Lebte Stephen Colbert in Deutschland, könnte er sich jetzt an die Firma Hate Aid wenden. Denn diese setzt sich für die Opfer von Hass und Hetze in der digitalen Welt ein und hätte für den Late-Night-Moderator aus den USA vielleicht einen Rat.

Der Sender CBS solle den „todgeweihten“ Colbert „einschläfern“, schrieb niemand Geringeres als US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social. Auch an Heiligabend hatte dieses Staatsoberhaupt primitiven Hass parat. Die „Alkoholiker-Persönlichkeit“, die ihm seine Stabschefin Susie Wiles attestiert, brach sich einmal mehr Bahn. Tags zuvor verkündete das US-Außenministerium ein Einreiseverbot gegen den früheren EU-Kommissar Thierry Breton, der die europäische Digitalgesetzgebung mitgeprägt hat, und die beiden Hate-Aid-Geschäftsführerinnen Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon.

„Amerikanische Ansichten“

Mit ihnen hat sich die Regierung Trump die „Richtigen“ ausgesucht. Breton hat maßgeblich mit dafür gesorgt, dass in der  Europäischen Union Digitalgesetze gelten, die es den Mitgliedstaaten ermöglichen, gegen Aufrufe zu Gewalt, Extremismus und Kriminalität im Netz vorzugehen. Die EU nimmt die – vornehmlich US-amerikanischen – Digital- und Social-Media-Konzerne in die Pflicht. Die Organisation Hate Aid vertritt Opfer digitaler Hetze.

In den Worten des US-Außenministeriums klingt das anders: Die vom Einreisebann Betroffenen zensierten und zwängen US-Unternehmen, „amerikanische Ansichten“ zu unterdrücken. Um welcherlei „Ansichten“ es sich da handelt, verraten uns Trumps Hasstiraden.