In seiner Weihnachtspredigt mahnt Weihbischof Ludger Schepers zu Vergebung und Menschlichkeit. Er kritisiert eine harte Flüchtlingspolitik und soziale Ungerechtigkeiten und warnt vor Hass, Ausgrenzung und populistischen Tönen in politischen Debatten.

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Symbolbild: David Trinks | Unsplash (Bearbeitung: Bistum Essen)

In seiner Predigt am Zweiten Weihnachtstag hat der Essener Weihbischof Ludger Schepers zu einer Politik der Menschlichkeit aufgerufen und an die Vergebungsbereitschaft des Heiligen Stephanus erinnert: „Wer vergibt, durchbricht den Kreislauf von Hass und Rache. In einer Zeit, in der politische Debatten immer häufiger in Beleidigungen, Bedrohungen und Gewalt umschlagen, ist das eine revolutionäre Botschaft“, sagte Schepers in der Messe im Essener Dom. Christinnen und Christen erinnern am Zweiten Weihnachtstag, dem 26. Dezember, an den Heiligen Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt. Die biblische Apostelgeschichte berichtet, dass Stephanus noch im Tod für seine Mörder gebetet habe: „Herr, rechne ihnen ihre Sünde nicht an!“ Vergebung bedeute nicht, Unrecht zu verharmlosen, betont Schepers. Sie bedeute, „den Teufelskreis der Vergeltung zu durchbrechen und stattdessen den Weg der Versöhnung zu gehen.“

„Wir leben in einem Land, das sich christliche Werte auf die Fahnen schreibt – und gleichzeitig Flüchtlinge an den Grenzen abweist, Obdachlose ignoriert und soziale Ungleichheit weiter verschärft“, kritisiert Schepers und verweist auf „Populisten, die mit einfachen Lösungen punkten, während die Komplexität der Welt geleugnet wird.“ Die Weihnachtskrippe und das Martyrium des Stephanus sagten jedoch: „Das muss nicht so sein. Sie fordern uns heraus, eine Politik der Menschlichkeit zu leben – eine Politik, die sich nicht an Machtinteressen orientiert, sondern am Wohl der Menschen. Eine Politik, die nicht spaltet, sondern verbindet. Eine Politik, die nicht auf Ausschluss und Strafe setzt, sondern auf Versöhnung und Zusammenhalt.“ Gott traue den Menschen etwas zu, sagt Schepers. „Er traut uns zu, dass wir nicht wegschauen, sondern handeln. Dass wir nicht hassen, sondern vergeben. Dass wir nicht verzweifeln, sondern hoffen.“ Vor diesem Hintergrund wünsche er „ein Weihnachtsfest, das uns aufrüttelt“, so Schepers, „und ein neues Jahr, in dem wir den Mut haben, diese Hoffnung in unseren Alltag, in die Politik, in unser Leben als Christen mittendrin zu tragen und zu leben.“

Die Predigt von Weihbischof Schepers im Wortlaut (pdf)