Von Tillmann Bauer
Mannheim. Das gab’s in der Geschichte der Rhein-Neckar Löwen noch nie! Erstmals überhaupt und völlig überraschend lief der zweifache Handball-Meister am Sonntagnachmittag in einem Heimspiel in den Auswärtstrikots auf.
Blau statt Gelb – und dann auch noch beim Jahresheimspielabschluss bei großartiger Kulisse vor über 12.000 Zuschauern in der Mannheimer SAP Arena.
Die Erklärung: In dieser Saison gibt’s auf Auswärts- und Heim-Trikots zwei verschiedene Brust-Sponsoren. In fremder Halle hat man aber schon drei Mal in Gelb gespielt. Und um nun für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen, sollte es diesmal eben die blaue Farbe sein.
Aus dem Konzept hat’s zum Glück niemanden gebracht …
Im Gegenteil! Die Rhein-Neckar Löwen feiern den vierten Sieg aus den letzten fünf Spielen. 35:29 (14:12) gegen den HSV Hamburg: Die Formkurve zeigt weiter nach oben. Es war mittlerweile der siebte Heim-Sieg im zehnten Auftritt vor eigenen Fans.
„Man sieht, was möglich ist“
Löwen-Trainer Maik Machulla sagte zu den Pressevertretern: „Weihnachten kann kommen. Das waren für uns zwei extrem wichtige Punkte. Die Leute sehen, was wir machen und respektieren das. Dann sieht man, was in dieser Arena möglich ist, wenn sie voll ist. Jetzt können wir zumindest ein paar ruhigere Tage genießen.“
Vor dem Jahresabschluss am Samstag beim SC DHfK Leipzig (19 Uhr/Dyn) steht man nun mit 20:16-Punkten in der Bundesliga-Tabelle auf Platz sieben.
Diesmal überragte ein Trio: Kreisläufer Jannik Kohlbacher (10 Tore bei 12 Versuchen), Haukur Thrastarson (7/10) und Edwin Aspenbäck (7/9) machten mehr als zwei Drittel aller Löwen-Tore.
Nach dem Raketen-Start (5:1/8. Minute) gab’s viel zu viele Technische Fehler (14) und Fehlwürfe (Abschlussquote von 78 Prozent). Die Löwen deckten anfangs super, machten aber zu wenig aus ihrer Überlegenheit. Der HSV schlug mehrfach zurück (6:5/15. und 9:8/20.), verpasste aber immer den Ausgleich.
Coach Machulla wurde in seiner ersten Auszeit deutlich und sagte: „Immer wenn wir den Ball laufen lassen und Druck machen, bekommen wir eine gute Möglichkeit. Wenn wir weniger investieren: Scheißdreck!“
Man kann getrost sagen: Danach investierten die Löwen mehr. Der Vier-Tore-Vorsprung wurde minutenlang verteidigt (18:14/35. bis 24:20/43.) – in der Schlussviertelstunde war das Polster dann noch deutlicher (28:21/46.) und die Leistung eine vorweihnachtliche Demonstration der eigenen Stärke.
HSV-Trainer Torsten Jansen und 2007-Weltmeister sagte bei der Pressekonferenz gewohnt trocken: „Glückwunsch an die Rhein-Neckar Löwen zum verdienten Sieg. Damit ist eigentlich schon alles gesagt.“ Was er meinte: Seine Hamburger waren – ganz anders als im Hinspiel (30:33) – überhaupt nicht bereit und hatten keine Chance.
Rückraum-Linkshänder Aspenbäck sagte: „Wir machen insgesamt zu viele Technische Fehler – aber am Ende ist die Hauptsache, dass wir gewinnen.“
Der Schwede feiert Weihnachten übrigens in Heidelberg gemeinsam mit einigen Mitarbeitern aus der Geschäftsstelle. Die Familie bleibt in Schweden. Geschenke hat er noch keine.
Unser Vorschlag: Vielleicht ein neues Löwen-Trikot – ein blaues.
Löwen: Thrastarson 7/2, Aspenbäck 7, Kohlbacher 10, Heymann 2, Groetzki 1, Baijens 4, Jaganjac 1, Nothdurft 1, Larson 1, Steenaerts 1.
Hamburg: Lassen 6, Kofler 2, Weller 2, Sauter 3, Andersen 6/1, Mortensen 3/1, Jørgensen 4/1, Botta 1, Norlyk 1, Gadza 1.
Strafminuten: Plucnar 2, Heymann 2, Aspenbäck 2, Thrastarson 4 – Sauter 4, Kofler 2.
Stenogramm: 4:0 (5.), 5:1 (10.), 6:5 (15.), 9:8 (20.), 13:11 (25.), 14:12 (30.), 18:15 (35.), 22:18 (40.), 26:21 (45.), 31:24 (50.), 34:26 (55.), 35:29 (60.).
Zuschauer: 12.124