Mads Mikkelsen sitzt mit dem Rücken zu einem Mikrophon und einem Van neben einem Tisch mit Weinflaschen

AUDIO: Film „Therapie für Wikinger“: Zwischen Groteske und Wahnsinn (3 Min)

Stand: 23.12.2025 09:03 Uhr

Mit Filmen wie „Dänische Delikatessen“ oder „Adams Äpfel“ hat Regisseur Anders Thomas Jensen bitterbösen Humor in verschrobenen Komödien salonfähig gemacht. Nun folgt die nächste Groteske: „Therapie für Wikinger“.

von Anna Wollner

– Was ist los, Anker? Sie sagen, es gibt einen Toten.
– Pack meine Tasche Freya, Manfred. Du musst mir jetzt zuhören. Ich muss für eine Weile weg. Du musst was für mich tun.
– Wohin musst du fahren?  Du sollst auch hier sein.
– Ja ja, ich komme zurück.

Filmszene

Es folgt eine klare Anweisung von Anker an seinen jüngeren Bruder Manfred. Er soll einen Schlüssel schlucken, immer und immer wieder – und wenn sich alles beruhigt hat, die Beute sicherstellen.

In dem Schließfach ist eine Tasche. Diese Tasche holst du und vergräbst sie im Wald bei Mamas Haus. An dem runden Eichentisch, an dem du immer Geburtstag gefeiert hast.

Filmszene

15 Jahre und eine Identität später

15 Jahre später, Anker ist nach seiner Festnahme mittlerweile wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen, will er Manfred bitten, ihm den genauen Ort zu zeigen. Allerdings gibt es ein kleines Problem.

– Das hab ich vergessen, er heißt jetzt John.
– Wieso?
– Na, weil er nicht mehr Manfred heißen will. Alle nennen ihn John, weil er es so will.
– Warum willst du nicht mehr Manfred heißen?
– Du kannst nicht nach Hause kommen und glauben, alles laufe so wie früher.

Filmszene

Manfred leidet unter einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung, hat seine Identität Manfred abgelegt und damit dummerweise auch alle Erinnerungen. Anker treibt er damit bis zur Weißglut.

– Wo ist die Tasche vergraben Manfred?
– Ich weiß nicht, mit wem du redest.
– Hör damit auf, es nervt wirklich. Warum bitte John?
– Ich bin John!
– Aber warum bist du John?
– Warum bist du Anker?

Filmszene

Die ungewöhnliche Verbindung zweier Brüder

Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas mit einem Spaten in der Hand stehen auf einem Moosteppich im Wald

Kein Gedächtnis – keine Tasche. Anker und sein Bruder auf der Suche nach der Beute.

Das ist nur ungefähr die erste Hälfte von Anders Thomas Jensen Groteske. Denn im Haus der Mutter, abgelegen im Wald, befindet sich mittlerweile ein Airbnb für gestrandete Seelen. Und Manfred trifft dank der Hilfe des Psychiaters Lothar auf Gleichgesinnte. Sprich: andere Männer, die sich auch wie er für einen der Beatles halten

„Therapie für Wikinger“ ist eine bitterböse Groteske und zeitgleich ein sehr zärtlicher Film über ungewöhnliche Bande zwischen zwei Brüdern. Die beiden Hauptdarsteller Nikolaj Lie Kaas und Mads Mikkelsen stehen hier das sechste Mal gemeinsam für Anders Thomas Jensen vor der Kamera, verstehen sich in ihrem übertrieben durchgeknallten Spiel blind, zelebrieren gerade in der zweiten Hälfte ausufernde Gewalt. Für Regisseur Jensen ein bewusstes Kalkül.

Gewalt als dramaturgisches Mittel

„Gewalt ist wie Liebe. Sie ist ein mächtiges dramaturgisches Mittel“, findet der Regisseur. „Wenn man das Publikum überraschen will, wenn man das Böse sehr wirkungsvoll darstellen will, dann funktioniert Gewalt im Drama. Ich meine, wenn Hamlet zehn Minuten länger gedauert hätte, hätte er die erste Reihe im Theater umgebracht. Es gab das schon immer, und es ist ein Spiegelbild des Lebens, oder?“

Trotzdem – oder gerade deswegen ist „Therapie für Wikinger“ eine großherzige Fabel über Toleranz, Zusammengehörigkeit und Selbstverwirklichung. Getreu dem Motto des Films: Wenn alle kaputt sind, ist niemand kaputt. Eine schöne Botschaft – gerade auch für Weihnachten.

Eine Frau betrachtet nachdenklich ihr Spiegelbild

Der Schwerpunkt unserer Tipps liegt in dieser Woche im Norden – mit zwei skurrilen Serien und einer Doku über Mikkelsen.

Mads Mikkelsen sitzt mit dem Rücken zu einem Mikrophon und einem Van neben einem Tisch mit Weinflaschen

„Therapie für Wikinger“

Genre:
Drama
Veröffentlichung:
25. Dezember 2025