Im Ukraine-Krieg sollen russische Truppen in der Frontstadt Huljajpole das Hauptquartier eines ukrainischen Bataillonskommandos eingenommen haben. Dabei ließen die Soldaten wohl auch sensible Ausrüstung zurück. Ukrainische Beobachter schäumen.
Seit Kriegsbeginn 2022 lag die Kleinstadt Huljajpole im Südosten der Ukraine nahe der Front im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. In den vergangenen Wochen sollen russische Soldaten dann aber in dem Abschnitt immer weiter vorgerückt und mittlerweile in die Stadt eingedrungen sein.
Die ukrainische Armee teilte mit, die Lage sei unter Kontrolle und Stabilisierungsmaßnahmen zur Rückgewinnung der Stadt liefen. Doch dass dies nicht der Wahrheit entspricht, darauf deutet mindestens ein Video hin, über das unter anderem die „Ukrajinska Pravda“ und die ukrainische Frontjournalistin Diana Buzko vom Sender „Hromadske“ berichten.
ANZEIGERussen wohl mit Zugang zu sensiblen Daten
In dem Video sollen sich russische Soldaten in dem Hauptquartier des Bataillonskommandos der 102. Territorialverteidigungsbrigade in Huljajpole befinden. Dass diese sich nach bedeutenden Eroberungen filmen und die Aufnahmen im Netz teilen kommt häufiger vor. Doch ein Detail sorgte bei ukrainischen Journalisten und Militärexperten für besonderen Ärger.
So führen die russischen Soldaten in dem Video einen komplett intakten Kommandoposten vor, der von den ukrainischen Verteidigern fluchtartig verlassen worden sein. Nicht nur das. Zum Ärger der Ukrainer sind in dem Video auch funktionierende Computer und sogar ein entsperrtes und anscheinend nicht durch eine Pin gesichertes Telefon zu sehen. Sollte sich der Inhalt des Clips bestätigen, hätten die russischen Soldaten vermutlich Zugang zu sensiblen Informationen wie Radardaten, Koordinaten von ukrainischen Stellungen und anderen heiklen Daten. Dies würde Auswirkungen auf die Verteidigung der gesamten Region mit sich bringen.
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Die Panne geschah, da die ukrainischen Soldaten wohl nicht rechtzeitig aus Huljajpole evakuiert worden und so unter feindlichem Beschuss ihren Posten räumen mussten. Das berichtet ein namentlich nicht genannter ukrainischer Offizier der Journalistin Diana Buzko. Dennoch wird auch Kritik laut, da die sich zurückziehenden Soldaten in solchen Fällen die Kommandoposten und Geräte in Brand setzen oder in sonstiger Art zerstören sollen, um zu verhindern, dass sie Feinden in die Hände fallen.
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Vorfall wohl Teil von größeren Problemen in der ukrainischen Armee
Der „Ukrajinska Pravda“ zufolge bestätigten die südlichen Verteidigungskräfte der Ukraine, dass Ermittlungen zu dem Vorfall eingeleitet wurden. Auch die Echtheit des Videos soll überprüft werden.
Wie der Journalist Julian Röpcke von der „Bild“ berichtet, soll die Panne in Huljajpole Teil einer systemischen Krise im ukrainischen Militär sein. So würden die Probleme der Armee an vielen Frontabschnitten von lokalen Kommandeuren aus Angst vor Repressionen verschwiegen.