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Jetzt streiken sie gegen den Niedergang des Louvre
Die Angestellten des Pariser Grossmuseums gehen in den Arbeitskampf. Der Zeitpunkt für den Aufstand ist klug gewählt.
Publiziert: 16.12.2025, 06:05
Bis auf weiteres zu: Gewerkschaftlich organisierte Angestellte protestieren vor der Glaspyramide des Louvre.
Foto: Blanca Cruz (AFP)
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«En lutte». Im Kampf. So steht es auf einem Spruchband vor der Glaspyramide. Die Belegschaft des Louvre, des grössten und vielleicht schönsten Museums der Welt, kämpft für ihre allgemeinen Arbeitsbedingungen und gegen den abgekämpften Zustand des Palais. Und wer wollte da widersprechen?
Nun haben die Gewerkschaften einen Streik beschlossen, wie es ihn seit zwanzig Jahren nicht mehr gegeben hat – einstimmig und zeitlich unbegrenzt. Montag blieb das Haus schon mal geschlossen, Dienstag ist es ohnehin immer zu, am Mittwoch wollen sich die Gewerkschafter wieder treffen und über das weitere Vorgehen entscheiden. Es kommt gerade eine Menge zusammen, und der Moment für den Aufstand ist nicht der dümmste.
Die Direktorin steht unter Druck
Die Angestellten des Louvre klagen nämlich schon seit einer ganzen Weile, nur ging der Protest weitgehend unter. Seit dem Diebstahl der Kronjuwelen in der Galerie d’Apollon vor bald zwei Monaten leuchten die Scheinwerfer der Weltöffentlichkeit alle Schwachstellen des Museums aus. Die Präsidentin und Direktorin des Louvre, Laurence des Cars, gerät dabei immer stärker unter Druck. Vier Jahre ist sie jetzt im Amt, berufen von Staatspräsident Emmanuel Macron. Doch in Paris fragt man sich gerade, ob sie sich halten kann.
Seit 2021 im Amt, aber wie lange noch? Laurence des Cars, Präsidentin des Louvre.
Foto: AFP
Es wird nun bekannt, dass Laurence des Cars die Kosten für die Sicherheit seit ihrer Amtsübernahme stark gekürzt hat, obschon sie von der Verletzlichkeit des Palasts wissen musste. In den Jahren von 2022 bis 2024 gab der Louvre jeweils drei Millionen Euro für die Sicherheit aus. Als Vergleich: Unter ihrem Vorgänger waren es zuletzt zwölf Millionen gewesen.
Schon länger dauert die Ausdünnung des Personals an. Der Louvre zählt heute ungefähr 2000 Angestellte. Die meisten von ihnen sind mit dem Empfang der Besucher und der Beaufsichtigung der Ausstellungssäle beschäftigt. In den vergangenen fünfzehn Jahren sind rund zweihundert Stellen verloren gegangen, obschon gleichzeitig die Besucherzahlen immer weiter gestiegen sind. Eine Gewerkschafterin sagte, der Louvre sei für vier Millionen Besucher im Jahr konzipiert. Nun kommen neun Millionen.
Natürlich seien neue Überwachungskameras nötig, um das Museum besser vor Dieben zu schützen. Doch wenn es nicht genügend Personal gebe, das das Aufnahmematerial der Kameras studieren und dann auch schnell reagieren könne, seien alle Geräte umsonst.
Der ignorierte Bericht mit dem rot eingekreisten Balkon
Vor ein paar Wochen berichtete «Le Monde», dass der Louvre schon 2018 eine Studie in Auftrag gegeben hatte, in der die grössten Sicherheitslücken erfasst wurden. Im Bericht war der Balkon und das Fenster vor der Galerie d’Apollon rot eingekreist: höchste Risikostufe überhaupt.
Kann es sein, dass die neue Direktion diesen Rapport nicht kannte? Des Cars, so hört man jetzt, habe, kaum war sie im Amt, auch den Chefverwalter des Museums beurlaubt. Damit sei wichtiges Wissen über die Schwächen des Hauses verloren gegangen. Seither hört man immer wieder von Wasserbrüchen und einsturzgefährdeten Decken.
Es hört sich toll und gross an: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellt im Januar 2025 die Pläne für eine Grossrenovation des Louvre vor.
Foto: AFP
Des Cars beteuert, sie habe auf den schlechten Zustand hingewiesen, und das tat sie tatsächlich. Die Schlüsse, die sie und Macron aber daraus zogen, sind zumindest in der Belegschaft stark umstritten. Macron kündigte im vergangenen Januar an, dass der Louvre eine «Neue Renaissance» erleben werde. Viele Hundert Millionen Euro würden in dessen Renovation investiert über die kommenden Jahre – ganz gross alles. Für die Ankündigung stellte er sich vor Leonardo da Vincis «Mona Lisa», Segen und Fluch des Hauses, weil viele Besucher nur sie sehen wollen. Der Louvre, sagte der Präsident, werde auch einen neuen Zugang erhalten, einen neuen Bypass sozusagen.
Doch der Diebstahl und die offensichtlichen Baufälligkeiten zeigen: Die Zeit drängt. Die Regierung stellte in der Not nun schon mal den berühmten Ingenieur Philippe Jost an. Bis Februar soll der die nötigsten Eingriffe erörtern, einen Plan erstellen. Jost ist der Mann, der den Wiederaufbau von Notre-Dame verantwortet hat – in Rekordzeit, ein kleiner Held der Republik.
Die Sorgen mit dem Louvre
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Bis auf weiteres zu: Gewerkschaftlich organisierte Angestellte protestieren vor der Glaspyramide des Louvre.
Foto: Blanca Cruz (AFP)
Seit 2021 im Amt, aber wie lange noch? Laurence des Cars, Präsidentin des Louvre.
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Es hört sich toll und gross an: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellt im Januar 2025 die Pläne für eine Grossrenovation des Louvre vor.
Foto: AFP