In der Propsteikirche St. Marien in Schwelm findet traditionell am 26. Dezember ein Orchester-Hochamt statt. Entsprechend gut besucht war der Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag, als Kantor Ulrich Isfort und die Schola Cantorum besondere Musik präsentierten.

Diesmal erklang Wolfgang Amadeus Mozarts Missa in C – bekannt als „Spatzenmesse“. Der sehr gut vorbereitete Chor wurde vortrefflich und ausdrucksstark begleitet vom Ristenpart-Orchester. Regionalkantor Isfort, seit mehr als 30 Jahren in der Gemeinde St. Marien tätig, hatte vier hervorragende Solisten engagiert: Hong Ae Kim (Sopran), Katharina Greiß (Alt), Sehyuk Im (Tenor) und Javier Zapata Vera (Bariton) von der Oper Wuppertal waren in der Marienkirche zu Gast. Sie standen im Chor und sangen außer ihren Soli auch die Chorpartien und die Weihnachtslieder mit, die die Gemeinde während des Hochamtes anstimmte.

Mozarts Messe in C-Dur KV 220 – mit knapp 20 Minuten eine seiner kürzesten Messen – schrieb der Komponist im Alter von 20 Jahren. Mit ihrer Aufführungsdauer erfüllte sie die Anforderungen des damaligen Erzbischofs, denn eine heilige Messe musste festlich sein, durfte aber die Dauer von insgesamt 45 Minuten nicht überschreiten.

Auch in der Schwelmer Marienkirche wurde die „Spatzenmesse“ mit Kyrie, Gloria und Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei liturgisch in den Gottesdienst eingebettet. Der dauerte jedoch mit Predigt, Gemeindeliedern und Eucharistie deutlich länger, begann mit dem feierlichen Gemeindelied „Herbei, o ihr Gläub‘gen“ und endete mit „Stille Nacht“.

Fröhlich jubelnd und akzentuiert begann die Schola Cantorum mit einem klangstarken „Kyrie“ – begleitet von Trommeln und Bläsern des Ristenpart-Orchesters, an der Orgel begleitet von Kaung-Ae Lee. Wohlklingendes Gotteslob ertönte im „Gloria“, das mit einem andächtigen „Amen“ endete. Der liturgische Text ist straff durchkomponiert, Wiederholungen gibt es kaum.

Mozart schrieb seine „Missa brevis et solemnis“ gleichermaßen kurz wie festlich. Unter der umsichtigen, präzisen Leitung von Ulrich Isfort füllten Chor, Orchester und Solisten die Marienkirche mit zauberhaften Mozartklängen. Im temporeichen „Credo“ singen auch die Violinen, die Blechbläser setzen heitere Akzente.

Propst Norbert Dudek zelebrierte die Messe unterstützt von Alt-Propst Heinz Ditmar Janousek, der 2013 in den Ruhestand ging. In seiner Predigt sprach Dudek vom heiligen Stephanus, der gesteinigt wurde, weil er fest zu seinem Bekenntnis zu Jesus stand. Dudek dankte den beteiligten Musikern für die großartige „Live-Musik“. „Dreht euch mal um!“, ermunterte er die Gottesdienstbesucher, den Musikern zuzuschauen.

Die Musik erinnert an
das Zwitschern von Spatzen

Der Chor Schola Cantorum präsentierte fein akzentuiert und transparent das „Sanctus“. Die Solistinnen und Solisten sangen überaus klangschön ihre Partien. Im „Sanctus“ klangen die namensgebenden „Spatzen“ schon ein wenig an, im „Benedictus“ spielten die Violinen schließlich verspielte, quirlige Figuren, die Mozarts Messe KV 220 später im Volksmund den Namen „Spatzenmesse“ eingebracht haben – sie erinnern an das fröhliche Zwitschern und Tschilpen von Spatzen. Mit dem „Agnus Dei“ führten Orchester, Schola Cantorum und Solisten das Werk zu einem fulminanten Abschluss. Sanfte Streicherklänge, zartester Chorgesang, bezaubernde Solostimmen und die klangstark gesungene, eindringliche Bitte nach Frieden – „Dona nobis pacem!“ beendeten Mozarts „Missa in C-Dur“.

Der verdiente große Applaus für die Musiker erfolgte nach Abschluss des Gottesdienstes, bei dem Ulrich Isfort die gemeinsam gesungenen Weihnachtslieder an der Orgel begleitete.