Nach dem Beginn der Veröffentlichung Tausender Epstein-Akten haben die Demokraten im US-Kongress dem für die Freigabe verantwortlichen Justizministerium die Löschung einer Datei vorgeworfen. Keine 24 Stunden, nachdem die Dateien auf der Webseite des Ministeriums heruntergeladen werden konnten, sei ein Foto anscheinend aus einem Datensatz entfernt worden, so der Vorwurf.
Auf der besagten Aufnahme sind zum Teil eingerahmte Fotos zu sehen. Eines der Fotos ist schon älter und zeigt den heutigen US-Präsidenten Donald Trump mit seiner Frau Melania in Begleitung des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und dessen langjähriger Vertrauten Ghislaine Maxwell. Ex-US-Präsident Bill Clinton ist auf einem anderen Bild zu sehen.
Das US-Justizministerium äußerte sich bislang nicht zu dem Vorwurf der mutmaßlichen Löschung. Am Freitagnachmittag hatte das Ministerium nach massivem Druck der Öffentlichkeit zunächst vier Datensätze auf seiner Webseite hochgeladen, die Tausende Dateien enthalten. Darin zu finden waren neben Fotos auch Dokumente. Vieles ist aber komplett geschwärzt – das Ministerium erntete dafür bereits Kritik.
Donald Trump (l.) mit Jeffrey Epstein im Jahr 1997Bild: Epstein Estate/House Oversight Committee/ZUMAPRESS/picture alliance
dpa-Stichprobe: Mindestens 16 Dateien fehlen
Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab, dass eine neuere Version des ersten Datensatzes vom Samstag mindestens 16 Dateien weniger umfasste als eine vorherige Version des Archivs vom Freitagnachmittag. Neben dem Foto, das laut Demokraten fehlt, sind in der neueren Version auch bestimmte Aufnahmen eines Raumes mit einer Massageliege nicht mehr enthalten.
Eine Sprecherin des Weißen Hauses hatte nach Beginn der Veröffentlichung Tausender Dateien am Freitagabend noch beteuert, dass die derzeitige US-Regierung die „transparenteste“ in der Geschichte des Landes sei. In den nächsten Wochen sollen Vize-Justizminister Todd Blanche zufolge weitere Hunderttausende Dokumente veröffentlicht werden. Die Seiten müssten vor einer Veröffentlichung zum Schutz der Identität der Opfer aber bearbeitet werden, begründete er die Verzögerung der Publikation.
Fotos und andere Materialien würden auch weiterhin „mit großer Sorgfalt und unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen“ geprüft und bearbeitet, teilte das Justizministerium am Sonntag auf der Online-Plattform X mit.
Vize-Justizminister: Nichts zugunsten Trumps geändert
Blanche beteuerte im Gespräch mit dem US-Sender ABC News, dass sein Haus keine Dateien verändert habe, um Präsident Trump zu schützen. Nichts werde deswegen zurückgehalten. Er verneinte die Frage, ob es eine Anweisung gegeben habe, Material zum Epstein-Skandal zu bearbeiten, das einen Zusammenhang zum Präsidenten habe. Weiter sagte er: „Präsident Trump hat von Anfang an klargestellt, dass er erwartet, dass alle Akten, die freigegeben werden können, auch freigegeben werden – und genau das tun wir.“
Trump kannte Epstein gut, wie frühere Fotos zeigen. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung des Republikaners in den Skandal, er selbst hat jegliche Vorwürfe dieser Art stets bestritten. In den nun veröffentlichten Dokumenten kommt der 79-Jährige zwar vereinzelt vor, nach ersten Auswertungen scheint es jedoch kaum neue Informationen über das Verhältnis zwischen Epstein und Trump zu geben.
Epstein-Files: Kommt die Wahrheit jetzt ans Licht?
To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video
Darum sind die Epstein-Akten so brisant
Der Fall Epstein beschäftigt die Öffentlichkeit seit langem. Jahrelang hatte der US-Multimillionär aus New York einen Missbrauchsring betrieben, dem zahlreiche junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Über mehrere Jahre hinweg soll Epstein minderjährige Mädchen etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. Vor sechs Jahren starb er im Alter von 66 Jahren in einer Gefängniszelle.
Der Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society, was zahlreiche Spekulationen über die Tragweite des Skandals mit sich brachte. Immer wieder kam die Frage auf, welche prominente Persönlichkeiten in Epsteins Machenschaften verwickelt gewesen sein könnten. Per Gesetz wurde schließlich vor einem Monat die Veröffentlichung der Akten verfügt, gegen die sich Trump lange gewehrt hatte.
Zu den Prominenten, die auf Fotos in Zusammenhang mit Epstein-Akten zu sehen sind, gehören neben Politikern und Vertretern der Medien auch Popstars wie Mick Jagger und Michael Jackson. Andere Bilder zeigen den britischen Ex-Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor, dessen Ex-Frau Sarah Ferguson, den US-Schauspieler Kevin Spacey und den britischen Unternehmer Richard Branson.
haz/wa (dpa, rtr, afp)