Leipzig. Die teilweise Schließung der Universitäts-Schwimmhalle an den Wochenenden ab 1. Januar war das große Aufreger-Thema für alle leistungssportlich ambitionierten Leipziger Schwimmer, Wasserspringer, Tauchsportler und Triathleten in den vergangenen 14 Tagen. Die Nutzer des „Wassersportzentrums“ hatten diese Hiobsbotschaft kaum verdaut, da erreichte sie vor wenigen Tagen die Nachricht einer Gebührenerhöhung für 2026, die viele als einen Preis-Schock wahrnehmen.
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Zum Beispiel erhielten der SC DHfK und der Postschwimmverein eine E-Mail mit neuen Nutzungsentgelten für die Wasserfläche in der Mainzer Straße. Die dabei errechneten Preissteigerungen liegen zwischen 68 Prozent (Sprunghalle) und satten 95,5 Prozent (50-Meter-Schwimmhalle). Demnach soll die einstündige Nutzung der Sprunghalle künftig 84 statt 50 Euro betragen. Für eine 50-Meter-Bahn sind laut Preistabelle je Stunde 21,50 statt 11,00 Euro zu berappen.
Wer legt die Preise fest?
Allerdings hatte es die Universität seit 2011 versäumt, ihre Preise trotz gestiegener Energie- und Personalkosten anzupassen – daher kommt eine Erhöhung an sich nicht überraschend. Jedoch fällt der Sprung aus Sicht der Nutzer extrem aus. „Die Universität macht uns das Leben derzeit sehr schwer. Da werden Ehrenamtliche, die ihre Etats für 2026 bereits geplant haben, kurz vor Weihnachten unter Druck gesetzt“, sagt Daniela Klug, Präsidentin des Tauchsportverbandes Sachsen, deren Finswimmer vor einem halben Jahr bei den World Games abgeräumt haben und in Sachsen die erfolgreichste (wenn auch nicht-olympische) Sportart präsentieren.
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Die Universität macht uns das Leben derzeit sehr schwer. Da werden Ehrenamtliche, die ihre Etats für 2026 bereits geplant haben, kurz vor Weihnachten unter Druck gesetzt.
Daniela Klug
Zur (positiven) Überraschung der Vereine teilt Uni-Pressesprecher Carsten Heckmann der LVZ mit: „Die neue Preisgestaltung wird nicht zum 1. Januar in Kraft treten, sondern voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026. Dass dies einem Leipziger Verein in der vergangenen Woche so mitgeteilt wurde, war ein Versehen. Wir haben das korrigiert.“ Ob es bei der Entgelt-Tabelle bleibt, ist offen.
Wer legt die Preise eigentlich fest? „Die Universität Leipzig legt die Gebühren in Abstimmung mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien und Baumanagement auf Grundlage der Personalkosten, der Betriebskosten, der Nutzung sowie des prozentualen Anteils der Anlage bezogen auf die Gesamtkosten fest“, so Carsten Heckmann.
Bahnen bei Leipziger GmbH günstiger
Der Uni-Sprecher betont, dass die Erhöhung neben dem Wassersportzentrum auch alle anderen Sportstätten auf dem Campus Jahnallee betreffe und die von den Vereinen zu zahlenden Preise keineswegs kostendeckend seien. „Mit unseren Gebühren wollen wir weiterhin unterhalb marktüblicher Gebühren liegen.“
Ein Vergleich mit den Preisen der Sportbäder Leipzig GmbH ergibt dieses Bild: Die 50-Meter-Bahn im „Sportbad an der Elster“ kostet für die Leipziger Vereine aktuell 17,60 Euro je Stunde – also rund vier Euro weniger als der geplante Preis in der Uni. Da aber die Vereine mit hohem Kinder- und Jugendanteil in den Leipziger Hallen bis zu 50 Prozent Rabatt auf die Wasserfläche bekommen, zahlen viele Vereine tatsächlich nur 8,80 Euro. Einen solchen Rabatt für den Nachwuchssport gewährt die Universität nach LVZ-Informationen nicht.
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Die Halle in der Mainzer Straße befindet sich in Landesträgerschaft und gehört daher nicht zum Verantwortungsbereich der Sportbäder Leipzig GmbH, die jährlich einen Zuschuss der Stadt von rund sechs Millionen Euro erhält. Die GmbH hatte im Sommer ihre Preise um zehn Prozent angepasst, jedoch in enger Abstimmung mit den Vereinen. Auch der Freistaat zahle laut Uni für die Mainzer Straße einen Zuschuss. Wie hoch dieser ausfällt, konnte Carsten Heckmann nicht genau beziffern, „da sich der Zuschuss aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt, die jährlich teilweise stark schwanken“.
Sonderlösung für Stützpunkte
„Am härtesten würde die Gebührenerhöhung die Wasserballer treffen“, sagt Holger Maiwald, Vorsitzender des Schwimmsportverbandes der Stadt Leipzig. „Sie können bei Punktspielen nicht die Meldegelder erhöhen wie etwa die Schwimmer.“ Die Flossenschwimmer hoffen, dass sich der Spitzenverband VDST bei der Bezahlung der Trainingsfläche seiner Leistungsträger mit Zuschüssen des Bundesinnenministeriums (BMI) stärker als bisher beteiligt. Nach LVZ-Informationen will das BMI die Finswimmer in den kommenden vier Jahren stärker fördern als zuletzt.
Die Schwimmer setzen für ihren Landesstützpunkt wie bisher auf eine Lösung durch die sächsische Sportpolitik. Laut neuer Preistabelle wären für einen Olympiazyklus von vier Jahren rund 1,6 Millionen Euro an Bahnmieten für insgesamt vier Trainingsgruppen fällig. Allen Beteiligten ist klar: Sollte eine solche Rechnung ins Haus flattern, müsste das Training eingestellt werden. Wichtig zu wissen: Für den Profilsport dieser Sportschüler zwischen 7 und 12.30 Uhr stellt der Freistaat keine Rechnung, da es sich um eine Pflichtaufgabe handelt.
Für den Bundesstützpunkt Wasserspringen gilt seit jeher eine Pauschale, die vom Bund mitfinanziert wird. Trainerin Vanessa Weilert meint: „Die Erhöhung trifft uns sehr bei Wettkämpfen und bei unserer Weihnachtsshow. Wir arbeiten hart, um den Stützpunkt zu erhalten. Gefühlt haben wir in Leipzig immer drei, vier Hürden mehr zu überspringen als andere Standorte.“ Ihr Trainerteam hadere im Moment sehr mit dem ab Januar fehlenden Samstagstraining, denn Anfang Februar stünden wichtige Wettkämpfe an.
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SC-DHfK-Präsident Bernd Merbitz findet klare Worte: „Ich hoffe, dass sich die Vernunft durchsetzt und der Spitzensport in den Wassersportarten keinen Dolchstoß erhält. Außerdem muss das Training an Samstagen ermöglicht werden. Denn es geht um Leistungssport, nicht ums Badevergnügen.“
LVZ