CHIPJudith Braun24.12.202509:10

Genieren Sie sich in Zukunft nicht mehr, zu pupsen. Denn damit könnten Sie Ihrem Gehirn etwas Gutes tun, wie Forschende vermuten. Übelriechende Faulgase sollen vor dem Abbau von Nervenzellen schützen.

Pupsen gilt – insbesondere in der Öffentlichkeit – als schlechte Angewohnheit. Allerdings hat das Entweichen von Gasen für den Körper viele Vorteile: So kann sich Druck im Darm abbauen, was wiederum  Blähungen verhindert. Zudem ist Pupsen ein Indikator für einen gut funktionierenden Stoffwechsel und eine gesunde Darmflora. Wie Forscher vermuten, soll das Flatulieren – genauer gesagt das Riechen von Fürzen – aber auch positive Effekte auf die Gehirngesundheit haben und möglicherweise das Alzheimer-Risiko senken. Der Grund dafür sind übelriechende Faulgase.

ANZEIGEWie Pupsen das Risiko für Alzheimer senken könnte

Pupsen ist eine ganz natürliche Körperfunktion. Laut Informationen der AOK weist Flatulieren daraufhin, dass der Darm gerade auf Hochtouren arbeitet. Beim Schlucken von Nahrung gelangt nämlich auch Luft in den Magen, der dann über Rülpsen entweicht. Wandert sie jedoch weiter in den Darm, trifft die Luft dort auf Gase, die von den Darmbakterien während des Verdauungsvorgangs erzeugt werden, unter anderem Schwefelwasserstoff. Dieser spielt auch bei den Ergebnissen einer Studie der Johns Hopkins University School of Medicine eine wichtige Rolle, wie Uniladtech.com berichtet. 

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Die Wissenschaftler:innen fanden in einer Untersuchung an Mäusen heraus, dass der in Blähungen vorkommende, nach faulen Eier riechende Schwefelwasserstoff möglicherweise alternde Gehirnzellen vor einer Alzheimer-Erkrankung schützen kann. Im Gehirn werden bestimmte Eiweiße durch Schwefelwasserstoff leicht verändert, sodass sie ihre Aufgaben anders erfüllen können. Mit zunehmendem Alter nimmt dieser schützende Effekt ab – bei Menschen mit Alzheimer sogar noch stärker. Für die Studie wurden Mäusen, die gentechnisch so verändert worden waren, dass sie die menschliche Alzheimer-Krankheit nachahmten, über zwölf Wochen eine schwefelwasserstoffhaltige Verbindung namens NaGYY injiziiert. Die Schwefelwasserstoffmoleküle wurden dabei langsam freigesetzt, um sich im Körper zu verteilen.

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Meistgelesene Artikel der WocheUntersuchung an Mäusen zeigt: Schwefelwasserstoff verbessert kognitive Fähigkeiten 

Verhaltenstests an den Mäusen ergaben, dass die mit Schwefelwasserstoff injizierten Tiere um bis zu 50 % verbesserte kognitive und motorische Fähigkeiten aufwiesen – im Vergleich zu denjenigen, die kein NaGYY erhalten hatten. Erstere schienen im Gegensatz zu ihren unbehandelten Artgenossen nicht nur körperlich aktiver zu sein, sondern konnten sich offenbar die Standorte von Bahnsteigausgängen  besser merken. Die Forschenden vermuten deshalb, dass die Verhaltensauswirkungen der Alzheimer-Krankheit durch Schwefelwasserstoff rückgängig gemacht werden könnten. Sie beobachteten außerdem die chemische Reaktion im Gehirn auf das gasförmige Molekül.

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Dabei zeigte sich eine Veränderung des häufig vorkommenden Enzyms Glykogensynthase β (GSK3β). Dieses fungiert bei gesunden Schwefelwasserstoffkonzentrationen in der Regel als Signalmolekül, indem es andere Proteine ​​mit chemischen Markern versieht und ihre Funktion verändert. Ist kein Schwefelwasserstoff vorhanden, bindet sich GSK3β vermehrt an ein anderes Protein im Gehirn – das sogenannte Tau-Protein. Bei einer Interaktion von GSK3β und dem Tau-Protein verändert sich letzteres in eine Form, die sich in Nervenzellen verknäuelt und verklumpt. Mit zunehmender Größe dieser Tau-Klumpen blockieren diese ​​die Kommunikation zwischen den Nervenzellen und führen schließlich zu deren Absterben. Dieser Abbau der Nervenzellen ist charakteristisch für  Alzheimer-Demenz und führt letztendlich zum Verlust von Gedächtnis, Motorik und kognitiver Leistungen. 

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ANZEIGEErgebnisse können bei Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer helfen

Laut Matt Whiteman, Ph.D., Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Exeter und Mitautor, zeigt die Studie, „dass wir durch die Korrektur des Schwefelwasserstoffspiegels im Gehirn einige Aspekte der Alzheimer-Krankheit erfolgreich umkehren könnten“. Die Entdeckung der biochemischen Reaktionen eröffnet damit neue Wege zur Entwicklung von Medikamenten gegen neurodegenerative Erkrankungen. Die Forschenden planen deshalb, die Wechselwirkungen von Schwefelgruppen mit GSK3β und anderen Proteinen, die an der Pathogenese der Alzheimer-Krankheit beteiligt sind, in weiteren Zell- und Organsystemen zu untersuchen.