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Für Putin und den Kreml ist die Ausbildung junger Mensch immens wichtig. Aber nicht nur zu Soldaten.Bild: imago images / sna

Russland

Zwei von Russlands wichtigsten Waffen im Krieg gegen die Ukraine sind Desinformation und Propaganda. Auch junge Menschen werden dafür genutzt.

21.12.2025, 13:1621.12.2025, 13:16

Dariusch Rimkus

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Ein „magischer“ Wiederaufbau wird gefeiert. Eine dem vorangegangene grausame Zerstörung hingegen verschwiegen. Der Kreml treibt in den besetzten Gebieten in der Ukraine die Russifizierung voran.

Und zwar mithilfe einer wie immer gut geölten Propaganda-Maschine – zu der auch eigens ausgebildete Social-Media-Influencer:innen und Blogger:innen gehören. Wie sie insbesondere in Mariupol vom Kreml gefördert werden, hat nun eine Recherche aufgedeckt.

Russland: Influencer-Schulen für Kreml-Propaganda in der Ukraine

In den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine spielen diese Influencer:innen eine zentrale Rolle in einer groß angelegten Propagandakampagne des Kremls.

Wie der „Telegraph“ berichtet, werden meist junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, in sogenannten „Blogging-Schulen“ ausgebildet, die unter der Verantwortung der russischen Besatzungsverwaltungen stehen.

Eine dieser Schulen ist demnach das Donbass Media Center (DMC), das vom Kreml finanziert im September 2024 in Mariupol eröffnet wurde. Ähnliche Programme waren zuvor bereits in Donezk, Luhansk und Melitopol gestartet worden.

Ziel dort stattfindender Trainings sei es, den Teilnehmenden beizubringen, wie sie auf russischen Plattformen ein Publikum aufbauen und Inhalte erstellen, die die russische Besatzung in einem positiven Licht darstellen.

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Mariupol wurde von der russischen Armee massiv beschädigt.Bild: imago images / sna

Im Fall von Mariupol sollen sie in ihren Videos etwa ein Bild einer aufstrebenden, blühenden Stadt erwecken. Sie zeigen neue Wohnanlagen, Einkaufszentren und renovierte Stadtteile. Die 21-jährige Elisaweta Tscherswjakowa, die an der Blogging-Schule in Mariupol ausgebildet wurde, betont laut „Telegraph“ etwa, sie wolle „jegliche Mythen zerstreuen“, dass Mariupol ein schlechter Ort zum Leben sei.

Putins Propaganda-Plan für junge Leute

Das Projekt ist ganz auf Linie mit den Wünschen Russlands Machthabers Wladimir Putin: Ende November unterzeichnete er ein Dekret, das die Behörden dazu verpflichtet, gezielt „Medien- und Internetressourcen, einschließlich sozialer Netzwerke, Video-Hosting-Seiten, Instant Messenger und Blogs“ einzusetzen. Ziel sei es, Inhalte zu verbreiten, die eine „Stärkung der zivilen Einheit“ in den von Russland besetzten Gebieten bezwecken.

Gleichzeitig schweigen Tscherswjakowa und ihre Kolleg:innen demnach weitgehend zur massiven Zerstörung durch die russischen Besatzer und die schwierigen Lebensbedingungen der verbliebenen ukrainischen Bevölkerung. Beim gewaltsamen Überfall durch Russland 2022 sollen 90 Prozent der Wohngebäude beschädigt oder zerstört worden sein.

Nach dem Tod von 20.000 bis 88.000 Zivilist:innen und der Flucht Hunderttausender leben die verbleibenden etwa 100.000 Ukrainer:innen in Mariupol prekär. Es fehlt an Wohnraum, medizinischer Versorgung und grundlegender Infrastruktur. Dennoch zeigen die Videos der Influencer:innen eine heile Welt, die mit der Realität wenig gemein hat.

Ihre Inhalte sind laut dem „Telegraph“ Teil einer koordinierten Kampagne, die darauf abzielt, die Russifizierung der Stadt zu fördern und die Besatzung als Erfolgsgeschichte darzustellen. Straßen werden umbenannt, Denkmäler entfernt, russische Lehrpläne an Schulen eingeführt und verlassene Häuser für russische Siedler:innen vorbereitet.

RUSSIA, DONETSK PEOPLE S REPUBLIC - OCTOBER 30, 2025: Renovation work is underway outside the Mariupol Republican Academic Drama Theatre in the city of Mariupol. Dmitry Yagodkin/TASS PUBLICATIONxINxGE ...

Mittlerweile ist der Wiederaufbau Mariupols durch den Besatzer Russland in vollem Gange.Bild: imago images / itar-tass

Über Social Media gelangt diese russische Propaganda dann auch zu jungen Leuten, als „integraler Bestandteil der russischen Propagandabemühungen, die Geschichte der Ukraine auszulöschen, ihre Kunst, Sprache und historischen Wahrzeichen zu ersetzen und die Jugend zu beeinflussen“, wie Julija Gorbunowa, leitende Ukraine-Expertin bei Human Rights Watch, erklärt.

Alle Blogger scheinen dieselbe Aufgabe zu haben

Gleichzeitig sollen die Spuren russischer Kriegsverbrechen verwischt und die Besatzung legitimiert werden. Es solle gezeigt werden, „wie viel besser es ist, unter russischer Kontrolle als unter ukrainischer zu leben“, erklärt Elina Beketowa vom Center for European Policy Analysis (CEPA).

Sie meint: „Alle Blogger scheinen dieselbe Aufgabe erhalten zu haben – die Wiederaufbauarbeiten hervorzuheben, die Russland durchführt.“

Die Blogging-Schulen und die von ihnen ausgebildeten Influencer:innen sind somit ein wichtiges Werkzeug in Russlands Propagandamaschinerie, das darauf abzielt, die Besatzung als Erfolgsgeschichte zu verkaufen – und die russische Kontrolle über die Region zu festigen.