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Carola aus Berlin reiste vorzeitig ab. Herbert Schmoll aus Obergude bleibt trotz des Rückschlags optimistisch und hofft auf neue Chancen.

Alheim – Mit Spannung dürfen die Fernsehzuschauer seit Anfang November mitverfolgen, wie sich die gemeinsame Hofwoche von Herbert Schmoll aus Obergude und seiner „Bauer sucht Frau“-Auserwählten Carola aus Berlin so entwickelt. Nun steht fest: Aus dem erhofften Liebesglück ist für den 59-jährigen Pferdepensionsbetreiber leider – noch – nichts geworden. Denn „seine“ Berlinerin, die nach eigenem Bekunden voller Hoffnung nach Alheim gereist war, hat dort vom ersten Tag an mit höllischem Heimweh gekämpft – und deshalb inzwischen die Reißleine gezogen. Die gemeinsame Woche auf dem Hof von Herbert Schmoll hat sie vorzeitig abgebrochen und ist wieder abgereist.

„Du hast alles richtig gemacht, aber ich habe das Heimweh zu meiner Familie unterschätzt. Ich habe bemerkt, dass mir meine Familie wichtiger ist, als die Sehnsucht nach Zweisamkeit“, erklärt die 56-Jährige in der RTL-Produktion emotional sichtlich bewegt. Und Herbert? Der nimmt es sportlich. „Vielleicht war das der Grund, dass ich nicht so den Zugang zu ihr gefunden habe – Kuschelmomente gab es leider nicht“, sagt er. Carola habe ehrlich und früh ausgesprochen, was sie bewegt. Das Heimweh sei einfach zu stark für sie gewesen. Er habe selbst gespürt, dass der berühmte Funke nicht recht überspringen wollte. „Ich habe nach ein paar Tagen gemerkt, dass ich keinen richtigen Durchbruch erzielen kann – da war es natürlich auch eine Erleichterung, dass sie es offen ausgesprochen hat“, sagt der 59-Jährige.

Herbert über „Bauer sucht Frau“: „Ich verstehe ihre Beweggründe“Am Alheimer Schlachtschiff in Heinebach: Dorthin hatte Herbert Schmoll "seine" Carola ausgeführt, als sie zur Hofwoche nach Obergude gereist war. Am Alheimer Schlachtschiff in Heinebach: Dorthin hatte Herbert Schmoll „seine“ Carola ausgeführt, als sie zur Hofwoche nach Obergude gereist war. © Martina Weitzel/privat/nh

Traurig ist Herbert darüber, dass er noch einiges geplant hatte, was er ihr so nun nicht mehr zeigen konnte. Als Ortsteil-Wehrführer hätte er Carola gerne Einblicke in die Feuerwehrarbeit gegeben – „und auch ein Familiengrillen mit meinen beiden Söhnen stand auf meiner Liste“. Doch Carola habe das aus Sorge abgelehnt, weil sie befürchtete, dass ihr Heimweh dadurch nur noch stärker werde. „Ich habe ihr das nicht übel genommen – ich verstehe ihre Beweggründe“, sagt Herbert.

Bauer sucht Frau

Im Oktober 2005 strahlte der Privatsender RTL erstmals die Sendung „Bauer sucht Frau“ aus. Das Format – liebevoll Lovetainment genannt – wird seit der ersten Staffel von Inka Bause moderiert. Das Konzept beinhaltet, dass jeweils in einer Auftaktsendung – sie wurde bereits am Pfingstmontag ausgestrahlt – mehrere Monate vor Beginn der Staffel die teilnehmenden Landwirte vorgestellt werden. Die Bewerber – in der Regel Frauen – können ihnen persönliche Briefe schreiben. Aus den eingegangenen Bewerbungen wählen die Bauern ihre Favoritinnen aus, die zum näheren Kennenlernen auf ein Scheunenfest eingeladen werden. Dort dürfen sich die Landwirte für eine oder mehrere der Bewerberinnen entscheiden, die sie auf ihren Hof einladen. Hier müssen sich die angehenden Bäuerinnen auf dem Feld und im Stall beweisen und versuchen, das Herz des jeweiligen Bauern zu erobern. Nach einer Woche gehen die Paare wieder getrennte Wege. Ob sich am Ende eine feste Beziehung gebildet hat, zusammengezogen wird oder ob es sogar eine Hochzeit gibt, wird am Dienstag, 23. Dezember, in der Finalshow zu sehen sein.

Nach wie vor überzeugt ist der Familienvater davon, dass es richtig war, den Wunsch seiner Söhne zu respektieren und nur eine Kandidatin mit auf den Hof zu nehmen – unsere Zeitung berichtete. „Ich bin alleinerziehend, meine Söhne sind 16 und 17. Sie haben mich zum Scheunenfest losgeschickt und sich ausdrücklich gewünscht, dass ich nur eine Frau mit nach Hause bringe – und ich selbst wollte mich auch voll und ganz auf eine Person konzentrieren, statt unter Stress mehrere gleichzeitig kennenlernen zu müssen“, sagt der Oberguder.

Ich würde jederzeit wieder mitmachen.

Bauer sucht Frau Herbert Schmoll aus ObergudeMit Ralf, dem Bauernreporter, hatte Herbert so richtig Spaß. Auch wenn seine beiden Galloway-Rinder Selma und Ida zurzeit die einzigen Damen sind, die er zum Kuscheln hat. © Rtl/stefan Gregorowius/nh

Dass Heimweh für Carola eine so große Rolle spielte, kann Herbert nachvollziehen – auch wenn es für ihn persönlich ungewohnt ist. „Ich war als Soldat viel von zu Hause weg. Für mich war das nie ein Problem. Aber jeder Mensch ist anders, und ich nehme ihr das nicht übel – es ist, wie es ist, ich kann damit leben“, sagt der 59-Jährige. Dennoch bleibe die Sehnsucht nach Zweisamkeit. Aber viele Menschen hätten nun ja gesehen, dass er es ernst meint, mit der Suche nach einer Partnerin. „Vielleicht werden durch diese Öffentlichkeit ja noch andere auf mich aufmerksam, die nicht ganz so weit weg wohnen und vielleicht weniger Heimweh bei mir haben“, sagt er und lächelt verschmitzt. Die RTL-Mitarbeiter von der Produktionsfirma hätten ihm bereits erklärt, dass nach der Ausstrahlung häufig weitere Interessentinnen auf die Teilnehmer zukommen.

Versöhnliches Fazit zu „Bauer sucht Frau“ nach Herberts Hofwoche

Nicht nur deshalb bleibt Herbert trotz des frühen Abschieds positiv gestimmt. Besonders die Gemeinschaft unter den Staffel-Teilnehmern habe ihn sehr beeindruckt. „Die Community ist unglaublich – wir sind wirklich zusammengewachsen“, erzählt er begeistert. Alle Teilnehmer seien in einer großen WhatsApp-Gruppe miteinander vernetzt. „Ich möchte diese neu gewonnenen Bekanntschaften nicht mehr missen – mein Bekanntenkreis ist jetzt über ganz Deutschland verteilt“, sagt der Oberguder und schmunzelt. Die Teilnahme bei „Bauer sucht Frau“ bereue er „auf keinen Fall – ich würde das jederzeit wieder so machen“, sagt er. Auch wenn der Ausgang jetzt erstmal für ihn keinen Erfolg gebracht hat – „Diese Erfahrung nimmt mir keiner mehr – egal, wie die Hofwoche ausgegangen ist“, sagt Herbert und wirkt zufrieden. Trotz des kleinen Herz-Schmerzes bleibe er optimistisch. „Ich bin guter Dinge, was die Zukunft angeht. Und ich würde jederzeit wieder mitmachen – allein wegen der tollen Community, die entstanden ist.“

Sein persönliches Highlight sei der Besuch von Bauernreporter Ralf auf seinem Hof gewesen. „Der ganze Dreh war für mich wesentlich stressfreier als für die Hauptsendung – da konnte ich nur auf mich achten und musste mich nicht noch auf meine Hofdame konzentrieren“, sagt Herbert Schmoll. Das sei locker und dynamisch gewesen und habe richtig Spaß gemacht. „Wir waren unter anderem auf dem Highwalk in Rotenburg und konnten all das machen, was ich Carola auch gerne noch gezeigt hätte“, sagt er. Auch der Dreh mit seinem Bruder Erwin Schmoll, der im Bauernreporter als „Sensenmann“ auftaucht, sei für ihn toll gewesen. „Das gute Stück ist unsere Familiensense und bereits uralt“, berichtet er. Erwin, der ebenfalls mit seiner Familie in Obergude lebt, habe Angst um das „gute Stück gehabt, weil der Ralf damit mehr im Boden rumgehackt hat, als ordentlich zu sensen“, erinnert sich Herbert Schmoll. Sein Bruder sei besorgt gewesen, dass das historische Teil dabei beschädigt werden könnte. Aber auch das ist gut ausgegangen, für die Schmolls.

Bauer sucht Frau Herbert Schmoll aus ObergudeAuf dem Highwalk in Rotenburg galt es für Herbert und Ralf, gegen die Höhenangst anzukämpfen. Doch ganz so schlimm, wie ihr Minenspiel andeutet, war’s dann nicht. © Rtl/stefan Gregorowius/nh

„Auch wenn der Ausgang für mich keinen Erfolg gebracht hat – vielleicht klappt es ja bei dem einen oder anderen Teilnehmer“, sagt der Oberguder. Wer das mitverfolgen möchte, hat Anfang nächster Woche dazu an zwei Abenden Gelegenheit. (Peter Gottbehüt)

KOMMENTAR: Mit Herbert mitgefiebert

Ich sag’s gleich ganz offen: Lovetainment – wie RTL das Format „Bauer sucht Frau“ seit Beginn der Ausstrahlung dieser Sendereihe 2005 getauft hat – ist nicht unbedingt das, was ich an Fernsehkost bevorzuge. Dann schon lieber den traditionellen Tatort am Sonntagabend. Aber einmal in die Geschehnisse hineingezogen – wenn auch durch „meinen“ Bauern Herbert aus Obergude beruflich bedingt – muss ich zugeben, dass man(n) an diesem Sendeformat durchaus Gefallen finden kann. Menschen und das, was sie tun, sind immer spannend. Da fiebert man mit und will wissen, wie es weitergeht für die Protagonisten, die sich beim Näher-Kennenlernen präsentieren.

Dass der Sender RTL sicherlich auch Formate ausstrahlt, bei denen der Zuschauer sich fragt, ob das denn alles „echt“ ist oder ob ihm dort gescriptete Realität vorgesetzt wird, ist meist mehr als augenfällig. Nun hatte ich die Gelegenheit, Herbert Schmoll bei seinem Weg von den ersten Dreharbeiten auf seinem Pferdehof bis hin zum Staffelfinale zu begleiten und kann berichten: Bei „Bauer sucht Frau“ ist das nicht so. Zwar wird auch dort für die „richtigen“ Bilder sicherlich das eine oder andere dramaturgisch gestrafft, aber gezeigt wird schon die – überwiegend ungeschminkte – Realität. Das macht auch den Reiz dieser Sendereihe aus. Sonst wäre sie nicht seit zwei Jahrzehnten so beliebt. Ach ja, die Liebe. Die hat Herbert Schmoll durch seine Teilnahme nicht gefunden. Dass er sich trotzdem wacker geschlagen hat, nicht zum Gespött gemacht worden ist, sondern gestärkt und ruhig wirkt, wenn er von seinen Erlebnissen berichtet, ist beruhigend. Bleibt ihm zu wünschen, dass sich sein Traum von einer erfüllten Liebesbeziehung, der ihn zu seiner Bewerbung bei RTL bewogen hat, noch erfüllt. Vielleicht ja nicht ganz so öffentlich, wie dieser Versuch, und mit jemandem aus der Nähe, der besser in seine Welt passt und in Obergude kein Heimweh empfindet. (Peter Gottbehüt)