Von Rainer Kundel

Mannheim. Der Ursus polaris, wie der Eisbär in der lateinisch geprägten Sprache der Tierwelt heißt, ist das größte Landraubtier der Welt und hat sich bei seinem Äußeren (Fell) und seinen Fähigkeiten (Schwimmen und Tauchen) dem arktischen Lebensraum angepasst.

Bezogen auf die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) erfreut sich der Hauptstadt-Eisbär aus Berlin zu Land dazu großzügiger Alimentierung durch einen milliardenschweren Konzern von der kalifornischen Sonnenküste und konnte somit seit etlichen Jahren in die Vorherrschaft der bayrisch-rheinisch geprägten Klubs aus München, Köln und Mannheim eindringen. Und das länger, als es für die Konkurrenten erträglich ist.

So war es plausibel, dass Adler-Trainer Dallas Eakins als ein Ziel vorgab, den Abstand zum Serienmeister kleiner werden zu lassen. Nach drei direkten Vergleichen mit dem 8:5 (4:1, 3:2, 1:2)-Sieg ist seine Mannschaft auf dem besten Weg dazu, wenn auch diesmal der ERC Ingolstadt, die Kölner Haie und Münchens „Rote Bullen“ die ärgsten Verfolger scheinen.

Ob angesichts des „Spiels der leuchtenden Herzen“ in der SAP Arena die bekannt bärbeißige Verhaltensweise der Berliner ausbleibt und trotz der Rivalität eine Art Lebkuchenharmonie einkehrt – diese Frage wurde bereits nach 114 Sekunden beantwortet. Da droschen Tobias Fohrler und Berlins Veilleux im Mittelkreis abseits der Scheibe aufeinander ein und durften sich jeweils fünf Minuten abkühlen.

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Unterdessen hatten die Adler in der Anfangsphase große Mühe, aus dem eigenen Drittel zu kommen, weil die „Meisterbären“ die neutrale Zone geschickt zustellten. Ihren Führungstreffer in der 9. Minute kassierten die Schiedsrichter nach Video-Ansicht ein, weil der Puck mit einer Kick-Bewegung mit dem Schlittschuh ins Tor befördert wurde.

Eine Aktion, die wie eine kleine Befreiung für die im roten Weihnachtstrikot angetretenen Mannheimer wirkte. Abgesehen vom Pfostenschuss von Dan Renouf (16.) führte jede gefährliche Aktion vor Hildebrand zum 4:1-Pausenstand nach 20 Minuten.

Zach Solow staubte nach viel Speed seiner Reihenkollegen Kris Bennett und Tony Greco ab, Max Heim fälschte einen Schlenzer von Leon Gawanke ab, Bennett stand nach Solows Energieleistung unbehelligt vorm Torraum, schließlich segelte Nick Mattinens Überzahltreffer ins Netz.

Dazwischen lag das 2:1 durch Pföderl, der dem liegenden Max Franzreb von hinten an den Schoner schoss. „Entscheidend war, dass wir immer Leute im Slot haben, das macht’s dem Torhüter schwer“, sagte Max Heim im Pauseninterview.

Eine Phase nachlassender Konzentration brachte den scheinbar beruhigenden Zwischenstand kurz ins Wanken. Justin Schütz vertändelte bei eigener Überzahl die Scheibe, so dass Byron verkürzen konnte. Dazu kam eine 53 Sekunden dauernde doppelte Unterzahl, weil sich Regelwidrigkeiten von Luke Esposito und Mattinen überschnitten, so dass mit Ablauf der ersten Strafe Kirk zum 4:3 traf.

Fortan spielte den Mannheimern das rüpelhafte Auftreten der Hauptstädter in die Karten. Zwischen der 29. und 32. Minute zwei Akteure auf die Strafbank, zusätzlich Müller (Bandencheck gegen Solow) mit einer Spieldauerstrafe in die Kabine. Matthias Plachta, Greco und Schütz nutzten den numerischen Vorteil bis zur zweiten Pause zum 7:3, als der Puck wie am Schnürchen lief. Die Fans im ausverkaufen „Ufo“ waren aus dem Häuschen, derart Anschauungsunterricht im Überzahlspiel hatte ein Gegner selten erhalten.

Langeweile kam trotz der Vier-Tore-Führung in dem Duell der Erzrivalen nie auf. Weil die Eisbären Strafzeiten gegen Lukas Kälble und Solow zu zwei Treffern nutzten und Greco in Unterzahl den Pfosten trafen. Restzweifel am Dreier beseitigte Alex Ehl 15 Sekunden vor der Sirene mit dem 8:5-Endstand ins verwaiste Berliner Gehäuse.

Neben dem Prestige-Erfolg im Giganten-Duell, der die Adler Schützlinge zu Weihnachten als Spitzenreiter grüßen lässt, konnte Geschäftsführer Matthias Binder stolze 52.264 Euro an Spenden für den Verein „Adler helfen Menschen“ verkünden.

Adler Mannheim-Eisbären Berlin 8:5 (4:1, 3:2, 1:2)

Tore: 1:0 Solow (13.), 2:0 Heim (15.), 2:1 Pföderl (15.), 3:1 Bennett (17.), 4:1 Mattinen (19.), 4:2 Byron (23.), 4:3 Kirk (28.), 5:3 Plachta (30.), 6:3 Greco (33.), 7:3 Schütz (34.), 7:4 Kirk (53.), 7:5 Reinke (56.), 8:5 Ehl (60.)

Schiedsrichter: Schrader (Bochum), Frano (Tschechien)

Strafminuten: 17/20+ Spieldauer Müller

Zuschauer: 13.600 (ausverkauft)