
AUDIO: Kommunen in SH: Mehr als tausend Schrottfahrräder entfernt (1 Min)
Stand: 18.12.2025 05:00 Uhr
Auf den Straßen und Gehwegen in Schleswig-Holstein stehen laut den Kommunen immer wieder kaputte, von den Besitzern aufgegebene Fahrräder herum. Besonders in Kiel sind die Schrotträder dabei ein Problem – und verursachen hohe Kosten.
Im Kieler Stadtteil Ravensberg, Ahlmannstraße: Hier steht ein blaues Herrenfahrrad. Die Kette rostig, der Reifen platt, Unkraut hat sich schon um die Speichen herumgeschlungen. Der Drahtesel ist mit einem orangenen Aufkleber markiert – für Wilfried Schmökel das Zeichen, das Rad einzusammeln. Der 60-jährige Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Kiel (ABK) packt seinen Winkelschleifer aus, durchtrennt das Schloss und schmeißt das Schrottrad auf seinen Pritschenwagen. Es ist Routine, mehr als 1.300 aufgegebene Fahrräder haben die ABK-Mitarbeiter in diesem Jahr schon entfernt.
Aufkleber fordern Eigentümer zum Entfernen auf
Auch in anderen Kommunen im Land stehen immer wieder Schrottfahrräder auf Gehwegen herum, ragen in Straßen hinein. Wenn sie die Verkehrssicherheit gefährden oder Abstellflächen dauerhaft blockieren, müssen sie weg – heißt es aus mehreren Städten und Gemeinden auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein.

Dieses Fahrrad wurde wohl schon länger nicht bewegt, meint Schmökel.
In solchen Fällen ist das Vorgehen ähnlich: Mitarbeiter bringen am Fahrrad einen Aufkleber an. Der Eigentümer hat dann mindestens eine Woche Zeit, das Rad zu entfernen. Passiert nichts, übernehmen die Kommunen. Die bewahren die schrottreifen Fahrräder anschließend mehrere Wochen bis Monate auf – falls sich der Eigentümer doch noch melden sollte.
Einsammeln der Fahrräder kostet Kiel rund 45.000 Euro
Das Einsammeln kostet viel Geld, rechnet Kevin Bechtel vom ABK vor: „Pro Fahrrad liegen die Kosten bei etwa 35 Euro.“ So fallen in Kiel in diesem Jahr rund 45.000 Euro an Kosten an. Das Technische Betriebszentrum in Flensburg geht sogar von 50 Euro pro Fahrrad aus. Bechtel appelliert an die Bürger, die Schrotträder selbst zu entsorgen. Anderen Müll würde man ja auch nicht einfach auf die Straße werfen.
In Kiel sind die herrenlosen Fahrräder seit Jahren ein Problem, die Zahlen sind laut ABK konstant hoch. Das könnte laut Bechtel daran liegen, dass Kiel eine Großstadt ist, in der zudem viele Studierende wohnen: „Gerade um den Semesterwechsel herum bleiben viele Fahrräder stehen, vor allem rund um den Bahnhof.“
Auch kleinere Städte und Gemeinden entfernen Schrotträder
Aber auch kleinere Kommunen wie die Gemeinde Sylt (Kreis Nordfriesland) entfernen regelmäßig Schrotträder. Bei einer Aktion im vergangenen November wurden rund 80 Drahtesel eingesammelt, erzählt Florian Korte von der Inselverwaltung. So will die Gemeinde die Abstellanlagen, zum Beispiel am Bahnhof, für „funktionstüchtige Fahrräder“ freihalten. Ähnlich ist es in Rendsburg: Die Stadt markiert seit diesem Jahr die Fahrräder systematisch mit Aufklebern. 22 Stück wurden laut einer Sprecherin bereits entfernt. Und in Neumünster kontrollieren Mitarbeiter des Technischen Betriebszentrums alle drei Monate die Straßenzüge auf Schrotträder. Im Fokus laut der Stadt: der Konrad-Adenauer-Platz am Bahnhof.
Aus Flensburg und Lübeck hingegen heißt es, Schrottfahrräder seien kein größeres Problem. In diesem Jahr wurden jeweils nur zehn bis zwanzig Schrottfahrräder entfernt.

Bereits länger abgestellte Fahrräder sind im vergangenen Jahr eingesammelt worden und wurden nun teilweise verschrottet.

Fahrzeug illegal abgestellt, Halter unbekannt: Dieses Problem beschäftigt viele Orte. Für die Entsorgung zahlt am Ende oft der Steuerzahler.