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Eine britische Firma droht Russland mit einem internationalen Gerichtsverfahren. Das Unternehmen fordert Entschädigung für die Verstaatlichung ihrer früheren Tochtergesellschaft.
Moskau – Der britische Immobilieninvestor Raven Property Group fordert von Kremlchef Wladimir Putin eine Entschädigung für die Verstaatlichung ihrer ehemaligen Tochtergesellschaft Raven Russia. Laut dem russischen Wirtschaftsportal RBC.ru verkündete das Unternehmen in einer Mitteilung, eine Klage einreichen zu wollen. Ein internationales Schiedsverfahren schließe man nicht aus.
Britische Firma macht Druck auf Russlands Wirtschaft – und will vor Gericht ziehen
Mit der Klage will das britische Unternehmen den Verkauf von Raven Russia an Russland für ungültig erklären lassen. Die Raven Property Group ist eine Immobilieninvestmentgesellschaft, die sich auf Gewerbeimmobilien in Russland spezialisiert hat. Sie ist an der Londoner Börse notiert..
Britische Firma macht Druck auf Russlands Wirtschaft – und will vor Gericht ziehen © IMAGO / ZUMA Press
Im Februar dieses Jahres teilte die frühere Tochtergesellschaft von Raven Property Group laut Reuters mit, dass alle ihre 16 Lagerhäuser an den russischen Staat übergeben wurden. Zudem gab sie an, ihr russisches Geschäft im Juli 2022 an Mitglieder ihres russischen Managementteams veräußert zu haben, behielt aber eine Beteiligung an stimmrechtslosen Vorzugsaktien.
„Sechzehn Lagerkomplexe, die seit 2005 von Raven Russia errichtet und erworben wurden, wurden als Transportterminals anerkannt, die unter natürlichen Monopolbedingungen operieren und der Übertragung an Rosimushchestvo [Anmerkung der Red.: Rosimushchestvo ist die russische Bundesagentur für staatliches Eigentumsmanagement] unterliegen“, erklärte Raven Russia in einer Stellungnahme. Die frühere Tochtergesellschaft von Raven Property Group kritisierte damals den Verkauf der Lagerhallen und beklagte, dass ihre Argumente zur Sachlage ignoriert worden seien.
Immobilieninvestor fordert von Putin Entschädigung für Verstaatlichung der ehemaligen Tochterfirma
Der Gesamtwert der beschlagnahmten Vermögenswerte von Raven Russia, dem größten Eigentümer von Lagerimmobilien in Russland, könnte sich laut Schätzungen auf 120 bis 160 Milliarden Rubel belaufen. Laut dem Portal leave-russia.org hat ein Berufungsgericht die Entscheidung des Moskauer Schiedsgerichts bestätigt, das am 31. Mai dieses Jahres (2025) einem Antrag auf Verstaatlichung der Vermögenswerte der Raven Russia-Unternehmensgruppe, zugestimmt wurde.
Im Oktober 2025 beschlagnahmte das Moskauer Schiedsgericht sämtliche Anteile der in St. Petersburg ansässigen Unternehmens Pervomayskaya Zarya LLC, welches Teil des großen Lagerhausentwicklers Raven Property Group war. Die Anteile übertrug das Schiedsgericht an den russischen Staat.
Zudem gab es im Oktober Berichte, dass die Vermögenswerte von Raven Russia für 90 Milliarden Rubel versteigert wurden. Laut dem Portal Torgy konnten Interessenten ihre Bewerbungen für die Versteigerung des in Staatsbesitz übergegangenen Vermögensportfolios von Raven Russia bis zum 21. November einreichen. Die Versteigerung selbst fand am 3. Dezember statt.
Geschäfte für Firmen in Russland wird schwierig – Putin droht mit Enteignungshammer
Die Raven Property Group wurde 2005 von den britischen Unternehmern Anton Bilton und Glyn Hirsch gegründet, um in russische Lagerimmobilien zu investieren. Nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs übertrug die Raven Property Group ihre russischen Aktivitäten an ein lokales Management (unter der Leitung von Igor Bogorodov), um sich von den Russlandgeschäften zurückzuziehen. Raven Russia befindet sich laut russischen Steuerunterlagen mehrheitlich im Besitz der Lorenia Holdings Limited, einem Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Für viele Firmen ist die Fortführung des Betriebs in Russland infolge des Ukraine-Kriegs schwierig und riskant geworden. Kremlchef Putin hat sogar vor einigen Monaten ein Dekret unterzeichnet, welches die Gefahr einer Enteignung für sowohl russische als auch für westliche Firmen erhöht. (Quellen: Reuters, RBC.ru, Forbes.ru, leave-russia.org) (bohy)