Das Mannheimer Theresienkrankenhaus wird bis spätestens Ende 2027 schließen. Auch aufgrund des „anhaltenden Kostendrucks im Gesundheitssektor“ habe man den ursprünglich für 2029 geplanten Schritt zwei Jahre vorziehen müssen. Wie der Träger, die „Barmherzigen Brüder Trier“ (BBT-Gruppe), mitteilte, soll die Notaufnahme am Theresienkrankenhaus noch bis Mitte 2026 bestehen bleiben. In Zukunft werde dann die Notaufnahme am Mannheimer Diakonissenkrankenhaus, kurz Diako, erweitert, so die BBT-Gruppe weiter. Diese Pläne sorgen allerdings für Unmut bei Experten und Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Die Befürchtung: Die Notfallversorgung in Mannheim könnte sich verschlechtern.

Mannheim: Notaufnahme am Diako soll erweitert werden

Die bestehende Notaufnahme am Diako soll in Zukunft größer und baulich verändert werden. Übergangsweise sollen zum Beispiel Behandlungsräume erweitert werden. Wann genau die Baumaßnahmen für den langfristigen Anbau starten, könne man aktuell nicht sagen.

Unklar sei auch, ob es zum Beispiel eine Container-Lösung geben oder der Anbau in Schnellbauweise entstehen soll. Bisher gebe es am Diako und am Theresienkrankenhaus insgesamt 31 Intensivbetten. Am Diako sollen es laut BBT-Gruppe künftig noch 28 sein. Am Theresienkrankenhaus gibt es bislang auch einen Landeplatz für Rettungshubschrauber. Das werde auch am Diako angestrebt, so die BBT-Sprecherin.

Zahl der Intensivbetten in Mannheim über bundesweitem Durchschnitt

In Mannheim wird es mit der Schließung des Theresienkrankenhauses künftig nur noch zwei statt drei Notaufnahmen geben. Neben den künftig 28 Intensivbetten am Diako gibt es am Uniklinikum nach eigenen Angaben weitere 103 Intensivbetten. Im Vergleich läge Mannheim dann mit knapp vier Intensivbetten pro 10.000 Einwohner über dem bundesweiten Durchschnitt. Laut einer Untersuchung gab es 2021 in Deutschland knapp drei Intensivbetten auf 10.000 Einwohner.

Theresienkrankenhaus schließt – Mannheims OB besorgt über künftige Versorgung

Insgesamt gehe es bei den Plänen darum, „die Versorgungssicherheit für die Region Mannheim […] zu sichern“, teilte der Träger mit. Mit dem jetzigen Stand, wie die BBT-Gruppe die Situation organisiert, sei Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht „sehr unzufrieden“.

Ich glaube nicht, dass wir so schnell in der Lage sein werden, am Diako die Möglichkeiten aufzubauen, alle Notfallpatienten aufzunehmen.

„Es darf nicht sein, dass gerade eine Stadt wie Mannheim mit ihren Gefährdungslagen auf einmal nicht ausreichende Notfallkapazitäten hat“, betont Specht im SWR-Interview. Der Krankenhausträger BBT müsse hier seinem Versorgungsauftrag nachkommen.

Ehemaliger Mitarbeiter des Theresienkrankenhauses: „Verunsicherung ist enorm“

Auch einige Experten und Insider sorgen sich um die künftige Versorgung von Notfallpatienten in der Stadt. Der frühere Chefarzt der Gefäßchirurgie am Theresienkrankenhaus, Axel Hoffmeister, spricht im Zuge der geplanten Schließung von einer „Katastrophe“. Die Patientenversorgung werde leiden, sagte er gegenüber dem SWR. Das Diako liege am Rande der Stadt. Rettungsdienste hätten dann auch längere Anfahrtswege.

Hoffmeister steht nach eigenen Angaben im Austausch mit der Belegschaft des Theresienkrankenhauses. Früher sei das Haus ein „Familienbetrieb“ gewesen. Inzwischen sei die Stimmung schlecht, Mitarbeiter hätten Angst um ihre Jobs. Die „Verunsicherung ist enorm“, so Hoffmeister. Es gebe keinen „Fahrplan“ der Geschäftsführung. „Die Leute wissen nicht, was kommt.“

Deshalb hätten sich Ärzte teilweise schon jetzt in anderen Krankenhäusern beworben. Sie würden künftig am Diako fehlen. Stellen seien teils auch schwer neu zu besetzen, so der ehemalige Chefarzt.

Es wird Qualifikation aus Mannheim verschwinden, die so schnell nicht ersetzbar ist.

Auf die Frage, ob es neben betriebsbedingten zuletzt auch freiwillige Kündigungen gab, teilte die BBT-Gruppe auf SWR-Anfrage mit: „In einem Haus unserer Größe gibt es immer eine natürliche Fluktuation, auch in diesen Zeiten“.