
So viel Besuch am Krankenbett: Bakhtullah (10) aus Afghanistan freut sich, dass Chefarzt Dr. Ulrich Schneider (vorne r.), Geschäftsführerin Ulrike Much (hinten l.) und Gesundheits- und Krankenpflegerin Sarah Idokeit (vorne l.) aus dem Elisabeth-Krankenhaus gemeinsam mit Constanze von Gerkan und Jens Große-Weischede vom Friedensdorf vorbeischauen. © Foto: Elisabeth-Krankenhaus RE
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Als Bakhtullah (Name geändert) den Arzt erblickt, der sein Zimmer im Elisabeth-Krankenhaus Recklinghausen betritt, lächelt er strahlend. Der Zehnjährige aus Afghanistan versteht kein Deutsch, doch er kennt Dr. Ulrich Schneider, Chefarzt der Unfallchirurgie, inzwischen gut genug, um ihm zu vertrauen.
Vor zwei Jahren begann alles mit einer kleinen Wunde am Bein, aus der eine schwere Knochenentzündung wurde. In Kandahar, Bakhtullahs Heimatregion, gab es keine Möglichkeit, sie zu behandeln. Die Amputation und damit ein Leben mit Einschränkungen, wenn nicht gar der Weg in völlige Perspektivlosigkeit, drohten dem Kind.
Seit 20 Jahren enge Zusammenarbeit
Das Friedensdorf Deutschland holt jedes Jahr rund 180 schwerkranke Kinder aus Krisenregionen in deutsche Partnerkliniken – Bakhtullah ist eines von ihnen. Das Elisabeth-Krankenhaus Recklinghausen arbeitet seit 20 Jahren mit dem Friedensdorf zusammen. Viele Eingriffe, die dort durchgeführt werden, entscheiden darüber, ob ein Kind später selbstständig leben kann.
Kostenlose, medizinische Behandlung von Kindern aus Krisenregion: Das ist die Mission des Friedensdorfs Deutschland (Symbolbild).© picture alliance/dpa
Dr. Schneider, Chefarzt der Unfallchirurgie, operiert die Kinder unentgeltlich. Für ihn ist diese Arbeit Routine und gleichzeitig ein Auftrag, den er bewusst wahrnimmt. „Wenn man sieht, welche Folgen eine nicht behandelte Verletzung haben kann, wird schnell klar, warum man helfen möchte“, sagt er. Die Operation bei Bakhtullah verlief erfolgreich. Die Behandlung führt er unentgeltlich durch, als Präsident des Rotary-Clubs Recklinghausen-Vest hat er das Friedensdorf in diesem Jahr auch zum Schwerpunkt der Clubspenden gemacht.

Jens Große-Weischede vom Friedensdorf koordiniert die Einzelfallhilfe und kennt die Lebensbedingungen der Kinder genau. „Auf Bakhtullah hätte ohne die Operation ein Leben in Elend gewartet“, sagt er. „Er hätte von Almosen leben müssen – eher schlecht als recht. Jetzt geht er zwar in ein Land zurück, das weiterhin von Armut und schwierigen Bedingungen geprägt ist, aber er hat wenigstens die Chance auf Teilhabe, auf ein Leben, das mehr ist als täglicher Schmerz.“
Autorennen im Krankenzimmer
Nach zwei Wochen im Elisabeth-Krankenhaus wechselte Bakhtullah zurück ins Friedensdorf nach Oberhausen, wo er mit Kindern aus neun Ländern zusammenlebt. Der Alltag dort ist einfach gehalten, bewusst ohne viele Eindrücke aus Deutschland, denn alle Kinder kehren nach der Behandlung zurück in ihre Heimat. Der Kontakt zur Familie läuft über Briefe, Smartphones besitzen die Kinder nicht.
Auf der Station in Recklinghausen hat Bakhtullah Spuren hinterlassen. Pflegende erzählen von einem Jungen, der zwischen ruhigem Beobachten und ausgelassenem Spielen wechselt. Ein paar gespendete Spielzeugautos reichten, um sein Zimmer für kurze Zeit in eine kleine Rennbahn zu verwandeln. Diese Momente, sagt Dr. Schneider, zeigen dem Team, warum sein Einsatz wichtig ist.
Bakhtullah wird noch zu Kontrollterminen nach Recklinghausen kommen. Doch eines steht bereits fest: Er wird wieder auf eigenen Beinen laufen.
