Mehmet Aydin wird für seinen Treffer gegen Schalke gefeiert

Stand: 21.12.2025 15:38 Uhr

Aus Respekt vorm Ex-Verein kein großer Jubel, für ihren aktuellen Klub aber extrem wichtige Tore: Mehmet Can Aydin und Sidi Sané haben Eintracht Braunschweig in der 2. Liga zum 2:1 (0:0)-Sieg gegen Schalke 04 geschossen. Die beiden Ex-Knappen trafen in der 60. und 85. Minute, Soufiane El-Faouzi (88.) erzielte zu spät den Anschluss für den Herbstmeister.


Sebastian Hochrainer

„Das war ein hochverdienter Sieg der Braunschweiger, das haben sie sich heute wirklich verdient. Wir sind immer selbstkritisch und wollen uns immer weiterentwickeln – aber wir kompensieren in den letzten Wochen schon viele Ausfälle, irgendwann kannst du es aber nicht mehr auffangen“, sagte Miron Muslic im Sportschau-Interview. „Aber wir können das gut einschätzen, Braunschweig hat es hervorragend gemacht. Es ist dennoch ein unglaublicher Weg, den wir eingeschlagen haben.“

Schon vor der Partie war klar, dass Schalke als Tabellenführer in die Winterpause gehen würde – obwohl die Mannschaft von Trainer Miron Muslic nicht das typische Topteam einer Liga ist. Der 43-Jährige hatte das Erfolgsgeheimnis zuvor sehr passend beschrieben. „Wir haben die absolute Spielkontrolle ohne Ball“, sagte Muslic, dessen Team die Gegner nicht fußballerisch dominiert, aber mit Kampf, Disziplin und Qualität in der Defensive meistens dennoch im Griff hat.

Schalke und Braunschwieg bieten eine offensivarme Halbzeit

So war es auch zunächst in Braunschweig so, dass die Gastgeber wie die bessere Mannschaft wirkten, der Großteil der Partie fand zunächst in der Schalker Hälfte Zeit. Mehr als einen gefährlichen Abschluss von Leon Bell Bell, der knapp am Tor vorbeiging (11.), ließ das Muslic-Team allerdings nicht zu. Zumindest bis zur 40. Minute, als Johan Gomez von der Strafraumkante noch zu hoch schoss.

Ansonsten passierte vor den Toren so gut wie nichts, Schalke war also im Soll. Zur Halbzeitpause lag Braunschweig mit 4:2 bei den Torschüssen vorn, bei den „expected goals“ mit 0,39:0,23 ebenfalls – das 0:0 auf der Anzeigetafel spiegelte die Partie somit sehr gut wider. Und es war wie so oft, wenn Schalke spielte, dass auf beiden Seiten die dichte an Höhepunkten sehr überschaubar war – was gemäß der Muslic-Aussage eine Qualität ist.

Aydin bestraft Passivität von Schalke 04

Dass diese Qualitäten nicht besonders zuschauerfreundlich sind, untermauerten neben den wenigen Torschüssen auch die Passquoten beider Teams von jeweils unter 70 Prozent. Und auf diesem Niveau setzte sich die Partie auch nach der Pause fort. Doch dann hatte wieder Bell Bell die große Chance auf die Braunschweiger Führung, frei vor dem Tor schloss er aber zu ungenau ab, so konnte Loris Karius parieren (58.).

Nicht nur in dieser Szene sah es so aus, als würde Schalke die „Ohne-Ball-Kontrolle“ verlieren – und das nutzte Braunschweig dann auch. Nach einem Abpraller kam Aydin halb rechts aus zwölf Metern zum Direktschuss und knallte den Ball mit 118,7 Stundenkilometern durch die Beine von Nikola Katic und Karius ins Tor (60.). Kurz danach musste der Torhüter sogar das schnelle 0:2 verhindern, als Christian Conteh nach einem Konter frei vor ihm auftauchte (63.).

Braunschweigs Conteh verletzt sich schwer am Knie

Weil Karius vor diesem Aydin-Treffer erst achtmal in dieser Saison hinter sich greifen musste, ist Schalke das Spitzenteam der 2. Liga. Nun war seine Mannschaft aber in der Offensive gefragt – und die gehört nicht zu den königsblauen Stärken. Moussa Sylla hatte nach einem Eckball eine vernünftige Möglichkeit, sein Kopfball ging vorbei (67.), aber diese Szene verdeutlichte, dass vor allem ruhende Bälle die große Hoffnung des Herbstmeisters waren.

Dann musste Braunschweig aber um Conteh bangen, der nach einem Zweikampf nach 70 Minuten zu Boden ging und offensichtlich große Schmerzen hatte. Die Rettungskräfte mussten mit der Trage heranrücken, der Stürmer schaffte es aber, den Platz von einem Braunschweiger Betreuer gestützt selbstständig auf einem Bein zu verlassen – an der Tatsache, dass sich der Stürmer in dieser Situation eine schwere Knieverletzung zugezogen haben dürfte, änderte das aber nichts.

Mit Sané trifft noch ein zweiter ehemaliger Schalker

Trotz dieses Schocks für die Braunschweiger änderte sich bis zum Schlusspfiff am Sieg nichts – jedoch am Ergebnis, weil nach Aydin noch ein Ex-Schalker traf. Sané, der jüngere Bruder von Nationalspieler Leroy schloss einen Konter eiskalt zum 2:0 ab (85.) und entschied endgültig die Partie. Wie zuvor Aydin verzichtete auch Sané auf einen ausufernden Jubel – obwohl das Duo für einen extrem wichtigen Sieg ihres Teams sorgte.

Dank des Erfolgs geht Braunschweig als Tabellen-13. mit 20 Punkten in einer sehr komfortablen Situation in die Halbzeit der Saison, trifft nach der Winterpause am 16. Januar im eigenen Stadion mit dem 1. FC Magdeburg (18.30 Uhr) einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. „Ich bin total stolz auf meine Mannschaft, wir haben ein super Spiel gemacht. So gehen wir total glücklich in die Winterpause, wir sind jetzt gefestigt“, sagte Trainer Heiner Backhaus im Sportschau-Interview.

Schalke wachte an diesem Nachmittag zu spät auf, obwohl es noch den Anschlusstreffer durch El-Faouzi in der 88. Minute gab und in der Nachspielzeit einen Pfostentreffer von Mika Wallentowitz. So blieb es bei der dritten Saisonniederlage des Tabellenführers. Der startet am 17. Januar bei Hertha BSC (20.30 Uhr) in die Rückrunde und hat direkt ein echtes Topspiel vor der Brust.