Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat europäischen und nordamerikanischen Luftfahrtbehörden mitgeteilt, dass sie für Sonntag einen Raketenstart plant. Aktuellen Prognosen zufolge könnte die Rakete im mittleren Nordatlantik landen. Moskau warnt, dass dass es auf der bedeutenden Transatlantikroute zwischen Europa und Kanada/bzw. USA zu einer Beeinträchtigung des Passagierflugverkehrs kommen könnte.

Die US- und europäischen Luftfahrtbehörden warnen vor möglichen massiven Beeinträchtigungen des Flugverkehrs zwischen Nordamerika und Europa, der oft als „riesige Autobahn am Himmel“ bezeichnet wird. Grund dafür ist der geplante Raketenstart Russlands am Sonntag, 28. Dezember 2025, der möglicherweise eine der verkehrsreichsten Flugrouten der Welt treffen könnte.

Aktuellen Prognosen zufolge könnte die Rakete im mittleren Nordatlantik landen. Das Zielgebiet der russischen Rakete liegt innerhalb der sogenannten Gander-Fluginformationsregion (FIR). Die Gander-FIR ist ein wichtiger Bestandteil der Nordatlantikrouten, die von allen goßen irlines Europas, der USA und Kanadas zwischen Nordamerika und Europa genutzt werden.

Da große Teile des Nordatlantiks nicht radarüberwacht sind, wurden die Nordatlantikrouten (NAT Tracks) eingerichtet, um angesichts des hohen Luftraumaufkommens eine ausreichende Staffelung der Flugzeuge und einen effizienten Flugbetrieb zu gewährleisten. Man kann sich das wie eine Autobahn am Himmel vorstellen, mit festgelegten Flugrouten, die Piloten aus Sicherheitsgründen peinlich genau einhalten müssen. Anders als auf einer normalen Straße ändern sich die Nordatlantikrouten jedoch je nach Windrichtung.

In einer NOTAM-Meldung (Notice to Airmen) wurden Piloten vor einem Raketengefahrengebiet im mittleren Bereich der Nordatlantikrouten zwischen dem 28. und 30. Dezember gewarnt, das möglicherweise eine Umleitung zur Unfallverhütung erforderlich macht.

Die NOTAM-Meldung lautet: LUFTRAUMRESERVIERUNG: LINIE: 48°00’N 03°00’W – 55°00’N 03°00’W
BEACHTEN SIE DAS RAKETENGEFAHRGEBIET IN GANDER. FLW-Staffelungen werden bereitgestellt
INNERHALB DES OZEANISCHEN LUFTRAUMS: MNPS/NAT HLA 30 NM,
NICHT-MNPS/NAT HLA 60 NM.

(The NOTAM reads:  AIRSPACE RESERVATION: LINE:4800N 03000W – 5500N 03000W
REF ROCKET HAZARD AREA IN GANDER. FLW SEPARATIONS WILL BE PROVIDED
WITHIN OCEANIC AIRSPACE: MNPS/NAT HIGH LEVEL AIRSPACE(HLA) 30NM,
NON-MNPS/NAT HLA 60NM.)

Die NOTAM-Meldung (Notice to Airmen oder neuerdings auch Notice to Air Missions) ist eine wichtige, zeitkritische Mitteilung an Piloten, Fluglotsen etc.) über aktuelle, vorübergehende oder permanente Änderungen oder Gefahren im Luftraum, die nicht früh genug in den regulären Luftfahrtkarten (AIP) veröffentlicht werden können, wie z. B. gesperrte Lufträume, neue Hindernisse (Windräder), Flugbeschränkungen oder technische Ausfälle von Navigationsanlagen, um einen sicheren und reibungslosen Flugbetrieb zu gewährleisten. 

Erst im September mussten Airlines massive Umwege fliegen. Dies ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten, dass Russland Raketenstarts durchgeführt hat, die zivile Passagierflugzeuge in Gefahr gebracht haben. Im September mussten einige Flugzeuge, die den Pazifik überquerten, aufgrund einer 68.000 Quadratmeilen (c. 176.000 km2) großen Raketengefahrenzone, die sich innerhalb normalerweise stark frequentierter Flugrouten befand, massive Umleitungen fliegen.

Zum Vergleich: Die Raketengefahrenzone umfasste eine Fläche, die in etwa der Größe des US-Bundesstaates Washington oder Englands und Wales entspricht.

Der stark frequentierte Ozeankorridor, der bei diesem separaten Raketentest betroffen war, wird von zahlreichen Fluggesellschaften genutzt, die zwischen Asien und den Vereinigten Staaten fliegen. Dies zwang viele Fluggesellschaften zu Umwegen von über 300 Meilen (482 km) um das Sperrgebiet herum.

Piloten benötigen eine spezielle Qualifikation für Flüge über den Atlantik. Aufgrund der besonderen Betriebsbedingungen über dem Nordatlantik benötigen Piloten eine spezielle Qualifikation, um zwischen Nordamerika und Europa fliegen zu dürfen. Die Qualifikation umfasst die Anforderungen für das Befolgen der Nordatlantikrouten, das Fliegen in einer radarlosen Umgebung, das Erlernen geeigneter Ausweichpunkte und die Funkverfahren über Kurzwelle.

Zur Vorbereitung auf den erstmaligen Einsatz des Airbus A321XLR-Schmalrumpfflugzeugs von American Airlines über den Nordatlantik 2026 musste die Fluggesellschaft Leerflüge von und nach Edinburgh (Schottland) durchführen, um Piloten zu schulen, die normalerweise Inlandsflüge mit deutlich anderen Abläufen gewohnt sind. Im September führte American Airlines 42 solcher Leerflüge zwischen Philadelphia und Edinburgh durch, um die Prüfpiloten auszubilden, die wiederum die Basispiloten schulen werden, welche im nächsten Jahr die Nordatlantikflüge mit dem A321XLR durchführen werden. Quelle: DMM