Jedes Jahr zur Hauptuntersuchung (HU)? TÜV Süd-Geschäftsführer Jürgen Wolz hatte in einem Interview durchblicken lassen, dass bestimmte Gebrauchtwagen im Sinne der Verkehrssicherheit öfter auf den Prüfstand gestellt werden sollten. Ebenso diskutierte die EU-Kommission darüber, ob häufigere Inspektionen bei älteren Autos die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten reduzieren könnten.
Laut Kraftfahrt-Bundesamt rollen mehr als 49 Millionen Autos über unsere Straßen. Im Schnitt sind die Fahrzeuge über zehn Jahre alt. Bedeutet bald für viele Autofahrer mit der nächsten HU im Nacken jeder Rost, jedes Knarzen und jede aufleuchtende Kontrollleuchte zusätzlichen Stress und Kosten? Wofür sich der TÜV und die EU-Kommission ausgesprochen haben, welche Autos betroffen wären und wie die EU-Verkehrsminister jetzt entschieden haben, lesen Sie hier.
HU: Wann muss mein Auto zum TÜV?
Zu den verbotenen Dingen beim Autofahren zählt bekanntlich das Führen eines Fahrzeugs, wenn die HU bei den entsprechend anerkannten Prüfstellen wie TÜV, GTÜ und DEKRA verpasst wurde. Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) sieht aktuell vor, dass ein Auto erstmals nach drei Jahren, anschließend alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung muss. Ohne Strafe ist es nicht möglich, diese Fristen zu überziehen.
Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts zufolge wurden 2024 insgesamt etwa 31,1 Millionen Hauptuntersuchungen durchgeführt. In fast einem Drittel der Fälle gab es Beanstandungen, durchschnittlich hatten die betroffenen Fahrzeuge demnach 2,7 festgestellte Mängel. Die Bandbreite der Mängelklassen reicht laut ADAC von „geringe Mängel“ bis zu „verkehrsunsicher“. Werden „geringe Mängel“ zeitnah beseitigt, erhält man die Prüfplakette – in den anderen Mängel-Fällen nicht ohne bestandene Nachprüfung.
Hauptuntersuchung: Was wollten der TÜV und die EU ändern?
Im Austausch mit der Automobilzeitschrift Auto Motor und Sport hatte der TÜV Süd-Geschäftsführer Jürgen Wolz im Dezember 2024 erklärt, dass sich bei den Prüfintervallen etwas ändern könnte. Im Dienstleistungsunternehmen befürworte man „eine jährliche HU bei mehr als zehn Jahre alten Fahrzeugen“. Gerade, wenn Gebrauchtwagen nicht „regelmäßig gewartet werden“, sei die Mängelquote „deutlich höher“.
Auch auf EU-Ebene gab es ähnliche Vorschläge. Wie der ADAC berichtete, hatte die Europäische Kommission im April 2025 ebenfalls eine jährliche Pflichtinspektion für Autos, die älter als zehn Jahre sind, vorgeschlagen. Ziel sei eine Erhöhung der Verkehrssicherheit, da ältere Fahrzeuge pannenanfälliger und häufiger in Unfälle verwickelt seien. Die Behörde rechnete demnach damit, dass ein Prozent weniger Verkehrstote und Verletzte möglich wären. Es handelte sich jedoch nicht um bereits besiegelte Pläne. Der Vorschlag hätte vom EU-Parlament und von den Mitgliedstaaten beschlossen werden müssen.
Entscheidung gefallen: Müssen ältere Autos bald jährlich zum TÜV?
Doch die Verkehrsminister der EU-Mitgliedstaaten haben einer jährlichen TÜV-Pflicht für ältere Autos nun eine Absage erteilt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Bei einem Treffen am 4. Dezember 2025 in Brüssel wurde abgestimmt, dass auch alte Autos wie bisher alle zwei Jahre überprüft werden sollen. In der Begründung ihrer Absage verwiesen die Verkehrsminister auf zusätzliche Kosten für Autofahrer. Unter anderem hatte sich auch die deutsche Bundesregierung gegen eine Verschärfung eingesetzt.
Der ADAC dürfte diese Entscheidung begrüßen, denn er sah die Pläne kritisch: Eine Verkürzung der Prüfintervalle sei nach Einschätzung des Clubs unverhältnismäßig. Ein hoher Aufwand stünde einem nicht nachweisbaren Sicherheitsgewinn gegenüber.
Übrigens: Neuerungen rund ums Auto gibt es stetig. So hat das EU-Parlament im Oktober 2025 neue Regelungen rund um den Führerschein beschlossen, zum Beispiel höhere Gewichtsgrenzen für Wohnmobile, den digitalen Führerschein fürs Smartphone und den EU-weiten Entzug der Fahrerlaubnis. Die Umsetzung der EU-Regelungen wird jedoch voraussichtlich noch Jahre dauern.
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Sven Koukal
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