Altenholz. Im Prinzip sind sich in Verwaltung und Gemeindepolitik alle einig: Das Rathaus von Altenholz soll mit einem Notstromaggregat ausgestattet werden. Der Preis für das Projekt ist allerdings auf geradezu schwindelerregende Höhen geklettert. Sage und schreibe 280.000 Euro soll die Anlage inzwischen kosten. Sehr zum Unmut der Gemeindepolitik.
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„Es ist einfach wahnsinnig viel Geld.“ Mit diesem Bekenntnis leitete Bürgermeister Mike Buchau (CDU) am Mittwochabend in der Gemeindevertretung die Diskussion über ein seit langem geplantes – und immer teurer gewordenes – Notstromaggregat fürs Rathaus in Stift ein.
Fast 280.000 Euro für Notstromaggregat in Altenholz
Tatsächlich stehen für das im Grunde simple Elektrizitäts-Backup mittlerweile kalkulierte Kosten von exakt 278.903,87 Euro zu Buche. Und das, obwohl schon 60 Sekunden Internet-Recherche genügen, um herauszufinden: Geräte mit der für Altenholz vorgesehenen Leistung von 100 Kilowattampere (kVA) sind bei durchaus seriös erscheinenden Anbietern bereits für 20.000 bis 50.000 Euro zu haben.
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Diese Diskrepanz stößt nicht nur dem Bürgermeister sauer auf, sondern quer durch die Fraktionen auch der Kommunalpolitik. Die Gemeindevertretung schaltete deshalb am Mittwochabend einen Fachmann hinzu, der das erklärungsbedürftige Phänomen entschlüsseln sollte.
Planungskosten für Notstromaggregat betragen 60.000 Euro
Marc Xiros, von der Gemeinde engagierter Fachplaner für elektrotechnische Anlagen, ist dabei – wohlgemerkt ohne eigenes Zutun – selbst ein Teil des Problems. Korrekt nach den Vorgaben der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) lässt er sich sein Wirken im Dienst der Krisensicherheit des Rathauses von Altenholz mit 59.500 Euro vergüten – immerhin inklusive Mehrwertsteuer. Mithin ist also allein das Planungshonorar um teils das Dreifache höher, als es die vom Bürgermeister angeführten Preise im Internet sind.
Gegenüber der Gemeindevertretung zitierte Xiros allerdings den bekannten Vergleich zwischen „Äpfeln und Birnen“. Der für das Rathaus in Stift vorgesehene Generator sei eben kein Modell von der Stange, sondern speziell nach den Vorgaben der Feuerwehr ausgestattet.
Es geht doch um das Rathaus, nicht um die Feuerwehr.
Jörgen Danielsen
Gemeindevertreter der Altenholzer Wählergemeinschaft
So handele es sich um ein mobiles Gerät, das über eine allein schon 32.000 Euro teure Flutlichtanlage verfügt. Steckdosen für Dreh- und Wechselstrom, Schläuche, Abroller, Verlängerungskabel, aber auch Elektroarbeiten im Rathaus: All das summiert sich laut Xiros zu den beträchtlichen Gesamtkosten von fast 280.000 Euro.
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Nachvollziehen können die Mitglieder der Gemeindevertretung Altenholz diese Rechnung zwar schon, aber nicht wirklich verstehen. „Es geht doch ums Rathaus, nicht um die Feuerwehr“, sagte Jörgen Danielsen von der Altenholzer Wählergemeinschaft (AWG). Andrea Rudolph (Grüne) zeigt sich irritiert: „Ich höre heute zum allerersten Mal, dass so viel Feuerwehrausstattung drinsteckt.“

Unterdessen zielt ihre Parteifreundin Silke Worth-Görtz auf die Gemeindeverwaltung: „Diese Konzeptionslosigkeit macht mir wirklich ganz große Sorgen.“ Dringend nötig für Altenholz ist aus ihrer Sicht ein Masterplan für den Umgang mit Katastrophen. Das biete die beste Gewähr gegen überhöhte und letztlich gar unnötige Ausgaben.
Noch interessanter wird der Fall, weil zusätzlich für das Gemeindezentrum in Klausdorf ein Notstromaggregat in weitgehend identischer Ausführung vorgesehen ist. In diesem Fall, so erläutert Gemeindewehrführer Rainer Kersten auf Nachfrage der Kieler Nachrichten, sei tatsächlich die Feuerwehr an der Planung beteiligt gewesen. „Das Gemeindezentrum soll bei einem Blackout oder in anderen Notfällen eine Anlaufstelle sein“, sagt Kersten. Die üppige Ausstattung mache also tatsächlich Sinn.
Planer: Notstromaggregat kann deutlich billiger werden
Mit dem Konzept für das Aggregat im Rathaus hat die Feuerwehr Altenholz nach Angaben ihres Chefs dagegen „gar nichts zu tun“. Er kenne die Planung nur aus den öffentlichen Sitzungsvorlagen und könne die dahintersteckenden Gedankengänge ebenfalls nicht recht nachvollziehen.
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Auch ohne Kenntnis dieser erst am Donnerstag getätigten Aussagen von Kersten war am Ende der Sitzung vom Mittwochabend allgemeines Zurückrudern angesagt. Planer Xiros versicherte, dass sich die Kosten für eine abgespeckte Version „erheblich“ reduzieren würden. Und Bürgermeister Buchau versprach, in diesem Sinn „nachzuarbeiten“ und eine schlankere Variante vorzulegen.
Bis es so weit ist, hat die Gemeindevertretung dem Projekt erstmal den Stecker gezogen. Finanzielle Wunder sind allerdings auch bei reduzierter Ausstattung nicht zu erwarten. Bereits für ein Grundmodell des Notstromaggregats veranschlagt der Planer mehr als 141.000 Euro.
KN