In vielen Ländern auf der Welt feiern die Menschen Weihnachten – allerdings mit sehr unterschiedlichen, manchmal überraschenden, Traditionen. In Japan ist das Fest gar nicht so wichtig, und in Spanien kommt das eigentliche (Weihnachts-)Highlight erst im Januar.

Typisches Weihnachtsgebäck in Frankreich: Sweet Madeleine. | So feiert man Weihnachten in anderen Ländern

Typisches Weihnachtsgebäck in Frankreich: Sweet Madeleine.

In Frankreich beginnt die Weihnachtsfeier am 24. Dezember – und das vor allem am Esstisch. Der „Réveillon de Noël“, als der Heilige Abend oder das festliche Weihnachtsabendessen, ist für viele Familien das eigentliche Herzstück des Festes. Man sitzt oft stundenlang zusammen, isst mehrere Gänge und genießt Gerichte wie Ente, Gans, Austern oder Lachs.

Zum Abschluss gibt es fast immer die berühmte „Bûche de Noël“, ein französischer „Baumkuchen“. Anders als unser deutscher Baumkuchen ist die französische Variante ein gerollter Biskuitkuchen, der mit Creme gefüllt und außen wie ein Holzscheit dekoriert wird – komplett mit Schokoladenrinde, Puderzucker-„Schnee“ oder kleinen Pilzfiguren aus Baiser.  

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Di.22.7.2025
9:00 Uhr

SWR1 Rheinland-Pfalz

SWR1 Rheinland-Pfalz

Die Geschenke bringt meist der französische Weihnachtsmann „Père Noël“ (Vater Weihnachten) oft schon am Abend. Der 25. Dezember ist dann ein ruhiger Familientag. Und während bei uns der 26. Dezember noch ein Feiertag ist, an dem viele freihaben, beginnt in Frankreich – außer im Elsass – schon wieder der Alltag.

In Spanien wirkt Weihnachten ein bisschen wie ein Fest aus zwei Akten. Der erste große Moment ist die „Nochebuena“ (spanischer Heiligabend) am 24. Dezember. An diesem Abend kommen die Familien zusammen, essen lange und gemütlich und genießen die gemeinsame Zeit. Viele besuchen später die Misa del Gallo, also die Mitternachtsmesse in der Kirche – oft ein sehr feierlicher Moment, der die Nacht besonders macht.

Der 25. Dezember selbst ist deutlich ruhiger als bei uns. Man verbringt Zeit mit der Familie, isst zusammen, aber große Geschenke wie bei uns zu Weihnachten gibt es hier selten – denn das eigentliche Highlight des spanischen Weihnachtsfestes ereignet sich erst im Januar. 

Traditionell bringt in Spanien nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind den Kindern die Geschenke, sondern die Heiligen Drei Könige. In fast allen Städten und Gemeinden Spaniens findet am 5. Januar, dem Vorabend des Dreikönigstages, die "Cabalgata de Reyes" statt, bei der die Heiligen Drei Könige durch die Straßen ziehen.

Traditionell bringt in Spanien nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind den Kindern die Geschenke, sondern die Heiligen Drei Könige. In fast allen Städten und Gemeinden Spaniens findet am 5. Januar, dem Vorabend des Dreikönigstages, die „Cabalgata de Reyes“ statt, bei der die Heiligen Drei Könige durch die Straßen ziehen.

Den Abschluss leiten am 5. Januar bunte Paraden ein. Die sogenannten Cabalgatas ziehen überall im Land durch die Straßen. Bei diesen Umzügen gibt es Musik, Süßigkeiten, und auf den Wagen sitzen die Reyes Magos, die Heiligen Drei Könige.

Für Kinder ist das ein ganz wichtiger Tag. Und dann, erst am 6. Januar, dem Día de los Reyes Magos (Tag der Heiligen Drei Könige), gibt es die Geschenke – und für viele Spanier fühlt sich dieser Tag festlicher an als Heiligabend selbst. 

Mit Teig gefüllte Päckchen aus Bananenblättern und Oliven


Alternativen zu Würstchen und Kartoffelsalat
Weihnachtsessen in aller Welt: Festtagsschmaus international

Jedes Jahr Würstchen und Kartoffelsalat ist öde. Wie wäre es mit einem Weihnachtsessen aus Island oder Kanada? Die Traditionen sind vielfältig und unterschiedlich.

Der Inselstaat Island hat beim Weihnachtsfest seine ganz eigenen Traditionen. So beginnt die Weihnachtszeit dort nicht erst kurz vor Heiligabend, sondern bereits am 12. Dezember. Ab diesem Tag gehen 13 isländische Weihnachtstrolle namens Jólasveinar um.

Doch sie haben nichts Böses im Sinn, sondern stecken den Kindern kleine Geschenke in die Schuhe – vorausgesetzt, sie haben ihre Schuhe abends vor die Tür gestellt. So vereint jeden Tag ein anderer Weihnachtstroll den Nikolaus, einen Adventskalender und den isländischen Humor, wobei jede Trollfigur ihren eigenen Charakter hat.

Hier schaut ein isländischer Troll zum Fenster heraus. | So feiert man Weihnachten in anderen Ländern

Typisch für Island: Hier schaut ein Troll zum Fenster heraus.

Der 24. Dezember läuft deutlich strukturierter ab, als man es vielleicht erwartet. Weihnachten beginnt in Island nämlich erst um Punkt 18 Uhr. Vorher verläuft der Tag traditionell eher ruhig, viele Geschäfte schließen früh, und es wird noch nicht gefeiert. Erst ab sechs Uhr abends kommen die Familien zusammen, essen gemeinsam und tauschen Geschenke aus.

Genau wie bei uns sind der 25. und der 26. Dezember in Island Feiertage. Diese Tage werden meist ruhig im Familienkreis verbracht – man sitzt zusammen, isst, liest oder besucht Verwandte. Große Feiern spielen weniger eine Rolle. Weihnachten in Island ist eher zurückhaltend, klar geregelt und sehr familiär – passend zu einem Land, in dem der Winter lang ist und Gemütlichkeit einen besonderen Stellenwert hat.

Weihnachtsstimmung in Johannesburg | So feiert man Weihnachten in anderen Ländern

Weihnachtsstimmung in Johannesburg.

In Südafrika fällt Weihnachten mitten in den Sommer – und das prägt das ganze Fest. Am 25. Dezember sitzen die Familien meist draußen zusammen, oft beim Braai, einem südafrikanischen Grillfest. Es wird gegrillt, gelacht und einfach die gemeinsame Zeit genossen.

Der 26. Dezember ist ebenfalls ein Feiertag, aber hier wird er Day of Goodwill, oder Boxing Day genannt, wie in anderen englischsprachigen Ländern. Der wird ganz entspannt mit Besuchen oder Ausflügen verbracht.

Ein Stück weiter nördlich, in Kenia, wo Weihnachten ganz anders gefeiert wird, steht vor allem die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Viele Menschen reisen aus den großen Städten zurück in ihre Heimatdörfer, um dort mit der Familie zu feiern. Oft wird extra eine Ziege gekauft und gemeinsam zubereitet – ein wichtiger Teil des Festessens.

Und für viele Kinder gehört dort etwas dazu, das für uns selbstverständlich klingt: süße Getränke wie Cola oder Fanta. Während man das bei uns jeden Tag bekommen kann, sind solche Getränke in Kenia eher etwas Besonderes und werden bewusst für Feiertage aufgehoben – ein kleiner Luxus, der Weihnachten für viele Kinder noch festlicher macht. 

An Weihnachten haben sich einige hundert Menschen in der kenianischen Stadt Ugunja versammelt, um Weihnachten zu feiern. In ihren farbenfrohen Kostümen ziehen sie zu einer Prozession zur Kirche.

An Weihnachten haben sich einige hundert Menschen in der kenianischen Stadt Ugunja versammelt, um Weihnachten zu feiern. In ihren farbenfrohen Kostümen ziehen sie zu einer Prozession zur Kirche.

Reist man nach Japan, merkt man schnell: Weihnachten spielt hier eine ganz andere Rolle. Es ist kein religiöses Fest und auch kein Feiertag. Dennoch ist der 24. Dezember ein besonderer Abend – allerdings vor allem für Paare. Man geht essen, schaut sich große Weihnachtslichtershows an und verteilt kleine Geschenke. 

Und dann gibt es die Tradition, die weltweit immer wieder für Staunen sorgt: Fastfood in Form von Kentucky Fried Chicken an Weihnachten. In den 1970er-Jahren startete Kentucky Fried Chicken die Kampagne „Kentucky For Christmas“ – eigentlich nur eine Werbeidee.

Da es in Japan aber kein typisches Weihnachtsessen gab, griffen viele Familien die Idee auf. Der Trend blieb, wurde zur Gewohnheit und für viele schließlich zu einem festen Bestandteil des Weihnachtsabends. 

Weihnachten in Japan: Christmas Illuminations | So feiert man Weihnachten in anderen Ländern

Weihnachten in Japan: Christmas Illuminations

Heute bestellen viele Menschen ihr Menü eher Wochen als Tage vorher bei der Fastfood-Kette. KFC richtet an Heiligabend oft sogar eigene Abholschalter ein, so groß ist die Nachfrage. Ergänzt wird das Ganze durch den typischen Christmas Cake (einen Erdbeer-Sahne-Kuchen), den man in ganz Japan bekommt. 

Der 25. Dezember dagegen ist ein normaler Arbeitstag. Das tatsächliche Familienfest ist das Neujahrsfest Oshōgatsu – ein stilles, traditionelles Fest mit Tempelbesuchen und Ritualen. 

Fünf Länder, fünf Feste – und doch die gleiche Idee 

Ob mit Trollen, Meeresfrüchten, KFC oder Grillfest: Weihnachten sieht überall anders aus. Und trotzdem geht es immer um das Gleiche – um Gemeinschaft, ums Teilen, ums Zusammenkommen – nur eben auf unterschiedliche Arten.