Standdatum: 25. Dezember 2025.

Autorinnen und Autoren:
Lea Reinhard

Das Hospiz Brücke in Walle gibt es seit über 20 Jahren.

Bild: Radio Bremen

Im Hospiz Brücke verbringen acht schwerkranke Menschen die letzte Phase ihres Lebens. Wie feiert man ein Fest, das für Hoffnung und Zuversicht steht, wenn der Tod nahe ist?

Der Tannenbaum wird geschmückt und Plätzchenduft liegt in der Luft. So langsam zieht Weihnachtsstimmung ein im Hospiz Brücke in Walle. Die Menschen, die hier leben, sind Gäste – und keine Patienten. Für manche Gäste ist die Weihnachtszeit tröstlich, für andere kaum von Bedeutung.

Lutz Meißner ist Punk und gehört zu Letzteren: „Ich persönlich feiere kein Weihnachten. Alle paar Jahre macht mein Bruder ein Weihnachtsfest, da fahre ich dann mal hin. Aber dieses Jahr bin ich wohl nicht dabei.“

Hospizplätze sind begrenzt

Ein Hospiz-Bewohner gibt ein Interview.

Lutz Meisner lebt seit vier Monaten im Hospiz.

Bild: Radio Bremen

Der 60-Jährige lebt seit vier Monaten im Hospiz. Gerne sitzt er im Rollstuhl auf der Terrasse und raucht. „Jetzt ist es sowieso egal. Ich habe Lungenkrebs. Und ich habe Metastasen bis in den Rücken rein, was mich letztlich in den Rollstuhl gebracht hat.“ Manchmal habe er gemeinsam mit anderen Gästen hier geraucht, erzählt er, Witze gemacht über den Tod. „Und eine Woche später sind sie dann im Sarg hier rausgefahren.“ Zuerst habe ihn das nicht gestört. „Mittlerweile macht mich das ein bisschen nachdenklich.“

Im Hospiz Brücke leben acht schwerkranke Menschen. Zwei Pflegekräfte kümmern sich pro Schicht um sie. Das Haus wurde 2002 als erstes stationäres Hospiz in Bremen eröffnet. Hospizplätze sind begrenzt – und längst nicht für alle verfügbar.

Entscheidend über Platz ist nicht allein die Diagnose

Hospizleiterin Vanessa Weber erläutert, wie Menschen hierherkommen: Meist seien es Patientinnen und Patienten mit schweren Krebsleiden, aber auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Voraussetzung sei eine ärztlich festgestellte Hospiznotwendigkeit – durch Hausärzte oder Palliativmediziner. Danach folgt die Anmeldung und man kommt auf eine Warteliste.

Entscheidend sei nicht allein die Diagnose, sondern die Belastung: eine hohe Symptomlast durch Schmerzen, Luftnot, Übelkeit oder andere Beschwerden, die sich anderswo nicht mehr ausreichend lindern lassen.

Es geht um mehr als nur Betreuung

Während der Baum leuchtet, wird in der Hospiz-Küche gebacken. Ursula Hartendorf hilft ehrenamtlich mit. Sie weiß, dass ihr Engagement nicht für alle in ihrem Umfeld selbstverständlich ist: „Wenn man im Bekanntenkreis drüber spricht sagen manche: ‚Ich kann das nicht.'“

Dieses Ehrenamt ist eine Einstellungssache. Ich kann niemanden verurteilen, der das nicht kann.

Ursula Hartendorf, ehrenamtliche Helferin

Eine Besprechung der Mitarbeiter des Hospiz.

Bei der Schichtübergabe besprechen die Mitarbeiter, wie es den Gästen im Haus geht.

Bild: Radio Bremen

Pflegefachkraft Tamara Brenner hat bewusst das Krankenhaus vor mehr als zwei Jahren verlassen: „Mir hat das Miteinander gefehlt. Mir hat es gefehlt, die Menschen in Ruhe und mit Zeit begleiten zu können.“ Was sie im Hospiz erlebt? „Dass die Menschen entspannter Abschied nehmen können und in Ruhe gehen können, wenn sie alles erledigt haben. Wenn sie sich mit ihrem Leben auseinander gesetzt haben und auch eine Zufriedenheit mitbringen.“

So behutsam der Alltag im Hospiz Brücke auch gestaltet wird – Nähe ersetzt kein zu Hause. „Weihnachten ist schlimm für mich, man ist hier und nicht Daheim bei der Familie“, sagt eine Frau, die sogar schon mehr als vier Monate im Hospiz lebt. Ungewöhnlich lang. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei etwa 14 Tagen.

Der Tod wird nie zur Routine

Zwei Zimmer neben ihr lebt Lutz Meißner. Punk ist er schon sein Leben lang. „Und da hat man eine andere Einstellung zum Tod – von vornherein schon. Dass man eigentlich gar nicht so alt werden wollte.“ Dennoch ist er dankbar: „Die Pflegekräfte hier haben mehr Zeit als im Heim oder Krankenhaus.“

Die Leute sind extrem freundlich, womit ich anfangs auch meine Probleme hatte, weil ich das gar nicht gewohnt bin, so freundliche Menschen um mich herum zu haben, die nicht schon jahrelang meine Freunde sind.

Lutz Meißner, Hospizgast

Im Flur steht ein Gedenktisch. Eine Kerze wird angezündet, wenn ein Gast verstorben ist. Wer möchte, schreibt ein paar Worte ins Erinnerungsbuch. Der Tod gehört hier zum Alltag – er wird aber nie zur Routine.

Hospize sind in Deutschland auf Spenden angewiesen. Gesetzlich übernehmen Kranken- und Pflegekassen 95 Prozent der Kosten. Die restlichen fünf Prozent müssen durch Spenden finanziert werden – sie ermöglichen neben dem Aufenthalt auch Trauerbegleitung, besondere Angebote und die Arbeit der Ehrenamtlichen.

Hospiz ist auf ehrenamtliche Helfer angewiesen

Einer von 16 Ehrenamtlichen im Hospiz Brücke ist Thomas Schiekiera-Litzka. Seit zwei Jahren kommt er regelmäßig mit seinem Patientenbegleithund ins Haus. Hund Jasper wirkt oft als Türöffner: Gespräche entstehen leichter, Erinnerungen kommen hoch, für einen Moment rückt die Krankheit in den Hintergrund.

Für Thomas Schiekiera-Litzka selbst ist das Ehrenamt längst mehr als ein Engagement. „Es ist eine absolute Bereicherung. Jedes Mal, wenn ich hier weggehe, sage ich: ‚Man regt sich über so viele Nichtigkeiten im Leben auf.‘ Hier wird man geerdet.“

Im Hospiz treffen sich Gäste zum Adventsnachmittag. Und mittendrin sitzt der Punk Lutz Meißner. Er kennt sie mittlerweile alle hier. Und für einen kurzen Moment fühlt er das „normale Leben“.

Aber man macht sich ja trotzdem was vor. Man weiß, dass es zu Ende geht, hofft aber, dass es noch lange dauert.

Lutz Meißner, Hospizgast

Das letzte Mal Weihnachten: Für die einen voller Erinnerungen, für die anderen ohne Bedeutung. Im Hospiz ist Platz für beides.


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Quelle: Radio Bremen