Hertha-Youngster gibt erstes Interview 

Hertha BSC: Kennet Eichhorn spricht über sein bewegendes Jahr 2025

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In Berlin ging in dieser Saison der Stern von Kennet Eichhorn auf. Das 16 Jahre alte Eigengewächs von Hertha BSC konnte auf beeindruckende Art und Weise in der 2. Bundesliga Fuß fassen, mit seinen Leistungen überzeugen und dabei zugleich neue Maßstäbe setzen. In seinem ersten großen Interview auf den vereinseigenen Kanälen sprach der wertvollste Profi im deutschen Unterhaus nun ausführlich über sein bewegendes Jahr 2025.

Jüngster Profi der Zweitliga-Historie, jüngster Startelf-Debütant und zuletzt jüngster Torschütze im DFB-Pokal: Eichhorn stellte in der Spielzeit 2025/26 mehrere Rekordmarken auf. Sein Tor im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern aber beschreibt der Youngster rückblickend als sein größtes Highlight. „Das war in dem Moment einfach ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt der gebürtige Bernauer über seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 3:0 vor mehr als 50.000 Zuschauern im Olympiastadion. „Die Fans und die Atmosphäre im ausverkauften Stadion“ habe ihn schon im Januar nachhaltig beeindruckt, als er erstmals die Profis an einem Spieltag begleiten und hineinschnuppern durfte. „Einfach krass, wie laut es schon beim Warmmachen war. Das auf dem Spielfeld und nicht von der Tribüne aus zu erleben, ist einfach nochmal etwas ganz anderes.“

Eichhorn, dem auf dem Platz eine für sein Alter außergewöhnliche Reife und Spielintelligenz attestiert wird, habe von Beginn an bei der Eingewöhnung in den Profibetrieb keine großen Anpassungsschwierigkeiten gehabt, erzählt er. „Ich war nicht wirklich aufgeregt, denn ich bin generell eher ein ruhiger Typ. Die anderen haben mich gut aufgenommen – wenn sie merken, dass du Fußball spielen kannst, akzeptieren sie dich und du bist sofort in der Gruppe drin. Die Kabine macht es jungen Spielern generell sehr einfach.“ Eichhorn ist der jüngste Absolvent der Hertha-Akademie, die schon zuletzt spannende Talente wie Ibrahim Maza oder Bence Dárdai hervorgebracht hat.

Eichhorn über unterstützendes Umfeld: „Eltern ein sehr großer Faktor“

Dass der 16-Jährige sich im Verein und darüber hinaus in den richtigen Kreisen bewegt, um fokussiert zu bleiben, glaubt auch sein Teamkollege und Mitstreiter im Berliner Mittelfeldzentrum Michaël Cuisance. „Was Kenny spielerisch leistet, ist für sein junges Alter beeindruckend, davon konnten sich alle in dieser Hinrunde überzeugen. Um solche Leistungen auch auf Sicht beständig abrufen zu können, benötigen junge Spieler insbesondere in der Anfangszeit viele Freiheiten und ein schützendes Umfeld, das Druck rausnimmt, damit seine weitere Entwicklung bestmöglich weitergehen kann. Ich glaube, Kenny hat das und deswegen sollte er einfach so weitermachen, jeden Tag an sich arbeiten und auf seine Qualitäten vertrauen“, sagte der Franzose kürzlich im TM-Interview.

Hilfe und Unterstützung findet er abseits des Platzes auch im eigenen familiären Umfeld, betont Eichhorn. „Meine Eltern sind natürlich grundsätzlich ein sehr großer Faktor – ich habe die besten Eltern, die es gibt! Sie sind immer für mich da und geben mir gute Ratschläge, ich kann jederzeit mit ihnen reden.“ Hertha-Coach Stefan Leitl habe ihm bereits während der Rückserie der vergangenen Saison die Perspektive aufgezeigt, ab Sommer fest zum Profi-Kader zu zählen. Im Juli unterzeichnete der 1,86 Meter große Rechtsfuß dann seinen ersten und langfristigen Profi-Vertrag. „Ich bin jetzt hier insgesamt in meinem zehnten Jahr, war bereits als kleines Kind Hertha-Fan und stand auch schon in der Kurve. Hinzu kam, dass die Aussicht auf Spielzeit etwas größer war als vielleicht anderswo. Die Kombination hat dann dazu geführt, dass ich mich entschieden habe, zu bleiben“, berichtet Eichhorn.


Jetzt im Forum über Hertha BSC diskutieren.

Herthas Sportdirektor Benjamin Weber hatte zuletzt exklusiv bei Transfermarkt über die Entwicklung des Eigengewächses gesprochen und den Berliner Entwicklungsplan für die Zukunft verdeutlicht. „Für uns steht bei Kennet Eichhorn – wie bei all unseren Talenten – nicht eine Zahl im Vordergrund, sondern seine kontinuierliche sportliche Entwicklung. Wir freuen uns, dass er sich im vergangenen Sommer bewusst für Hertha BSC und den von uns aufgezeigten Weg entschieden hat. Er hat in den vergangenen Monaten eine tolle Entwicklung genommen, ist wichtige erste Schritte im Profifußball gegangen, weil er sehr fokussiert gearbeitet und trainiert hat. Dadurch hat sich sehr viel Spielzeit erarbeitet und verdient.“

Eichhorn unterstreicht im Interview auf der Klub-Website: „Hertha ist wie Familie für mich. Ich bin mit dem Verein aufgewachsen und groß geworden. Als ich das erste Mal im Olympiastadion war, hat das direkt den Traum in mir entfacht, dass ich hier Profi werden und unbedingt dort unten auf dem Rasen spielen möchte.“

Herthas Eichhorn: „Spielberechtigung war mein größtes Geschenk“

Nach seinem Zweitliga-Debüt im August, nur 14 Tage nach seinem 16. Geburtstag, hatte Eichhorn bei Transfermarkt die erste Taxierung in Höhe von 3 Mio. Euro erhalten. Im Oktober-Update verdoppelte sich sein Marktwert auf 6 Mio. Euro, was ihn zum wertvollsten Fußballer der 2. Bundesliga machte. Diesen Status zementiert Eichhorn im Dezember und kletterte weiter von 6 Millionen auf 20 Millionen Euro. Wertvoller in der 2. Bundesliga war nur Ex-Nürnberg-Profi Stefanos Tzimas im März 2025, der mit dieser Bewertung verletzungsbedingt aber ohne Einsatz blieb. „Entscheidend wird sein, dass wir gemeinsam mit Ruhe und Augenmaß weiter an seiner Entwicklung arbeiten. Wir haben für ihn einen klaren, realistischen Entwicklungsplan, der in enger Abstimmung mit dem Spieler und seinem Umfeld entstanden ist. Dabei gilt auch für Kennet: Spielpraxis auf hohem Niveau ist der zentrale Faktor, um den nächsten Schritt nachhaltig zu gehen. Wir wissen um sein Potenzial, aber genauso wissen wir, dass Entwicklung nicht linear verläuft. Unser Anspruch ist es, ihn bestmöglich zu begleiten und ihm die Zeit und Plattform zu geben, die er für seine nächsten Schritte braucht – unabhängig von äußeren Bewertungen oder Marktwerten“, betonte Weber nach dem Update mit Blick auf seinen Schützling gegenüber TM.

Spielpraxis dürfte er auch im neuen Jahr ausreichend bekommen, dann will Hertha das gemeinsame Ziel Bundesliga-Aufstieg weiter vorantreiben. Die Zeit, als er nur bei den Profis trainieren, aber aufgrund seines Alters und einer fehlenden Berechtigung im vergangenen Sommer noch nicht spielen durfte, bezeichnet Eichhorn rückblickend als eine der schwierigsten und „sehr nervig – alle konnten spielen, nur ich musste zugucken. Training ist das eine, aber Spiele sind noch einmal etwas ganz anderes – speziell was die Ernsthaftigkeit anbelangt, aber auch mit Blick auf die ganzen Abläufe. Umso mehr habe ich mich auf meinen Geburtstag gefreut. Die Spielberechtigung war dann eindeutig mein größtes Geschenk. Dadurch hat sich auch eine andere Verantwortung für mich ergeben – ich war nicht mehr nur der kleine Bubi, der dabei ist und mittrainiert.“

Auf die Frage nach den größten Unterschieden im Vergleich zum Jugendbereich, nennt der Youngster zum einen die Intensität, „zum anderen ist es im Profifußball viel ausgefuchster. Du musst viel mehr auf mentale Dinge achten: Zum Beispiel, wenn ein gestandener Gegenspieler Trashtalk betreibt – das ist schon etwas anderes als im Jugendfußball“.