Nach scharfer Kritik an der unvollständigen Veröffentlichung von Akten über den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat das US-Justizministerium fast 8000 neue Dokumente online gestellt. Tausende Dokumente waren am Dienstag auf der Webseite des Ministeriums abrufbar, darunter Hunderte Video- und Audioaufnahmen.

Unter den veröffentlichten Aufnahmen sind auch Dateien der Überwachungskamera der Gefängniszelle, in der Epstein im August 2019 tot aufgefunden wurde. 

Zuvor hatte die US-Regierung am Mittwochnachmittag (Ortszeit) bereits weitere Dokumente zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht und diese kurz darauf wieder gelöscht.

Die Dateien, die offenbar Teil der Ermittlungsakten seien, seien mehrere Stunden lang auf der Webseite des Justizministeriums zum Download verfügbar gewesen, berichteten die „Washington Post“ und „Politico“. Demnach handelte es sich um tausende Regierungsdokumente und E-Mails sowie Videos der Gefängnisbehörde.

Bereits zuvor Dateien gelöscht

Die Dateien, die den Zeitungen nach eigenen Angaben vorlagen, enthielten demnach unter anderem Informationen über Flüge von US-Präsident Donald Trump mit Epsteins Flugzeug.

Während einem dieser Flüge sollen demnach nur Trump, Epstein und eine 20-jährige Frau an Bord gewesen sein. Außerdem sei ein Austausch zwischen Gefängnisbeamten über Epsteins psychischen Zustand wenige Wochen vor dessen Tod veröffentlicht worden. Die US-Regierung äußerte sich auf Anfrage der Zeitungen nicht zu der Veröffentlichung.

Das Justizministerium hatte am vergangenen Freitag nach massivem Druck der Öffentlichkeit und des US-Parlaments Tausende Dateien auf seiner Webseite hochgeladen. Die Freigabe erfolgte am letzten Tag einer Frist, die dem Ministerium auferlegt worden war.

Darum sind die Epstein-Akten so brisant

Kurz nach der Veröffentlichung wurden mehrere Dateien vorübergehend wieder gelöscht. Grund sei der Schutz von Opfern, hieß es aus dem Ministerium. Aus dem Kongress hagelte es für die unvollständige Veröffentlichung des Materials und die Schwärzung vieler Dokumente Kritik.

Der Fall Epstein beschäftigt die Öffentlichkeit seit langem. Über Jahre hatte der Multimillionär aus New York einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Epstein soll minderjährige Mädchen mehrere Jahre auch selbst missbraucht haben. 2019 starb er mit 66 Jahren im Gefängnis.

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Der Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society, was zahlreiche Spekulationen über die Tragweite des Skandals mit sich brachte. Per Gesetz wurde schließlich vor einem Monat die Veröffentlichung der Akten verfügt, gegen die sich Trump lange gewehrt hatte.

Der US-Präsident kannte Epstein gut, wie frühere Fotos zeigen. Allerdings gibt es derzeit keine Hinweise auf eine Verwicklung des Republikaners in den Skandal. (dpa)