Nach der erneuten Beschlagnahme eines Öltankers vor der Küste Venezuelas am Wochenende versucht die US-Küstenwache Medienberichten zufolge nun, ein weiteres Schiff unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Küstenwache verfolge einen sanktionierten Tanker, berichteten unter anderem der US-Sender NBC News und das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
NBC News zitierte einen Regierungsbeamten mit der Aussage, es handele sich um ein Schiff der sogenannten Schattenflotte, über die Venezuela versuche, internationale Sanktionen zu umgehen. „Es fährt unter falscher Flagge und unterliegt einer gerichtlichen Anordnung zur Beschlagnahmung“, hieß es weiter.
Mehreren US-Medien zufolge soll es sich um den Tanker „Bella 1“ handeln, der seit 2024 wegen angeblicher Verbindungen zum Iran und zur pro-iranischen libanesischen Terrormiliz Hisbollah mit Sanktionen belegt ist. Nach Angaben der Website „TankerTrackers“ war das Schiff auf dem Weg nach Venezuela, führte jedoch keine Ladung mit sich.
Die Tageszeitung „New York Times“ berichtete, US-Einsatzkräfte hätten sich dem Tanker bereits am späten Samstagabend genähert. Die Besatzung habe sich jedoch geweigert, den Behörden das Betreten des Schiffs zu gestatten.
Venezuela verurteilt „Akt internationaler Piraterie“
Sollte die Aktion gelingen, hätten die USA innerhalb von rund eineinhalb Wochen insgesamt drei Öltanker aufgebracht. Am Samstag hatte die Küstenwache den Öltanker „Centuries“ festgesetzt. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem begründete den Einsatz im Onlinedienst X mit dem Verdacht, das Schiff habe mit Sanktionen belegtes Erdöl transportiert.
Bereits vor eineinhalb Wochen hatten die USA einen weiteren Öltanker vor der venezolanischen Küste unter ihre Kontrolle gebracht. Die Regierung in Caracas verurteilte das Vorgehen scharf und sprach von einem „Akt internationaler Piraterie“.
Trump wirft Maduro vor, Drogenbanden zu kontrollieren
Den jüngsten Aktionen war die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump vorausgegangen, eine „vollständige und komplette Blockade sanktionierter Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela“ zu verhängen. Zur Begründung erklärte Trump, das südamerikanische Land habe Öl, Land und andere Vermögenswerte von den USA gestohlen, die zurückgegeben werden müssten.
Trump ordnet Seeblockade für Öltanker vor Venezuela an
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Zugleich warf der Republikaner dem autoritär regierenden venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro vor, „das Öl aus diesen gestohlenen Ölfeldern zur Finanzierung von Drogenterrorismus, Menschenhandel, Mord und Entführungen“ zu nutzen. Trump beschuldigt den linksnationalistischen Präsidenten zudem, Drogenbanden zu kontrollieren und gezielt gegen die USA einzusetzen.
Venezuela ist stark von Ölexporten abhängig
Seit September greift die US-Armee wiederholt Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler in der Karibik und im Ostpazifik an. Dabei wurden nach Angaben der US-Seite bereits mehr als 100 Menschen getötet. Kritiker stufen die Angriffe als außergerichtliche Hinrichtungen und als völkerrechtswidrig ein. Zusätzlich brachten die USA Kriegsschiffe vor der venezolanischen Küste in Stellung.
Venezuela ist wirtschaftlich stark vom Ölexport abhängig, der rund 90 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes ausmacht. Eine vollständige Blockade könnte die ohnehin schwer angeschlagene Wirtschaft weiter destabilisieren. Das staatliche Ölunternehmen PDVSA gilt Experten zufolge als wichtigste Einnahmequelle der Regierung. Eine Blockade dürfte die Haushaltslöcher vergrößern und den politischen Druck auf Präsident Maduro weiter erhöhen.
pgr/se (dpa, afp, rtr)