Ein Stück Holz wird in den brennenden Kamin gelegt.

AUDIO: Viele Öfen in SH stillgelegt (1 Min)

Stand: 26.12.2025 05:01 Uhr

Seit Anfang 2025 gelten strengere Emmissionsgrenzwerte für Öfen und Kamine. Zehntausende Öfen mussten deshalb ausgetauscht oder modernisiert werden. Doch viele Hausbesitzer in Schleswig-Holstein haben das noch nicht gemacht.

von Inga Wonnemann

Rund ein Viertel der betroffenen Öfen in Schleswig-Holstein sind laut Christian Fahrenkrug, Sprecher der Innung Nord für Ofen- und Luftheizungsbauer, noch nicht stillgelegt: „Die können an ihrem Ort stehen bleiben, dürfen aber nicht mehr betrieben werden.“ Betroffen von der Regelung sind insgesamt 51.000 Öfen und Kamine in SH. Diese wurden zwischen den Jahren 1995 und 2010 eingebaut und in Betrieb genommen.

Hohe Strafen, aber kaum Verstöße

Sollte durch einen Schornsteinfeger nachgewiesen werden, dass die Feuerstelle dennoch betrieben worden ist, können Bußgelder verhängt werden. Bis zu 50.000 Euro kann es nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz kosten, wenn Kaminbesitzer ihren Ofen weiter nutzen, ohne ihn nachgerüstet oder ausgetauscht zu haben.

Schornsteinfeger Paul Beeck vom Schornsteinfegerverband Schleswig-Holstein hat – zumindest in seinem Bezirk – noch keinen Verstoß festgestellt. In der Praxis sei es eher so, dass Kunden ihren Ofen zum Stichtag 1. Januar 2025 stillgelegt hätten. Nach und nach würden die Feuerstätten dann ausgetauscht, so Beeck: „Viele haben gewartet, bis das Geld für den Austausch da ist.“

In Notsituationen, etwa wenn die Heizung ausfällt, sei ein Betrieb aber möglich. Von der Pflicht ausgenommen sind zudem Öfen, die einen Raum alleine beheizen sowie offene Kamine, Kochherde und bestimmte historische Öfen.

Welche Öfen sind betroffen?

Kaminöfen, die zwischen dem 1. Januar 1995 und dem 21. März 2010 installiert und zugelassen wurden, dürfen maximal 0,15 Gramm Feinstaub und 4 Gramm Kohlenmonoxid pro Kubikmeter ausstoßen. Die Grenzwerte überprüft der Schornsteinfeger. Für Öfen, die älter als 30 Jahre sind, endete die Frist bereits 2021. Das Baujahr findet sich meist auf dem Typenschild auf der Rückseite des Ofens. Besitzer können ihr Ofenmodell in der Onlinedatenbank des Industrieverbands Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) überprüfen.

Kosten für Austausch: 1.000 bis 3.000 Euro

Auch wenn hier und da ein neuer Ofen eingebaut wird: Laut dem Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) läuft der Austausch insgesamt schleppend. „Viele sind generell interessiert an einer Holzheizung, weil die Energieversorgung unsicher ist. Aber wie in anderen Branchen halten die Leute zurzeit an ihrem Geld fest“, sagt Thomas Schnabel vom HKI. Zwischen 1.000 und 3.000 Euro kostet ein neuer Ofen, nach oben sind laut Ofenbauer Christian Fahrenkrug aber keine Grenzen gesetzt.

Eine Person sitzt mit warmen Socken vor einem Kaminofen.

Kaminöfen sind gemütlich, aber die Verbrennung von Holz setzt CO2 und Feinstaub frei. Beim Betrieb sollte man einiges beachten.

Grenzwerte sollen Menschen schützen

Durch die neuen Grenzwerte sollen laut Bundesumweltministerium die Staubemissionen aus Holzöfen insgesamt sinken, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Außerdem sollen Geruchsbelästigungen vermindert und den Städten und Kommunen geholfen werden, gesetzliche Vorgaben einzuhalten.

Unverständnis bei Ofenbesitzern

Doch auch ein Jahr nach Frist-Ende herrscht bei einigen Kunden Unverständnis, so Christian Fahrenkrug: „Die Leute verstehen nicht, dass sie intakte Öfen entsorgen und austauschen müssen, obwohl sie in einem technisch guten Zustand sind.“ Laut dem Ofenbauer fehlt es noch immer an Aufklärung. Hinzu komme, dass einige verunsichert seien, für was sie ihr Geld ausgeben sollen: „Für viele steht der Austausch der Gasheizung gegen eine Wärmepumpe im Vordergrund.“

Kaminofen nachrüsten nach „Stand der Technik“

Wer seinen Ofen nachrüsten will, muss darauf achten, dass die „Einrichtung zur Reduzierung der Staubemissionen nach dem Stand der Technik“ erfolgt, heißt es vom Bundesumweltamt. Beim Kauf sogenannter Staubabscheider sollte demnach auf einen Nachweis des Herstellers geachtet werden, der einen Abscheidegrad von mindestens 50 Prozent aufweist.

Ein Holzofen in einem Wohnzimmer in Betrieb.

Ab 2025 könnten viele Kamine in Schleswig-Holstein kalt bleiben – dann gelten strengere Grenzwerte. Die Schornsteinfeger sind im Dauereinsatz.

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