
Stand: 27.12.2025 15:57 Uhr
Fußballfeste, bittere Niederlagen, leidenschaftliche Fan-Liebe, manchmal auch blinder Hass: Mit dem FC Hansa Rostock verbinden unzählige Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus seit 60 Jahren Höhen und Tiefen, aber vor allem ein Heimatgefühl.
Wer sollte das besser wissen als Juri Schlünz. Spieler, Trainer, Nachwuchschef oder auch Scout: Seit über 50 Jahren ist Schlünz seinem FC Hansa eng verbunden, kennt den Verein in- und auswendig. „Der FC Hansa Rostock ist der Leuchtturm, alle streben hier her. Wir sind weit weg vom Schuss, aber am Wochenende wird sich ins Auto gesetzt und ins Stadion gefahren“, sagt die 64 Jahre alte Hansa-Legende im NDR Interview.
„Hansa Rostock wird immer diese Aura haben, dass die Leute den Verein unterstützen und ins Ostseestadion strömen.“
Juri Schlünz
Ostseestadion – Schmelztiegel der Hansa-Liebe
Das Ostseestadion ist der Schmelztiegel für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Anhänger des Traditionsclubs, aber speziell in den 1990er-Jahren auch immer wieder Schauplatz für radikales Verhalten und Gewalt. Hansa Rostock schweißt zusammen und polarisiert, das Ostseestadion ist so auch zu einer Art Wagenburg geworden, gegen die Kritik von außen.
Video:
60 Jahre Hansa Rostock: Geliebt, verehrt, verachtet, gemieden (16 Min)
„In einer Gesellschaft, in der sich gefühlt alles immer mehr auseinander entwickelt, gibt es nicht so viele Adressen, bei denen sich Menschen verschiedenster Herkunft und Weltanschauung zusammenfinden und für die gleiche Sache sind“, sagt Rostocks Sportsenator Steffen Bockhahn (Die Linke). „Der FC Hansa Rostock ist sowas.“
Emotionale Aufstiege, dramatische Abstiege
Emotionale Aufstiege, dramatische Abstiege, von der DDR-Oberliga bis in die Bundesliga: Die eine Sache, auf die sich bei Hansa Rostock alle einigen können, ist Fußball. Die NOFV-Meisterschaft 1991, legendäre Siege wie bei den Bayern im selben Jahr, aber auch der erstmalige bittere Gang 2010 in die Drittklassigkeit gehören zur sportlichen Hansa-Geschichte, die einer Achterbahnfahrt gleicht.

Kein Titel zu DDR-Zeiten, aber NOFV-Meister und -Pokalsieger 1991 sowie Ostdeutschlands erfolgreichste Bundesliga-Mannschaft: Hansas beste Zeit begann erst nach der Wende. Die Historie in Bildern.
Die Fans und vor allem den Nachwuchs hält das nicht ab, sich Hansa zu verschreiben. „Ich war zehn Jahre lang Nachwuchschef und habe mitbekommen, dass alle Kinder in Mecklenburg-Vorpommern, die irgendwie Fußball spielen können, zu Hansa Rostock wollen“, so Schlünz. „Hansa Rostock wird immer diese Aura haben, dass die Leute den Verein unterstützen und ins Ostseestadion strömen.“
„Hansa ist der Verein von Mecklenburg-Vorpommern. Ich glaube, diese Konstellation gibt es eher selten, dass ein Verein die Strahlkraft für ein ganzes Bundesland übernimmt.“
Hansa-Fan Marwin
Beim Schlünz-Enkel hat „der Hansa-Bazillus zugeschlagen“
In dieser Drittligasaison sind es im Schnitt über 24.500 Menschen, die zu den Hansa-Heimspielen kommen, um dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zu erleben und von der Rückkehr in die 2. Bundesliga träumen.
Einer von ihnen trägt die Schlünz- und deshalb auch die blau-weiß-roten Hansa-Gene in sich. „Mein Enkel war vor zwei Jahren zum ersten Mal mit im Stadion und der Hansa-Bazillus hat gleich zugeschlagen“, erinnert sich Juri Schlünz mit einem verschmitzten Lächeln. Es ist die nächste Hansa-Generation für die kommenden 60 Jahre Höhen und Tiefen.

Nach einem schwachen Saisonauftakt legten die Rostocker ab Oktober eine beeindruckende Aufholjagd hin – und sind einer der heißesten Aufstiegskandidaten.

Der FCH ist aktuell das heißeste Team der 3. Liga. Grund dafür ist auch eine strategische Entscheidung von Coach Brinkmann. Aber reicht es für den Aufstieg? Das sagen die Daten.