Leipzig. Für ihre eigene Trauer blieb kaum Platz. Diese Erfahrung musste Lucia Lubbe machen, als ihre Mutter vor sieben Jahren starb. Da war sie 19. „Du musst doch wieder arbeiten“ oder „Du kannst Dich jetzt nicht gehenlassen“ − an Sätze wie diese kann sich die Leipzigerin noch erinnern. „Man muss funktionieren und für andere Familienmitglieder da sein. Da stellt man sich selbst schnell hinten an. Dass mir meine Mutter weggerissen wurde, dafür fehlte das Verständnis.“ Aus diesem Erleben heraus entstand die Idee zu einer Gemeinschaft jüngerer Trauernder. Die Selbsthilfegruppe (SHG) „Herzverwandt“ richtet sich an Betroffene zwischen 18 und 26.

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Für Kinder und Ältere existieren bereits einschlägige Gruppen, wie Lucia Lubbe bei einem Termin in der Selbsthilfekontakt- und Informationsstelle (SKIS) des Gesundheitsamtes der Stadt Leipzig erfahren hat. „Aber es gab eine Lücke für junge Leute, die sich noch in der Ausbildung befinden, gerade ein Studium begonnen haben oder die gerade dabei sind, sich ein eigenes Standbein zu schaffen.“

Es gab nicht die Unterstützung für den Abschied, die wir uns gewünscht hatten.

Lucia Lubbe

Gründerin der Selbsthilfegruppe „Herzverwandt“

Ein schwieriger Schritt

Diese Lücke hat die 26-Jährige im März geschlossen, indem sie die SHG „Herzverwandt“ gegründet hat. „Von Betroffenen für Betroffene“, erklärt sie. Zurzeit besteht das Team aus vier Mitgliedern; es ist offen für weitere Interessierte. „Anfragen gibt es einige, aber der Weg hierher ist dann oft doch etwas anderes, vielen fällt der Schritt schwer.“

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Nach der Kontaktaufnahme gibt es ein Einzelgespräch zum Kennenlernen, und wer dann mag, der kann dabei sein. Das erste Gruppentreffen ist für Ende Januar vorgesehen. „Wir wollen einen Raum für die Trauer geben, Platz für gegenseitiges Verständnis und Austausch untereinander“, erklärt Lubbe. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Trauerfall aktuell ist oder schon einige Jahre zurückliegt. „Mit unseren Treffen möchten wir außerdem Wege aus dem grauen Alltag aufzeigen und mit Gleichgesinnten etwas völlig anderes machen − gemeinsame Spaziergänge zum Beispiel und andere Freizeitaktivitäten.“

Ein anderes Leben

Lucia Lubbe hat übrigens noch eine ganz andere Konsequenz aus jener Zeit gezogen. Eine, die ihr Leben ebenfalls verändert hat. Als ihre Mutter starb, war sie noch in einer Spedition tätig. Doch das Bestattungsunternehmen, das damals beauftragt wurde, habe keine gute Arbeit gemacht. „Es gab nicht die Unterstützung für den Abschied, die wir uns gewünscht hatten. Auf persönliche Bedürfnisse wurde nicht eingegangen. Das Menschliche hat gefehlt, es ging nur um Unterschriften.“ Mit 23 Jahren bewarb sie sich erfolgreich als Quereinsteigerin bei einem anderen Bestatter und ist seitdem in dem Job tätig. Lucia Lubbe holte Verstorbene ab, betreute die Familien, übernahm Leichenwäsche und Einkleidung, organisierte Trauerfeiern. Heute ist sie Filialleiterin im Bestattungshaus Heimkehr in der Südvorstadt.

„Aber unsere Arbeit endet ja nach der Trauerfeier“, erklärt die 26-Jährige. „Und wie geht es dann weiter?“ Für eine bestimmte Gruppe Betroffener gibt es darauf jetzt eine Antwort: in der SHG „Herzverwandt“. Denn die eigentliche Bewältigung der Trauer beginnt ja dann erst richtig.

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Kontakt – WhatsApp: 0152/54573876; Instagram: @herzverwandt.leipzig; E-Mail: herzverwandt@outlook.de

LVZ