Arbeitslosigkeit vs. boomende Industriestadt; zerstörte Geschäfte vs. leere Gebäude – Gelsenkirchen hat sich in den letzten 75 Jahren massiv (!) verändert. Schuld daran ist nicht nur die Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg, sondern auch zahlreiche (politische) Entscheidungen.
Nun macht ein kleiner Film es besonders deutlich – früher war vieles anders, in den Augen einiger Nostalgiker vielleicht sogar besser. Viele User werden schnell deutlich.
Krieg und Wiederaufbau: Gelsenkirchen im Wandel
„Kohle, Eisen und Stahl“ – Gelsenkirchen war vor 1950 das Herz dieser Güter. Immerhin wurde aus einem kleinen Dorf in wenigen Jahrzehnten eine boomende Industriestadt. Zechen, Rauch und harte Arbeit bestimmten damals den Alltag, Tausende strömten in die Stadt – auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Doch der Zweite Weltkrieg traf Gelsenkirchen hart: Bomben zerstörten große Teile der Stadt, Hunger und Not prägten das Ende der 1940er Jahre. Und eben genau hier versucht der Film „Gelsenkirchen – Stadt der tausend Feuer“ die Stadt Anfang der 1950er-Jahre im großen Aufbruch widerzuspiegeln.
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Die Kamera zeigt vor allem Arbeit, Industrie und Wiederaufbau: Trümmer weichen neuen Häusern, der Alltag kehrt zurück, die Stadt lebt wieder. Es ist ein Bild einer Stadt, die sich nach Krieg und Zerstörung nicht unterkriegen lässt. Doch genau hier setzt die Kritik an: Der Film zeigt vor allem die glänzende Seite der Nachkriegszeit. Hunger, Wohnungsnot und soziale Probleme bleiben weitgehend außen vor. Statt harter Realität gibt es Pathos und Optimismus – fast schon Werbung für die Industrie.
NRW-Stadt kämpft gegen Arbeitslosigkeit
Denn erst nach 1950 kam der Neustart. Häuser wurden wieder aufgebaut, die Zechen liefen noch einmal auf Hochtouren, das Wirtschaftswunder brachte Arbeit und Hoffnung. Doch der Aufschwung hielt nicht ewig: Ab den 1960er-Jahren kam das große Zechensterben. Arbeitsplätze verschwanden, ganze Stadtteile verloren ihre Grundlage. Und heute? Nun, Gelsenkirchen kämpft mit leeren Geschäften, hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Herausforderungen. Kein Wunder, dass viele gerne an die alten Zeiten zurückdenken.
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So betont ein User unter dem YouTube-Video: „Bin in den 70ern mit Oma immer von Marl mit dem Bus über Polsum nach Gelsenkirchen-Buer zum Einkaufen gefahren. Karstadt, Hertie, dutzende Geschäfte, alles da. Friedlich und ohne Hektik. Im Zoo standen die Papageien im Eingang wie im Film. Heute ist kaum was übrig vom alten Glanz. Traurig“.
„Gelsenkirchen ist nur noch ein Schatten seiner selbst“
Auch ein anderer fügt hinzu: „Das, was aus Gelsenkirchen geworden ist, passiert bald ganz Deutschland, durch Deindustrialisierung und falschem Wandel.“
Weitere Kommentare unter dem Video:
- „Sehr interessant für einen Kölner. Ich verstehe immer mehr die Aussage ‚früher war alles besser‘.“
- „Ein toller Film und viel Traurigkeit, wenn ich sehe, was aus Gelsenkirchen heute geworden ist. Das Armutshaus Deutschlands, höchste Arbeitslosenquote, höchste Anzahl an Migranten, GE ist nur noch ein Schatten seiner selbst.“
- „Die Menschen der 50er, 60er, 70er Jahre hätten sich sicher in ihren kühnsten (Alb)Träumen nicht ausmalen können, wie verkommen ihre Stadt in der heutigen Zeit aussehen wird.“
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Doch trotz allem: Gelsenkirchen hat wohl seinen ganz eigenen Charme – auch wenn es jetzt ganz anders aussieht, als noch vor 75 Jahren.