
Poor Rudolph.Bild: pexels / Francesco Ungaro
Ukraine
Insgesamt sollen in Lappland mehr Rentiere als Menschen leben. Doch ausgerechnet der russische Angriffskrieg könnte den Tieren langfristig den Garaus machen.
25.12.2025, 12:1325.12.2025, 12:13

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So manchem Kind in Deutschland dürfte gar nicht ganz bewusst sein, ob Rentiere tatsächliche Tiere oder einfach eine Erfindung aus dem Hause Disney sind. In Finnland hingegen ist die Hirschart weitverbreitet – oder zumindest war sie das bis jetzt.
Denn immer mehr Betreiber:innen von entsprechenden Farmen meldeten in den vergangenen Monaten den Fund von toten Rentieren. Schuld daran soll ausgerechnet der russische Angriffskrieg in der Ukraine sein.
Finnland bangt um seine Rentier-Population
„Dieses Jahr ist das schlimmste, das es je in dieser Gegend gab“, sagt Juha Kujala im Gespräch mit CNN. Er betreibt eine riesige Rentierfarm in Lappland, Heimat von Hunderttausenden Tieren. „Wenn wir nichts unternehmen, wird es in wenigen Jahren in ganzen Gebieten keine Rentiere mehr geben.“
Hintergrund dieser Entwicklung ist die schnell wachsende Wolfspopulation in ganz Europa, aber vor allem in Finnland. Zählte das finnische Institut für natürliche Ressourcen im Jahr 2018 gerade einmal 165 Wölfe in den Wäldern des Landes, waren es in diesem Jahr mehr als 400.
Laut dem finnischen Rentierzüchterverband wurden in diesem Jahr knapp 2000 Rentiere durch die Raubtiere getötet. Das entspricht einem Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Ukraine-Krieg bedroht Tiere in Finnland
Viele Menschen in Finnland sehen den Grund für die Zunahme an Wölfen im Nachbarland. Da die russische Armee immer mehr Männer für den Kriegsdienst rekrutiert, fehlen der Theorie zufolge Männer für die Wolfsjagd, häufig waren dafür Saisonarbeiter zuständig. „Jetzt jagen sie Menschen in der Ukraine, niemand jagt mehr die Wölfe“, fasst Kujala zusammen.
Tatsächlich zeigen Zahlen aus Russland laut CNN auch, dass die Wolfsjagd seit Beginn des Ukraine-Kriegs abgenommen hat – und das, obwohl für die Tiere seit jeher hohe Prämien ausgesetzt sind.
Hinzu kommen wissenschaftliche Auswertungen von Wolfskot- und Urinproben. Expert:innen fanden dabei in den vergangenen Monaten einen veränderten DNA-Strang, der auf eine fremde Herkunft der Tiere schließen lässt. Abschließend beweisen lässt sich die Theorie allerdings nicht.
Obwohl auch Wölfe in Finnland als bedrohte Art gelten, erteilte die Regierung bereits spezielle Jagdlizenzen für Rentierzuchtgebiete. Für Hirten wie Kujala ist das nur eine logische Konsequenz, auch er geht mit seinen Kolleg:innen auf die Jagd. „Wer denkt, es sei nicht richtig, Wölfe zu töten, sollte hierherkommen und unser Leben leben … und den Schmerz sehen, wenn wir unsere Rentiere verlieren“, erklärt er.