Nach dem antisemitischen Terroranschlag auf eine Chanukkafeier in Sydney, hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, vor einer gefährlichen Gewöhnung an ein sehr hohes Niveau von Antisemitismus in Deutschland gewarnt. „Wir haben beim Antisemitismus einen Grad der Gewöhnung erreicht, der so hoch ist, dass politische Maßnahmen sich häufig im Schutz jüdischen Lebens erschöpfen“, sagte Schuster.
Es werde hingenommen, dass jüdisches Leben nur unter immensen Schutzvorkehrungen möglich sei. Das sei Symptombekämpfung, teilte er mit. „Diese Zustände sind unhaltbar. Politik und Zivilgesellschaft müssen zusammenwirken, um endlich die Ursachen des Judenhasses anzugehen.“ Seine Vision bleibe die eines jüdischen Lebens ohne Schutzschild.
Schuster hofft auf neuen Aufstand der Anständigen
Schuster forderte mehr Widerspruch und Einsatz gegen Antisemitismus in Deutschland. Es brauche einen neuen Aufstand der Anständigen, teilte er mit. Er müsse heute feststellen, dass die Anständigen entweder deutlich weniger geworden seien, oder sie untätig auf den Zuschauerrängen sitzen blieben, sagte Schuster zudem.
Damit bezog sich der 71-Jährige auf eine Aussage des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder (SPD) und des damaligen Zentralratspräsidenten Paul Spiegel nach einem Anschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge im Jahr 2000. Schröder hatte damals einen Aufstand der Anständigen gefordert.
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