Putin macht sich in Belarus breit
Russische Hyperschallraketen rücken näher an Europa
27.12.2025 – 23:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Diktatorenfreunde: Wladimir Putin (l.) und Alexander Lukaschnek bei einem Treffen. (Quelle: Dmitriy Azarov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa/dpa-bilder)
Belarus gewinnt offenbar für Russland weiter an Bedeutung. Bald sollen dort Oreschnik-Hyperschallraketen stationiert werden.
Belarus scheint eine größere Rolle im russischen Krieg gegen die Ukraine zu bekommen. Bislang hatte es von dort stationierten russischen Einheiten mehrfach Drohnen- und Raketenangriffe gegeben. Jetzt hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einer Ausweitung gewarnt. Und US-Wissenschaftler wollen die Basis für russische Hyperschallraketen ausgemacht haben.
Selenskyj schrieb auf der Plattform X, dass Russland die Zahl der Angriffe aus Belarus erhöht habe. Mit dieser neuen Taktik versuche Russland, die Verteidigungslinien der Ukraine zu umgehen, schrieb Selenskyj. „Das ist riskant für Belarus“, schrieb er. „Leider gibt Belarus damit seine Souveränität zugunsten von Russlands aggressiven Ambitionen auf.“
Die Ukraine kann dagegen nicht viel unternehmen, denn Russland habe die gesamte Technik für die Angriffe auf Wohngebäuden installiert. Antennen und andere Leitsysteme für Angriffe gegen Ziele in der Ukraine stünden nun praktisch auf den Dächern fünfstöckiger ziviler Wohnblocks, sagte Selenskyj mit Verweis auf Erkenntnisse der ukrainischen Aufklärung.
Amerikanische Wissenschaftler haben auf Satellitenbildern einen möglichen Stützpunkt für atomwaffenfähige Hyperschallraketen ausgemacht. Es handelt sich um einen früheren Luftwaffenstützpunkt im Osten von Belarus. Sie seien sich zu 90 Prozent sicher, dass die mobilen Startrampen für Oreschnik-Raketen auf die Basis nahe Kritschew verlegt würden, sagten Jeffrey Lewis vom Middlebury Institute of International Studies und Decker Eveleth von CNA der Nachrichtenagentur Reuters.
Damit könnte Russland seine Fähigkeit ausbauen, Ziele in ganz Europa anzugreifen. Die Einschätzung deckt sich weitgehend mit Erkenntnissen von US-Geheimdiensten, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte.
Lewis und Eveleth stützen ihre Einschätzung auf die Auswertung von Satellitenbildern, die rasche Bauarbeiten zeigten. Diese begannen demnach zwischen dem 4. und 12. August. Als eindeutigen Hinweis werteten sie einen militärischen Schienenumschlagplatz sowie eine betonierte und mit Erde bedeckte Fläche, die als getarnter Startplatz dienen könnte.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bereits angekündigt, Oreschnik-Mittelstreckenraketen in Belarus zu stationieren. Der genaue Standort war jedoch bislang nicht bekannt. Die Oreschnik hat eine geschätzte Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern. Sie soll mehr als die zehnfache Schallgeschwindigkeit erreichen und dürfte schwer abzufangen sei, weil sie auch im Anflug noch steuerbar ist. Experten sehen in dem Schritt eine Reaktion auf die geplante Stationierung von US-Raketen in Deutschland im kommenden Jahr.
