TikTok-Chef Shou Zi Chew schrieb in einer Mitteilung an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ByteDance und TikTok hätten verbindliche Vereinbarungen mit den Investoren zur Gründung eines neuen Gemeinschaftsunternehmens unterzeichnet. Dieses sei etwa für Datenschutz, die Sicherheit des Algorithmus und Software zuständig.
Zu den Investoren gehören laut dem US-Wirtschaftsportal Bloomberg und dem US-Nachrichtenportal Axios eben der Softwarekonzern Oracle sowie die Finanzfirmen Silver Lake aus den USA und MGX aus Abu Dhabi. Sie sollen Axios zufolge rund 45 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen halten. Weitere rund 20 Prozent sollen beim bisherigen Eigentümer, dem in China ansässigen ByteDance-Konzern, liegen. Rund ein Drittel der Anteile bleibe bei bisherigen internationalen Investoren von TikTok, hieß es weiter.

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TikTok soll in den USA rund 170 Millionen Nutzerinnen und Nutzer haben
Gemeinschaftsunternehmen bekommt Vergütung
Insider hatten im September gegenüber Reuters angegeben, dass ByteDance die Kontrolle über Themen wie Werbung und Marketing behält, die Daten und der Algorithmus dagegen an das Gemeinschaftsunternehmen abgegeben werden. Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen sagten am Freitag, die nun getroffene Vereinbarung mit TikTok entspreche dem. ByteDance erwirtschafte weiterhin die Umsätze mit TikTok, während das Gemeinschaftsunternehmen im Hintergrund für Technik und den Umgang mit den Daten sorge und dafür eine Vergütung erhalte.
Streit begann vor fünf Jahren
Der Streit über die Kurzvideoplattform, die allein in den USA mehr als 170 Millionen Nutzer und Nutzerinnen hat, hat vor mehr als fünf Jahren begonnen. In seiner ersten Amtszeit hatte US-Präsident Donald Trump erstmals erfolglos versucht, die App zu verbieten, er hatte das mit Sicherheitsbedenken begründet.

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Die Zentrale von ByteDance in Peking
Da der bisherige TikTok-Mutterkonzern ByteDance seine Zentrale in Peking hat, hing die Zukunft der App in den USA seit Monaten in der Schwebe. Unter anderem wurde befürchtet, dass sich chinesische Behörden Zugang zu Daten von US-Bürgern und -Bürgerinnen verschaffen könnten. Befürchtet wurde auch chinesische Propaganda auf TikTok. TikTok und ByteDance bestritten das.
Frist immer wieder verlängert
Das US-Geschäft hätte nach einem im vergangenen Jahr beschlossenen Gesetz bis zum 19. Jänner 2025 von ByteDance abgetrennt werden oder die App in den USA vom Netz gehen müssen.
Trump setzte jedoch gleich zu seinem Amtsantritt im Jänner die Umsetzung des Gesetzes aus und verlängerte die Gnadenfrist seitdem mehrmals. Nach seinen Angaben holte er auch bei der chinesischen Regierung schon vor Monaten eine Zustimmung für den TikTok-Deal in den USA ein. Im September hatte Trump die Frist für den Verkauf der App bis zum 20. Jänner verlängert.
Axios: Bewertung bei 14 Milliarden Dollar
Damals bezifferte US-Vizepräsident JD Vance den Wert von TikTok auf ungefähr 14 Milliarden Dollar (rund zwölf Mrd. Euro). Unklar ist, wie hoch der Kaufpreis jetzt ausfällt. Unterrichtete Kreise sagten Axios, dass die Bewertung der Sparte bei 14 Milliarden Dollar geblieben sei.
Als Vance diesen Betrag nannte, sorgte das noch für Erstaunen. Gemessen an der Größe des TikTok-Geschäfts in den USA mit 170 Millionen Nutzern und Nutzerinnen ist das ein eher niedriger Preis. So sagte Analystin Jasmine Enberg von Emarketer damals Bloomberg, auf etwa 14 Milliarden Dollar schätze ihre Firma allein die Werbeerlöse von TikTok in den USA im Jahr 2025.
Was geschieht mit dem Algorithmus?
Unklar sei allerdings weiterhin, ob der Algorithmus tatsächlich übertragen worden oder ob er weiterhin in chinesischer Hand sei und von Oracle lediglich überwacht werde, sagte Rush Doshi, der unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden im Nationalen Sicherheitsrat tätig war. Das US-Präsidialamt und ByteDance antworteten nicht auf Anfragen zu dem Geschäft. Auf den Betrieb von TikTok außerhalb der USA dürfte das Geschehen keine Auswirkungen haben.

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US-Präsident Donald Trump und Oracle-Gründer und Milliardär Larry Ellison
Demokraten: Hinterzimmergeschäft für Milliardäre?
In der Opposition in den USA stieß das Geschäft auf Kritik. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren sagte, es blieben noch zahlreiche Fragen offen. „Trump will seinen Milliardärsfreunden noch mehr Kontrolle über das geben, was Sie ansehen“, schrieb sie auf der Plattform X von Tesla-Chef Elon Musk. Die US-Bürger und -Bürgerinnen verdienten es zu erfahren, ob Trump wieder einmal im Hinterzimmer ein Geschäft für Milliardäre eingefädelt habe, so Warren weiter.
Trump kennt aus dem Wahlkampf die Macht von TikTok. Wenn er könnte, würde er TikTok der Kontrolle seiner MAGA-Bewegung unterstellen, sagte Trump im September. Das werde aber „leider nicht funktionieren“. Stattdessen werde „jede Gruppe, jede Philosophie, jede Politik sehr fair behandelt werden“.
Trumps enge Verbindung zu Ellison
Trump verfügt über enge Beziehungen zu Oracle-Chef Larry Ellison und dessen Familie. Ellisons Familie kaufte vor wenigen Monaten den Hollywood-Konzern Paramount. Danach gab es im dazugehörenden Sender CBS zügig einen Umbau der Nachrichtenredaktion. Zuletzt räumte CBS Erika Kirk, der Witwe des getöteten Rechtsaußen-Aktivisten Charlie Kirk, ungewöhnlich viel Platz ein.
Paramount versucht auch – bisher ohne Erfolg gegen den Streamingdienst Netflix –, den Konkurrenten Warner Bros. Discovery zu übernehmen. Zu Warner gehört auch der Nachrichtensender CNN. Trump ist CNN, wo oft auf von ihm verbreitete Unwahrheiten hingewiesen wird, schon lange ein Dorn im Auge.
Im September sprach Trump zudem davon, dass auch Michael Dell, der Gründer und Chef des gleichnamigen PC-Herstellers, der Medienmogul Rupert Murdoch und „wahrscheinlich vier oder fünf absolute Weltklasse-Investoren“ an dem TikTok-Geschäft beteiligt werden sollten. Unklar ist, ob Dell und Murdoch letztlich ebenfalls zum Zug kamen.