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Die Gesundheitsbehörden melden Lepra-Fälle in zwei europäischen Ländern. Von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen können Jahre vergehen.

Frankfurt – In Europa gilt Lepra seit Jahrzehnten als vergessen, doch jetzt melden gleich zwei EU-Länder neue Fälle der Infektionskrankheit. Das Gesundheitsministerium in Rumänien bestätigte am 11. und 12. Dezember zwei Fälle in Cluj-Napoca. Auch im Urlaubsland Kroatien gab es einen Fall.

In der kroatischen Stadt Split wurde ein Lepra-Fall bestätigt. (Archivbild)In der kroatischen Stadt Split wurde ein Lepra-Fall bestätigt. (Archivbild) © IMAGO/Michael Naegele

„Die beiden Personen wurden sofort nach Bestätigung der Diagnose behandelt“, sagte der rumänische Gesundheitsminister Alexandru Rogobete auf einer Pressekonferenz. Drei weitere Verdachtsfälle würden noch untersucht, berichtete der Sender Medika TV. Bei den bestätigten Fällen soll es sich um zwei junge Frauen im Alter von 21 und 25 Jahren handeln, die in einem Massagesalon gearbeitet haben. Der Salon wurde von den Behörden vorübergehend geschlossen.

Lepra-Fälle in Rumänien und Kroatien: „Es besteht keine Gefahr“

Dem Sender zufolge habe es den letzten bestätigten Lepra-Fall in Rumänien im Jahr 1981 gegeben. Da die Erkrankung nicht leicht übertragbar ist, appellierte Gesundheitsminister Rogobete an die Bevölkerung: Die Lage sei unter Kontrolle. „Es besteht kein Grund zur Beunruhigung.“

In Kroatien wurde ein Fall, der erste seit 1993, bestätigt. Laut Croatia Week soll sich in Split ein Mann aus Nepal, der seit zwei Jahren in dem Adria-Land lebt, infiziert haben. Alle Kontaktpersonen seien bereits identifiziert worden und stünden unter Beobachtung. Wie Infektionsspezialist Dr. Bruno Baršić vom Klinikum Dubrava bei 24sata erklärte, handele es sich um einen Einzelfall. „Dies ist keine Epidemie. Es besteht keine Gefahr, dass sich die Krankheit ausbreitet“, betonte er.

Istrien, Kvarner Bucht und das „Herz der Adria“ – die Lieblingsorte der Kroatien-Urlauber Urlaub in Kroatien: Das sind die Lieblingsorte der DeutschenFotostrecke ansehenLepra-Fälle in Europa: Diese Symptome können auftreten

Lepra ist eine nicht tödliche Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird und zu Hautveränderungen sowie Schädigungen der Nerven führen kann. Darüber informiert die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. Von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen können bis zu 30 Jahre vergehen. Diese Symptome können auftreten:

  • Beeinträchtigung der Berührungsempfindung, des Schmerz- und Temperaturempfindens
  • Hautveränderungen, häufig mit einem erhabenen Rand
  • Nervenschwellungen

Bei einem funktionierenden Immunsystem verläuft die Erkrankung mild. Dagegen sind bei schweren Verläufen auch tiefere Hautschichten betroffen, heißt es bei gesund.bund.de. Ausgeprägte Empfindungsstörungen führen häufiger zu Verletzungen, die von Betroffenen teilweise nicht bemerkt werden. Dies kann verformte oder verkürzte Gliedmaßen zur Folge haben. Durch die Schädigung der Nerven kann es außerdem zu Lähmungen kommen.

Lepra ist heilbar: Jedes Jahr mehr als 200.000 Infektionen weltweit

Eine Impfung gibt es bis heute nicht. Laut gesund.bund.de treten jährlich weltweit mehr als 200.000 Lepra-Fälle auf. Besonders betroffen sind Menschen in Südostasien, Afrika und Südamerika. In Deutschland wurde in den vergangenen zehn Jahren ein Fall pro Jahr gemeldet. „Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei um eingeschleppte Erkrankungen handelt“, heißt es. Dabei könnte Lepra laut Untersuchungen aus Europa stammen.

Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion. Das Ansteckungsrisiko wird aber als eher gering eingeschätzt. Nur langer und enger Kontakt kann zu einer Infektion führen. Lepra ist zudem heilbar. Behandelt wird unter anderem mit Antibiotika. Nach Beginn der medikamentösen Behandlung gilt eine Person als nicht mehr ansteckend.

Laut der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe steht die Erkrankung in direktem Zusammenhang mit Armut. „Sie trifft Menschen, die oft keinen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung, zu Diagnose und Behandlung haben. So kommt es weiterhin zu leprabedingten Behinderungen, die längst vermeidbar wären.“ Zugleich bedeute eine Lepra-Erkrankung für Betroffene oft soziale Ausgrenzung und Diskriminierung. Vor einigen Jahren stellte ein Lepra-Fall in den USA die Fachleute vor Rätsel. (Quellen: Rumänisches Gesundheitsministerium, Medika TV, Croatia Week, 24sata, Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V., gesund.bund.de) (kas)

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