Am Tag eins nach den Feiertagen wirkt die City entspannt. Der große Umtausch-Ansturm bleibt aus, Sonne und gut besuchte Straßencafés sorgen für Frühlingsgefühle im Winter.

Ein Aperol Spritz vor dem Königsbau oder eine Latte macchiato an der Freitreppe des Kleinen Schlossplatzes – die Sonne blendet dazu, während der Blick über den relativ ruhigen Passantenstrom der Königstraße wandert. Von einem Ansturm zum Umtausch von Geschenken oder zum Einlösen von Gutscheinen ist am ersten Einkaufstag nach den Feiertagen nur wenig zu erkennen. Die Einkaufsmeile präsentiert sich wie an einem gewöhnlichen Samstag, entspannt und ohne Eile.

Das Licht hebt die Stimmung spürbar. Auf den Außenterrassen sind freie Plätze rar. Die Gäste genießen Frühlingsgefühle im Winter. Man wird ein bisschen verwegen davon. Ein junger Mann zeigt auf den noch geschmückten Weihnachtsbaum und tut so, als wundere er sich kolossal. „Weihnachten beginnt immer früher“, sagt er, „es sind noch 362 Tage bis zum Heiligabend und die Stadt ist schon voller Weihnachtsdekoration.“

Der Frühling lässt grüßen: Gäste im Straßencafé am Königsbau.. Foto: Lichtgut

Nach den Feiertagen scheint in der City so viel Betrieb zu herrschen wie davor – weniger als vom Einzelhandel gewünscht. „Es ist verhalten entspannt, so wie es beim Weihnachtsgeschäft auch war“, sagt Rainer Bartle, Geschäftsführer von Thalia-Wittwer. Der Einzelhandelsverband Baden-Württemberg zeigte sich vom Umsatz enttäuscht. Die Konsumzurückhaltung bremst. Man habe sich vor Weihnachten mehr erhofft, entsprechend ruhig sei es nun auch danach, so Bartle. In den Buchhandlungen wie auch in vielen anderen Geschäften bleiben die Warteschlangen kurz oder ganz aus. An etlichen Schaufenstern ist nun zu lesen: „Sale“. Rabatte von 50 Prozent werden versprochen.

Draußen entfaltet die Stadt ihren eigenen Reiz. Menschen mit Sonnenbrillen lassen sich von den milden Strahlen kitzeln. Straßenmusiker spielen vor dem Kunstmuseum, fast schon Urlaubsstimmung herrscht – ungewöhnlich für die Tage zwischen den Jahren.

Auf dem Schiller- und dem Marktplatz werden derweil die letzten Buden des Weihnachtsmarktes abgebaut. Das Klirren von Metall und das Rollen der Transportwagen markieren das endgültige Ende der Vorweihnachtszeit. Ein paar Schritte weiter, im Dorotheenquartier, zeigt sich ein bekanntes Bild: Vor Louis Vuitton steht die gewohnte Schlange, unabhängig von Saison oder Wetter.

Auch Breuninger erweist sich mal wieder als Magnet. Die Champagner-Bar in der Karlspassage ist voll belegt. Sind bei Tiffany gegenüber schon Gutscheine eingelöst worden? „Bei uns gibt es keine Gutscheine“, sagt die Verkäuferin, leicht irritiert.

Passantenströme auf der Königstraße wie an einem normalen Samstag. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Bei Lederwaren Acker berichtet eine Verkäuferin, man habe bisher keinen einzigen Umtausch gehabt. „Das spricht dafür, dass wir offenbar das Richtige verkauft haben“, sagt sie mit einem Lächeln. Im Kaufhaus Mitte wenige Schritte wandern Gutscheine über die Ladentheke. Besonders gefragt seien Produkte mit Stuttgart-Bezug, heißt es dort – sie liefen „immer gut“.

Der Wintertraum geht länger als der Weihnachtsmarkt

Auf dem Schlossplatz dreht sich das Riesenrad gemächlich weiter. Schlangen davor gibt es am Samstag nicht. Auch auf der Rollschuhbahn ist relativ wenig los: Vielleicht zehn Menschen ziehen ihre Runden über die Fläche. Die Buden rundherum sind hingegen gut besucht, hier gibt es weiterhin Glühwein und Würste wie zu Weihnachtsmarktzeiten. Möglich macht das die Genehmigung des Landes, das längere Laufzeiten erlaubt. Der Wintertraum befindet sich auf Landesgelände.

Der schief gelegte Porsche im Doortheen-Quartier kommt bei Touristen gut an. Foto: stzn Aus Hamburg ist eine Seniorengruppe im Bus nach Stuttgart gereist

Immer wieder werden Handys gezückt, viele Selfies entstehen – oft mit dem Riesenrad oder dem sonnigen Schlossplatz im Hintergrund. Eine Seniorengruppe aus Hamburg ist zum Stadttrip nach Stuttgart gekommen. „Wir waren im Mercedes-Museum“, berichtet eine Teilnehmerin, „und jetzt geht es in die Markthalle.“ Das Porsche-Museum haben sie ausgelassen. „Aber wir waren im Porsche-Store im Dorotheenquartier“, ergänzt ein Begleiter. „Dort gibt es nicht nur einen tief, sondern auch einen schräg gelegten 911er, der quasi in der Luft hängt – ein faszinierender Anblick.“

Tag eins nach den Feiertagen: Die Stadt, in der man wieder einkaufen kann, bleibt ruhig und entspannt. Buchhandlungs-Chef Rainer Bartle hofft, dass die Geschäfte in der kommenden Woche anziehen. Am ersten Verkaufstag nach Weihnachten herrscht Gelassenheit, die Sonne scheint, ein Hauch von Frühling erweckt die Lebensgeister und schaltet trübe Gedanken aus – Momente des Innehaltens zwischen den Jahren.