte Becherer: „Die aktuelle Koalition hat doch zum Ziel, Dinge zu ermöglichen.“

Voigt stellte klar, dass er den Stein nicht ohne Rücksichtnahme auf die Situation der Lehrkräfte im Schulbetrieb ins Rollen bringen wolle. „Wir warten auf die Vorschläge der Verwaltung, wie man damit umgehen kann.“ Das Gremium stimmte dem Antrag bei einer Enthaltung zu.

KN