Stand: 23.12.2025 12:28 Uhr
Am Geburtsort des Gemäldes auf Usedom wurde zum 100. Geburtstag des in der DDR gefeierten Künstlers eine Gedenktafel eingeweiht. Unklar ist, was aus Womackas Atelier in seiner zweiten Heimat Loddin wird.
Drei Millionen Mal wurde es reproduziert, zwölf Millionen Mal als Briefmarke verkauft, es war ein Exportschlager in viele Länder: Das Gemälde „Am Strand“ von Walter Womacka. Gemalt hat er es 1961 am Strand von Kölpinsee auf der Insel Usedom. Modell dafür lag sein Bruder und saß seine Tochter: „Ich muss ehrlich sagen, ich war über dieses Bild gar nicht sehr erfreut, weil meine ganze Freizeit draufgegangen ist,“ erinnert sich Tochter Uta Papapetrou. Dass dieses Bild ein so großer Erfolg geworden ist, war für alle überraschend: „Keiner von der Familie, auch mein Vater nicht, hätte gedacht, dass dieses Bild so einen Boom macht und das heute noch.“
Tochter Uta studiert, heiratet und wandert nach Zypern aus

Während Uta in Berlin Medizin studierte, lernte sie ihren künftigen Mann kennen. Ein Kommilitone aus Zypern. Beide heirateten und zogen wenig später nach Zypern. Dort besuchte ihr Vater sie mehrfach. Auch um zu malen, wie Uta Papapetrou erzählt. „Wenn ein Maler Modelle in der Familie hat, dann benutzt er sie alle, ohne groß zu fragen oder ohne irgendwelche Diskussion.“ Er malte seine Bilder oft nach Fotografien. Besonders oft lichtete ihr Vater seine Enkelin Anna ab, erinnert sich die Tochter. Mit der Enkelin hatte Womacka viele gemeinsame Stunden auf der Insel Usedom verbracht, bevor seine Tochter nach Zypern auswanderte. „Das war die beste Zeit. Ich fühlte mich wirklich glücklich, dass ich diese Zeit mit meinem Opa in Loddin verbringen konnte,“ blickt Anna heute zurück.
Loddin auf Usedom war Walter Womackas zweite Heimat
Dort hatte Walter Womacka ein Atelier. Es war seine zweite Heimat. „Man hat hier wirklich viel mehr Ruhe und Konzentration für die Arbeit, was in Berlin überhaupt nicht der Fall ist,“ erzählte er damals Reportern des Deutschen Fernsehfunks. Das Atelier in Loddin steht heute leer. Enkelin Anna hofft, dass sich das bald ändern wird. Sie wünscht sich, dass gemeinsam mit der Gemeinde Loddin eine Lösung gefunden wird, bei der „was ganz Tolles rauskommt“. Loddins Bürgermeister Sven Werner wäre auch sehr daran interessiert, eine solche Lösung für das Grundstück zu finden: „Das wäre schön. Es ist ja für jeden Ort immer eine Bereicherung, wenn man Sachen hat, die man den Touristen anbieten kann.“
Bereit für einen Platz im Museum des 20. Jahrhunderts
Zum 100. Geburtstag des Künstlers am 22. Dezember hat die Gemeinde Loddin gemeinsam mit dem im Ort ansässigen „Freundeskreis Walter Womacka“ in diesem Jahr eine Gedenktafel eingeweiht. Sie steht mitten im Kurpark des Ortsteils Kölpinsee, der gerade neugestaltet wird. Der Gedenkort erinnert an die Strahlkraft von Womackas Bild, die viele Lehrer in der DDR zum Anlass nahmen, das Thema Liebe in den Unterricht einzubinden. „Vor ihnen liegt eine Welt, voller Probleme, welche die Zeit ihnen stellt“, schrieb eine Neuntklässlerin 1970 in einem Aufsatz über Womackas Gemälde, das international als „Ikone der Ostkunst“* gefeiert wurde, wie der Kritiker Ralf Rensmann 2000 schrieb.
Kritik kam nach der Wende
Nach der Wende wurden aber auch andere Stimmen lauter. Fritz Böhme vom Freundeskreis Walter Womacka zitiert in seinem „Monolog“ die Leipziger Volkszeitung vom 22.12.1995: „Dass die beiden in scheinbar privater Heldenpose Erstarrten höchst peinlich an nationalsozialistische ‚Kunst“ erinnerten…“* Ein Original des Gemäldes „Am Strand“ hängt in der Galerie des Hotels „Seerose“ in Kölpinsee, eine Reproduktion am benachbarten Strandaufgang zur Ostsee. Tochter Uta hofft, dass ihrem Vater ein Platz im „Museum des 20. Jahrhunderts“, das in Berlin gebaut werden soll, eingeräumt wird. Es wäre seiner Leistung angemessen, meint sie.
* Vgl. Monolog 2024 Fritz Böhme Hrsg. Freundeskreis Walter Womacka e.V.

Mehr als drei Millionen Mal wurde „Am Strand“ reproduziert. Im Westen wurde das Bild in den 1960er-Jahren als Ikone der Ostkunst gefeiert.