Mannheim. 13.512 Menschen sind am Freitagabend in der SAP Arena, fast alle feiern den 5:3-Sieg der Mannheimer Adler gegen Iserlohn – aber nur elf von ihnen erleben einige unvergessliche Momente. Nicht auf dem Eis, nicht auf der Tribüne, sondern dort, wo eigentlich nie jemand dabei sein darf: wenige Minuten vor dem ersten Bully im Spielertunnel unter der Südtribüne. Als in der Arena alle darauf warten, dass sich das Rolltor öffnet und die Eishockey-Cracks aufs Eis stürmen, sind die Leserinnen und Leser des „Mannheimer Morgen“ hautnah dabei.
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19.08 Uhr. 22 Minuten, bis das erste Drittel gegen die Roosters beginnt. Die Gruppe steht im Kabinentrakt der SAP Arena, Musik dröhnt leise durch die Wände über den Flur. Schon jetzt liegt Schweiß in der Luft, auch wenn die Spieler nicht zu sehen sind.
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Ein schmaler Gang, der mit blauen Teppichmatten ausgelegt ist, führt vorbei am Gym direkt ans Tor gegenüber der Nordtribüne, wo die Adler-Supporter schon hörbar sind. Die Eismaschinen verrichten ihre Arbeit, der Stadionsprecher heizt noch einmal an. „Völlig losgelöst“ schallt laut durch die Arena bis in die Katakomben, wo die Leserinnen und Leser stehen. Dann geht das Licht aus, und das Rolltor zu – und vom Lärm aus der Halle ist nichts mehr zu hören.
Adler-Verteidiger Tobias Fohrler ist der Erste, Dan Renouf peitscht ein
Gespanntes Warten. Dann kommt Tobias Fohrler. Keine zwei Meter läuft der Adler-Verteidiger an der kleinen Gruppe vorbei. Nach einem kurzen „Hallo“ steht er direkt am Rolltor mit der Aufschrift „Für Mannheim“. „Das war einfach krass“, sagt Joachim Dux. Für ihn und seine Frau ein unvergesslicher Moment im Spielertunnel der SAP Arena. Wenige Minuten später sind alle Spieler da: Leon Gawanke, Marc Michaelis, Kris Bennett, als einer der Letzten kommt Torhüter Johan Mattsson. Dan Renouf peitscht seine Jungs noch mal ein: „Auf geht‘s!“, brüllt er. Manche seiner Mitspieler lassen Adler-Schreie los. Dann geht das Rolltor auf, der Lärm der Arena füllt die Katakomben, die Eishockey-Profis betreten das Eis, das Spiel beginnt.
Fürs Fotoalbum: Carola und Boris Juszczak lassen Bilder von sich an der Eismaschine machen. © Florian Karlein
Aber wie kommen die fünf Männer und sechs Frauen dort hin? Möglich gemacht hat das Event, das es erst zum zweiten Mal gibt, eine Kooperation der HAAS Mediengruppe, zu der unter anderem der „Mannheimer Morgen“ gehört, mit den Mannheimer Adlern: ein exklusives Angebot inklusive Führung durch die Arena, Essen im VIP-Bereich, Sitzplätze nah am Eis und eben der Besuch im Spielertunnel – und das war innerhalb weniger Minuten ausverkauft.
Kein Wunder. Für die elf Fans hallt dieses Erlebnis lange nach. Bei Tanja zum Beispiel. „Wahnsinn. Total cool, da im Tunnel zu stehen“, schwärmt sie während der zweiten Drittelpause. „Und echt faszinierend, wie groß die Spieler sind.“ Seit 2019 geht die junge Frau zu den Adlern, besitzt seit der vergangenen Saison sogar eine Dauerkarte. Dieses besondere Erlebnis in der Arena hat sie von ihrer Mutter Barbara vorzeitig zum Geburtstag geschenkt bekommen. Drei Tage nach dem Spiel wird Tanja 31.
Gäste im Spielertunnel beim Adler-Spiel? Selten – und auch für die Profis ungewohnt
Superlative und das Wort cool fallen oft an diesem Freitagabend. Auch Christian Böhm nimmt es mehrfach in den Mund. Der 51-Jährige kommt aus Dresden, aber seine Frau ist Mannheimerin. Seit 2014 lebt er in der Stadt, Eishockey-Fan ist er schon immer. Wie Tanja besitzt auch er eine Dauerkarte, allerdings schon seit der Meistersaison 2018/2019. „Ein einmaliges Erlebnis“, sagt Böhm – da ist egal, dass sein Lieblingsspieler verletzungsbedingt nicht mit dabei ist. Mit einem Trikot von Tom Kühnhackl nimmt der 51-Jährige trotzdem viele Fotos und Videos im Spielertunnel auf.
Wie besonders es tatsächlich ist, so kurz vor dem Spiel so nah an den Adlern dran zu sein, verrät Patrick Alles, der die Gruppe vorher durch die SAP Arena geführt hatte. „Gäste im Spielertunnel sind absolut selten“, sagt er. Auch für die Spieler eine ungewohnte Situation. Unbezahlbar, die Stars kurz vor Spielbeginn bei ihrer Routine auf den letzten Metern beobachten zu können.
Die Halle noch leer, die Daumen oben: Weit vor Spielbeginn erkunden die Adler-Fans die SAP Arena. © Florian Karlein
Viele grüßen die Gruppe trotzdem. „Manche waren schon müde – die haben sich gleich hingesetzt“, witzelt Boris Juszczak, als die Spieler auf dem Eis sind. Er spielt damit etwa Matthias Plachta an, denn während sich seine Mitspieler teilweise lautstark selbst motivieren, sitzt der Routinier ruhig auf einer Bank. Plachta ist etwa drei Jahre alt, als Juszczak 1994 zum ersten Mal ein Spiel der Adler sieht – damals natürlich noch im Stadion im Friedrichspark, das seit einigen Monaten abgerissen ist. Der 48-Jährige, der von seiner Frau begleitet wird, erinnert sich an die Meisterpartie gegen Kassel 1997, an Freikarten als Schüler und die Umgewöhnung ans Rauchverbot nach dem Umzug in die Arena im Bösfeld. Aber das Erlebnis im Spielertunnel „ist einfach mega“.
Was passiert mit dem Eis der Mannheimer SAP-Arena während Konzerten?
Als „krass“ bezeichnen es Anke und Joachim Dux. Sie kommen aus Bürstadt und sind seit mehr als 30 Jahren Fans der Adler – am Freitagabend tragen die beiden Trikots aus der Meistersaison 1998. Sie haben viel erlebt mit den Adlern, aber so nah dran zu sein, sei „unvergesslich“.
Da stimmt Niklas zu. „Ich war voll aufgeregt“, erzählt der 13-Jährige in seinem Michaelis-Trikot – obwohl sein Lieblingsspieler eigentlich Plachta ist. Auf der Tribüne fiebert der Schüler dann richtig mit und jubelt, als der 5:3-Sieg der Adler endlich unter Dach und Fach ist.
Wer stellt hier die Fragen? Die Adler-Fans nehmen mit dem „MM“ auch an der Pressekonferenz mit Trainer Dallas Eakins (r.) teil. © Florian Karlein
Anschließend wird die Arena umgebaut für das Konzert von Big Time Rush am Samstag, dann wieder für das Handballspiel der Rhein-Neckar Löwen am Sonntag. Da drängt sich bei der Besuchergruppe eine Frage auf: Was passiert mit dem Eis? Es schmelzen zu lassen und das Schmelzwasser abzutragen, würde etwa zwei Wochen dauern, erklärt Alles – das ist also keine Lösung. Deswegen bleibt die Eisfläche einfach das ganze Jahr über da. Für Konzerte, Handball und Co. wird sie einfach mit speziellen Platten abgedeckt. Das klappt innerhalb von zehn Stunden. „Normaler Wahnsinn in Multifunktionshallen“, nennt Patrick Alles das.
Nach einem kurzen Besuch in der ersten Drittelpause bei „MM“-Adler-Reporter Christian Rotter auf der Pressetribüne sind die Leserinnen und Leser nach dem Spiel live bei der Pressekonferenz mit den Trainern dabei – doch das Fragenstellen an Adler-Coach Dallas Eakins überlassen sie dann doch Experte Rotter.