Binnenschifffahrt auf dem Rhein. Foto: Petra Grünendahl.
____________________________________________Über die Perspektiven und Zukunft einer nachhaltigen Rheinschifffahrt und darüber, wie die Binnenschifffahrt, die Häfen, Logistik- und Transportketten klimafreundlich und zukunftsfähig gestaltet werden können, haben Fachleute der Anliegerländer auf einer Rheinkonferenz in Düsseldorf diskutiert. Vor rund 120 Teilnehmenden aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wurde das Maßnahmenpaket „Perspektive nachhaltige Rheinschifffahrt 2030“ vorgestellt. Es sieht Maßnahmen zur Stärkung des Systems Wasserstraße, zur Entwicklung eines grünen Binnenschifffahrtskorridors und Stärkung der europäischen Zusammenarbeit entlang des Rheinkorridors vor.

Neben den beteiligten Ländern beteiligten sich auch zahlreiche Partner, darunter niederländische Provinzen, Kommunen, Häfen von Rotterdam bis Basel, Reedereien, Terminalbetreiber und Verbände das Maßnahmenpaket für eine nachhaltige Entwicklung des Rheinkorridors. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer betonte: „In Zeiten des Wandels muss sich das System Wasserstraße neu erfinden. Es muss mit entsprechenden Investitionen und Förderungen länder- und nationenübergreifend weiterentwickelt werden. Der Wandel der Häfen in einem grünen Binnenschifffahrtskorridor Rhein und leistungsfähige Wasserstraßen sind für den Klimawandel zentral und unverzichtbar.“ Er forderte den Bund auf, mehr Geld in den Erhalt der Wasserstraßen zu investieren: „Neueste Containerbinnenschiffe können mehr als 500 LKW einsparen. Deshalb ist nicht nachvollziehbar, wenn das System Wasserstraßen kaputtgespart wird, notwendige Instandsetzungen von Schleusen und Wehren zurückgestellt werden müssen.“

Alle Partner der „Perspektive Nachhaltige Rheinschifffahrt 2030“ stellten sich hinter die Forderung nach einer auskömmlichen, langfristig planbaren Finanzierung sowie eine deutlichen Beschleunigung der relevanten Infrastrukturmaßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene.

Der hessische Verkehrsminister Kaweh Mansoori betonte: „Der Rhein ist eine wichtige Lebensader unseres Wirtschaftsstandorts: Er verbindet Hessen mit den großen Seehäfen und sichert Lieferketten. Gleichzeitig ist er Innovationsraum für klimafreundliche Logistik und moderne Industrie. Wer in Hessen investiert, profitiert von dieser starken, verlässlichen Wasserstraße – heute und in Zukunft. Deshalb begrüßen wir nachdrücklich, dass der Bund in der vergangenen Woche die Planfeststellung des ersten Abschnitts der ,Abladeoptimierung Mittelrhein‘ eingeleitet hat. Dies ist ein wichtiger Schritt, um den Betrieb der Wasserstraße Rhein verlässlich, nachhaltig und zukunftssicher zu machen.“

Bis zum Jahr 2030 soll das Maßnamenpaket „Perspektive Nachhaltige Rheinschifffahrt 2030“ umgesetzt sein. So sollen ein grüner Binnenschifffahrtskorridor Rhein mit emissionsfreien und sauberen Antrieben bei Schiffen und Terminalfahrzeugen und die Technologie für automatisiertes und ferngesteuertes Fahren der Binnenschiffe entwickelt werden. Auch das Image der Häfen soll verbessert werden. Es sollen neue Hafenkonzepte erarbeitet werden, die auch von den Kommunen unterstützt werden.

Baden-Württembergs Staatssekretärin aus dem Verkehrsministerium Elke Zimmer sagte: „Klimaneutrale Binnenschifffahrt braucht eine europäische und gut vernetzte Planung. Dafür muss über Ländergrenzen hinweg gut und effektiv zusammengearbeitet werden. Der ‚grüne Binnenschifffahrtskorridor Rhein‘ umfasst dabei nicht nur den Wasserweg, sondern auch die Orte, an denen Waren zwischen Schiff, Bahn und Lkw wechseln. Beides zu modernisieren und angemessen zu finanzieren, ist ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll. Und es ist dringend nötig, denn moderner Güterverkehr braucht das durchdachte Zusammenspiel von Straße, Schiene und Wasserstraße.“

 
Die zentralen Handlungspunkte

Die „Perspektive nachhaltige Rheinschifffahrt 2030“ hat fünf Themenfeldern erarbeitet, die für die zukünftige Leistungsfähigkeit des Systems Wasserstraße von zentraler Bedeutung sind.

  1. Entwicklung des Rheinkorridors: Ziel ist die Vertiefung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und stärkere Nutzung europäischer Förderprogramme wie Interreg für grenzüberschreitende Projekte. Eine Studie soll die Entwicklung der Wertschöpfungsketten entlang des Rheinkorridors untersuchen und dabei Markt- und Arbeitsplatzpotenziale, Auswirkungen der Dekarbonisierung energieintensiver Industrien sowie die Bedeutung von Häfen, Binnenschifffahrt und Industrie transparent machen. Weitere Schwerpunkte sind die Beschleunigung logistischer Abläufe, insbesondere im Seehafenhinterlandverkehr, die Förderung digitaler Korridorlösungen und die kontinuierliche Aktualisierung der „Düsseldorfer Liste“ relevanter Infrastrukturprojekte.
  2. Grüner Binnenschifffahrtskorridor Rhein: Ziel ist die schrittweise Transformation der Binnenschifffahrt auf emissionsarme und emissionsfreie Antriebe, mit dem Fokus auf die Förderung einer klimafreundlichen Logistikkette und die Nutzung vorhandener Potenziale. Schifffahrtsunternehmen können Pilotprojekte einsetzen und Förderprogramme nutzen, während Verlader die Transformation unterstützen und zusätzliche Transporte auf die Wasserstraße verlagern können. Terminalbetreiber erhöhen den Anteil emissionsfreier Geräte, und Häfen werden zu Clean Energy Hubs entwickelt, die erneuerbaren Energien für Schiffe, Industrie und weitere Verkehrsträger bereitstellen. Kommunen können den Ausbau von Liegeplätzen mit Landstromversorgung und beschleunigten Genehmigungsverfahren begünstigen.
  3. Fernsteuerung und Automatisierung: Ziel ist die Unterstützung von Pilotprojekten wie Netzabdeckungsmessungen und (teil)autonomen Testfahrten, Weiterentwicklung digitaler Navigationshilfen, Forderung und begleitende Unterstützung der Entwicklung eines verlässlichen regulatorischen Rahmens auf nationaler und europäischer Ebene sowie die frühzeitige Integration automatisierungsrelevanter Anforderungen in die Hafen- und Infrastrukturplanung.
  4. Hafenentwicklung: Ziel ist die Erstellung von Hafenentwicklungsplänen (HEP) oder ähnlichen Konzepten, um die strategische Ausrichtung der Häfen festzulegen, Flächen langfristig zu sichern und die Infrastruktur zielgerichtet zu entwickeln. Die Pläne definieren Zukunftsbilder der Häfen, zeigen auf, welche Märkte und Wertschöpfungsketten künftig bedient werden sollen, und berücksichtigen dabei auch neue Anforderungen wie erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft oder Schwer- und Großraumtransporte. Kommunen werden frühzeitig eingebunden, um Genehmigungen, Verkehrsanbindung, städtebauliche Entwicklung und Klimaschutzziele zu integrieren. Die HEP sollen zudem Synergien zwischen Hafenbetreibern, Industrie und Verwaltung fördern, Flächen- und Infrastrukturpotenziale effizient nutzen und Resilienz sowie Sicherheitsanforderungen berücksichtigen. So entsteht eine solide Grundlage für eine langfristig leistungsfähige und nachhaltige Hafenentwicklung.
  5. Stärkung der gesellschaftlichen und politischen Akzeptanz: Ziel ist die Förderung von Verständnis und Akzeptanz für das System Wasserstraße, mit dem Fokus auf Informations- und Dialogformate, Bildungsinitiativen und Nachwuchsförderung. Maßnahmen umfassen Hafenführungen, Hafentage, koordinierte Kommunikation und Netzwerkveranstaltungen. Industrie- und Handelskammern sowie Verbände unterstützen die Sichtbarkeit der Akteure und die Zusammenarbeit entlang des Rheinkorridors.

Andy Becht, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau begrüßt das von den Beteiligten vorgelegte, umfassende Maßnahmenpapier als klare und zukunftsweisende Strategie, um die Binnenschifffahrt und die Binnenhäfen im Rheinkorridor nachhaltig zu stärken. „Gerade für das exportorientierte Rheinland-Pfalz bleibt ein leistungsfähiges Zusammenspiel aus Wasserstraßen, Binnenschifffahrt und Binnenhäfen ein unverzichtbarer Standortfaktor“, betonte Becht. Er machte deutlich, dass die kommenden Jahre enorme Herausforderungen mit sich bringen werden – von Niedrigwassersituationen bis hin zu steigenden Anforderungen an Effizienz und Umweltverträglichkeit. Ein Schlüsselprojekt in diesem Zusammenhang ist die Optimierung der Fahrrinne am Mittelrhein zwischen Mainz und Sankt Goar. Vor wenigen Tagen wurde endlich der erste Schritt in diese Richtung gemacht: Für einen der drei Teilabschnitte des Projekts wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Es bleibt zu hoffen, dass die Planfeststellungsverfahren nun zügig vorankommen und dass zeitnah Baurecht geschaffen wird. Die Sicherstellung der Finanzierung ist ebenfalls ein wichtiger Schritt, um das Projekt bis zur Fertigstellung zu bringen. Andy Becht: „Insgesamt bildet diese Vision die Grundlage, um den Rheinkorridor widerstandsfähig, wettbewerbsfähig und fit für die Zukunft zu machen. Rheinland-Pfalz wird diesen Prozess konsequent und engagiert unterstützen.“
Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
Foto: Petra Grünendahl

 

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