– Weihnachten steht vor der Tür. Auch in der JVA in Nürnberg laufen die Vorbereitungen. Ein wichtiger Faktor: das Essen. Was an den Feiertagen im Gefängnis auf den Tisch kommen soll, unterstreiche das Besondere der Festtage, sagt der Küchenleiter.
Würstchen mit Kartoffelsalat sind der Deutschen liebstes Weihnachtsessen. Und auch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Nürnberg soll dieser unkomplizierte Klassiker an Heiligabend nahezu genau so auf dem Tisch kommen. Einziger Unterschied: Für die Gefangenen gibt es Nudelsalat statt Kartoffelsalat. „Den Kartoffelsalat essen die Inhaftierten gar nicht so gern“, erklärt Küchenleiter Manfred Tiefel bei einem Gespräch Ende Oktober. Zu diesem Zeitpunkt ist längst festgelegt, was es an Weihnachten in der JVA zu Essen geben wird. Der Speiseplan steht immer 13 Wochen im Voraus.
Der Nudelsalat hat aber noch einen weiteren Vorteil: Er macht weniger Arbeit in der Zubereitung. „Die Nudeln müssen wir nur kochen und fertig. Die Kartoffeln müssen wir erst schälen“, erklärt Tiefel. Zum Salat bekommen die Inhaftierten Wiener aus Putenfleisch.
„Rund um die Feiertage stellen wir immer einen separaten Speiseplan auf, bei dem wir aus den normalen Plänen herausgehen“, erklärt Tiefel. Die normalen Pläne, das bedeutet vorwiegend sogenannte Schöpfgerichte, wie Gemüseeintopf, Linseneintopf oder Greisbrei.
Ein weiteres wiederkehrendes Weihnachtsessen in der JVA ist die Putenkeule. Das Putenfleisch, das ja auch schon bei den Würstchen an Heiligabend aufgetischt wird, macht die Organisation leichter. In der JVA gibt es neben Sonderkostformen wegen Unverträglichkeiten oder Allergien und einer fleischlosen Ernährung die Normalkost und die schweinefleischfreie Kost. Eine Putenkeule ermöglicht also die Ausgabe des Gerichts an zwei Kostgruppen. „Das macht es uns leicht und unterstreicht dennoch ein bisschen das Besondere“, sagt Tiefel mit Blick auf das Essen an den Feiertagen.
Weihnachtsessen in der JVA: Logistische Herausforderungen müssen bedacht werden
Zwischen den Feiertagen gebe es dann wieder Gerichte vom normalen Speiseplan. Da heißt es manchmal auch etwas Haushalten: „Zwischen den Feiertagen liefern viele Firmen nicht, aber wir sind auch begrenzt in unseren Lagermöglichkeiten“, gibt Tiefel zu Bedenken.
Am 6. Januar habe es auch schon mal einen Wildgulasch gegeben. Einzig das fränkische Schäuferla, das gibt es nicht einmal über Weihnachten oder zum Jahreswechsel. „Wir sind zeitlich gebunden, dass die Sachen fertig werden“, erklärt Tiefel. Zudem lasse sich dieses Gericht schlecht warm halten. Das muss aber möglich sein, damit das Essen in sogenannten Kostwägen aus der Großküche in die einzelnen Häuser gebracht werden kann. Die Gefahr, dass die Schweineschulter dabei zäh und trocken werde, sei zu groß.
Ergänzen können die Gefangenen ihre Verpflegung in der JVA durch eigene Einkäufe. Thomas Vogt, Leiter der JVA Nürnberg, berichtet, in der Vorweihnachtszeit würden die Gefangenen Backzutaten kaufen und in den Küchen auf den Stationen werde gebacken. Etwas Weihnachtsstimmung herrscht also auch dort.
vor 17 Stunden

Dauer: 41:21
Geschlossene Gesellschaft
Verpflegung in der JVA
Um das Thema Verpflegung im Gefängnis ranken sich viele Mythen. Das Bild von Wasser und Brot stimmt natürlich schon lange nicht mehr, aber was kommt in der JVA Nürnberg eigentlich abseits der Weihnachtsfeiertage auf den Tisch? Reporterin Carolin Heilig hat darüber mit JVA-Leiter Thomas Vogt gesprochen und sie hat das Mittagessen in der JVA selbst getestet. Von diesen Erfahrungen berichtet sie Gerichtsreporterin Ulrike Löw in einer neuen Folge des VNP-True-Crime-Podcasts „Abgründe“ – zu hören überall da, wo es Podcasts gibt.