Leuchtende Kugeln liegen in einem Park bei Nacht.

AUDIO: Kultur an den Weihnachtsfeiertagen (4 Min)

Stand: 20.12.2025 08:04 Uhr

Wer über die Weihnachtsfeiertage Kulturveranstaltungen besuchen möchte und noch nichts gebucht hat, ist schon ein bisschen spät dran. Doch auch Kurzentschlossene finden ihr Glück in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

von Jennifer Philipp

Die Weihnachtsfeiertage bieten jenseits der familiären Traditionen Raum für Musik, Kunst, Schauspiel, Filme oder Lichtspiele. Doch während die Planung für das Festmahl oft Wochen im Voraus erfolgt, stellt sich für viele erst kurz zuvor die Frage: Was unternehmen wir an den Festtagen? Wer klassische Bühnenkunst bevorzugt, muss in diesem Jahr besonders schnell sein, denn das Interesse an Theater und Ballett ist groß. Sven Bohde, Pressesprecher des Theater Kiel, bestätigt diese Beobachtung: „Die Weihnachtsfeiertage sind natürlich bei uns auch eine besondere Zeit. Wir haben drei Stücke im Programm: Im Opernhaus ‚La Cage aux Folles – Ein Käfig voller Narren‘ sowie das Ballett ‚Schneewittchen‘ und im Schauspielhaus das Musical ‚Viel Lärm um nichts‘.“ Die Resonanz des Publikums sei trotz gestiegener Lebenshaltungskosten deutlich spürbar: „Wir merken, dass eine große Nachfrage da ist. Die Leute mögen es offensichtlich, an den Feiertagen ins Theater zu gehen und eine gute Zeit zu haben.“

Der Theaterbesuch ist für viele ein traditioneller Bestandteil der Festtage. „Bei uns ist die Nachfrage weiterhin hoch. Wir freuen uns natürlich darüber. Die Leute sind bereit, Geld für einen Theaterbesuch auszugeben“, so Bohde weiter. Während zwei der Kieler Produktionen bereits ausverkauft sind, gebe es für „Viel Lärm um nichts“ immerhin noch Restkarten. Ein Trend, der sich vielerorts im Norden abzeichnet. Wer noch eines der begehrten Tickets ergattern möchte, sollte die Online-Buchungssysteme umgehend prüfen. Für jene, die eine flexiblere Gestaltung bevorzugen, bleiben Museen eine verlässliche Anlaufstelle. Suzan Ulas vom NDR Kultur Programmmarketing hat die Möglichkeiten für die einzelnen Bundesländer sondiert.

Hamburg: Maritime Illumination und moderne Kunst

Gute Nachrichten für Opernfans: Die Staatsoper bietet noch Tickets für „Hänsel und Gretel“ am 25. Dezember an. Kleine und große Gäste erwartet im Schmidt Theater das Familienstück „Es war einmal – 7 Märchen auf einen Streich“. Auch hier gibt es mittlerweile nur noch Restkarten.

Nicht limitiert hingegen ist das kulturelle Angebot am ersten und zweiten Feiertag in renommierten Museen. Die Deichtorhallen sowie das Bucerius Kunst Forum öffnen an beiden Weihnachtsfeiertagen ihre Pforten. Die Hamburger Kunsthalle und das Museum für Kunst und Gewerbe empfangen am zweiten Weihnachtstag ihre Gäste.

Weihnachtsmannstatue

Tausende Lichter lassen Hamburg im Advent erstrahlen und in der Vorweihnachtszeit hat die Stadt einen ganz besonderen Zauber.

Ein besonderer Tipp für die Feiertage sind zudem die abendlichen Lichterrundfahrten durch den Hafen, die eine maritime Perspektive auf die illuminierte Speicherstadt und das Kontorhausviertel bieten. Ein Spaziergang entlang der Binnenalster, deren Uferwege festlich beleuchtet sind, rundet das Programm ab. Wer sich nach Bewegung an der frischen Luft sehnt, findet im Christmas Garden im Loki-Schmidt-Garten eine ästhetische Verbindung aus Botanik und Lichtkunst. Auf dem Rundweg lassen sich leuchtende Märchenfiguren entdecken.

Schleswig-Holstein: Hanseatische Geschichte und Schlossatmosphäre

Auch in Schleswig-Holstein bietet insbesondere der 26. Dezember vielfältige Anreize für einen kulturellen Ausflug. Restkarten gibt es zu Redaktionsschluss noch für „Hänsel und Gretel“ im Theater Lübeck. An diesem Tag öffnet auch das Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig seine Pforten. In Lübeck laden das Europäische Hansemuseum (geöffnet am 25. und 26.12.) sowie das Günter-Grass-Haus (geöffnet am 26.12.) zur Besichtigung ein. Ein besonderer Akzent wird in der Kunsthalle St. Annen (Geöffnet am 26.12.) gesetzt, die eine Ausstellung der indischen Künstlerin Shilpa Gupta präsentiert.

Künstlerin Shilpa Gupta.

In ihren Werken setzt sich die indische Künstlerin mit Menschenrechten, Meinungsfreiheit und Zugehörigkeit auseinander.

Szene aus dem Stück "Wald".

Der Wald schlägt zurück. In allen europäischen Städten wuchern plötzlich Bäume. Die Figuren: absurd komisch.

Für jene, die den Lichterglanz der Altstädte suchen, bietet die Lübecker Altstadt – das UNESCO-Welterbe – mit ihren beleuchteten Gängen und Stiftshöfen ideale Bedingungen für einen ruhigen Spaziergang. Auch die historische Altstadt von Friedrichstadt mit ihren Grachten oder ein Rundgang um das Schloss Eutin bieten stimmungsvolle Alternativen. Viele Weihnachtsmärkte im Land, etwa in den Küstenorten, laden auch nach Heiligabend noch zu einem entspannten Bummel in festlicher Kulisse ein.

Menschen mit brennenden Kerzen in den Händen und dick eingepackt in Winterkleidung.

Im Manfred-Werner-Stadion hat der „Young Voices Chor“ von der Unesco-Schule aus Weiche den Takt vorgegeben.

Eine ältere Frau steht telefonierend am Fenster vor einem Weihnachtsbaum

Weihnachten allein daheim? Das muss nicht sein! Wir haben Angebote für Alleinstehende im ganzen Land zusammengestellt.

Mecklenburg-Vorpommern: Retrospektiven und herrschaftliche Gärten

Mecklenburg-Vorpommern verbindet auch an den Festtagen Kunstausstellungen mit weitläufigen Parklandschaften. Die Kunsthalle Rostock (geöffnet am 26.12.) lädt zu einer großen Hans-Ticha-Retrospektive ein. An beiden Weihnachtstagen geöffnet sind das Staatliche Museum Schwerin und das Pommersche Landesmuseum in Greifswald. Diese Häuser bieten Raum für eine stille Auseinandersetzung mit der Landesgeschichte und kritischer Pop Art.

Unter anderem in Kühlungsborn, Schwerin und Stralsund laden Weihnachtsmärkte auch über die Feiertage zum Genuss. Ein winterlicher Spaziergang durch den Schweriner Schlossgarten bietet eine herrschaftliche Kulisse, besonders wenn die Schlossfassade am Abend illuminiert wird. In den Welterbe-Städten Wismar und Stralsund lassen sich die weihnachtlich beleuchteten Backsteinfassaden bei einem Rundgang durch die historischen Stadtkerne bewundern. Die Weite der Ostseestrände ist zu jeder Jahreszeit einen Ausflug wert.

Das beleuchtete Riesenrad am Pfaffenteich auf dem Schweriner Weihnachtsmarkt

In Mecklenburg-Vorpommern öffnen jetzt wieder die Weihnachtsmärkte. Das Angebot zwischen Ostsee und Seenplatte ist vielfältig.

Niedersachsen: Landeshauptstadt im Zeichen der Kunst

In der niedersächsischen Landeshauptstadt sind am zweiten Weihnachtstag das Sprengel Museum und das Landesmuseum Hannover geöffnet. Der 26. Dezember ist damit der beste Tag für einen Museumsbesuch im Norden.

Abseits der großen Theater und Galerien finden sich in Niedersachsen reichlich Alternativen unter freiem Himmel. Die Herrenhäuser Gärten laden täglich von 9 bis 16.30 Uhr zu einem Spaziergang in historischem Ambiente ein. Wer den Charme norddeutscher Kleinstädte schätzt, findet in den illuminierten Fachwerkzeilen von Goslar eine fast museale Kulisse. Zwischen Nordsee und Harz haben auch 2025 wieder einige Weihnachtsmärkte über Weihnachten geöffnet. Der Weihnachtsmarkt in der Celler Altstadt bietet an allen drei Feiertagen eine besondere, atmosphärische Kulisse. Auch Braunschweig, Lüneburg, Hameln, Altenau, Goslar und Einbek öffnen Glühwein-, Schmalzgebäck- und Naschwerk-Stände. Die beleuchteten Marktplätze bieten einen würdigen Rahmen für einen festlichen Ausklang der Feiertage.

Blick auf den Weihnachtsmarkt in der Altstadt von Hannover.

Gebrannte Mandeln, Glühwein und Kunsthandwerk: Zwischen Nordsee und Harz öffnen jetzt wieder viele Weihnachtsmärkte.

Die hier aufgeführten Empfehlungen stellen lediglich einen Ausschnitt aus dem facettenreichen Kulturangebot dar, das der Norden an den Festtagen bereithält. Sie dienen als Inspiration, die Feiertage für eigene Erkundungen zu nutzen – sei es in den großen staatlichen Museen oder bei kleineren, regionalen Initiativen, in festlich geschmückten Stadtzentren oder im Theater. Da viele Häuser und Veranstalter über die Jahre ganz eigene Traditionen entwickelt haben, lohnt es sich, auch die lokalen Kulturkalender und die Webseiten der Kirchengemeinden für festliche Konzerte im Auge zu behalten.
Gut beraten ist außerdem, wer sich vor dem Besuch über die Öffnungszeiten und ggf. die Auslastungen informiert, um lange Wartezeiten an den Kassen zu vermeiden.