Kiel. Die Blues-Legende schickte sich gerade an, den ersten Takt des Abends zu spielen, da gratulierte eine Zuhörerin aus dem gut besetzten Auditorium in der Kieler Pumpe mit einem fröhlichen „Happy Birthday, Abi!“. Denn Abi Wallenstein ist vor wenigen Tagen 80 Jahre alt geworden. Und tatsächlich war das angesichts der juvenilen Lässigkeit, die dieser Typ unter dem schrägen Hut ausstrahlte, kaum zu glauben.
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Begeistert und verblüfft gleichermaßen: Abi Wallenstein in der Kieler Pumpe
Dann zeigte Wallenstein mit „Mojo Boogie“ aber früh, auf welchem pulsierendem Energielevel er immer noch musiziert. So war man ob der Dynamik, der Wirksamkeit und der ungekünstelten Emotionalität seines Bottleneck-Spiels (Slide) auf der Gitarre sowie seines rauen, originären Gesangs gleichermaßen begeistert und verblüfft. Der Mann, der nächstes Jahr sein 60. Bühnenjubiläum feiert, groovte dermaßen los, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis die ersten Fans ihr Gestühl verließen, um mitzutanzen. Blues heißt eben nicht zwingend Blue Notes. Das gilt auch im Advent. Jenseits akustischer Besinnlichkeitsbekundung geriet der Abend so zur grandiosen Blues-Party.
Als ob es im Mississippi-Delta, wo der von Wallenstein bevorzugte Blues-Stil im späten 19. Jahrhundert entstanden ist, kein Weihnachten gegeben hätte.
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Abi Wallenstein & Blues Culture in Kiel: Authentisch, seelenvoll und mit ganz eigener Note
Wieder zeigte sich, wie großartig es Abi Wallenstein seit Jahrzehnten gelingt, den altehrwürdigen 12-Takter aus der neuen Welt authentisch, seelenvoll, mit viel Respekt, aber ganz eigener Note auf dem europäischen Kontinent zu präsentieren.
Ganz maßgeblich zum Gelingen des Konzerts trug natürlich die Band Blues Culture mit Steve Baker (Mundharmonika) und Martin Röttger (Schlagzeug) bei. Beide ihrerseits absolute Ausnahme-Könner. Sowohl im kunstvoll ausformulierten Solo als auch in der präzise treibenden Begleitung. Bakers Eigenkomposition „Hustle On Down“ mochte dafür als ein Beispiel von vielen gelten. „Down By The Riverside“, „Shake Your Boogie“ oder „Trouble Child“ heizten zwischen Blues, Boogie, R’n‘B und frühem Rock die Stimmung weiter an.
Die Blues-Fassung des Prince-Klassikers „Kiss“ war ein besonderes Juwel
Und die absolut autarke Blues-Fassung des Price-Klassikers „Kiss“ war gegen Ende des Konzertes ein ganz besonderes Juwel. Doch es gab auch nachdenklichere Momente. Mit dem Anti-Vietnam-Kriegssong „Long As I Can See the Light“ von Creedence Clearwater Revival oder dem spirituellen „The Maker“ (Daniel Lanois) setzte der 1945 in Jerusalem geborene und seit 1960 in Deutschland lebende Musiker eindringliche Zeichen für Frieden und Menschlichkeit. Und sendete damit doch noch eine echte Weihnachtsbotschaft.
KN