Mar-a-Lago (Florida) – Das Treffen mit Wolodymyr Selenskyj am Sonntag in Trumps Luxus-Resort Mar-a-Lago hat hohe Erwartungen geweckt – und zugleich viele Zweifel hinterlassen. Zwar brachte es Bewegung in die Verhandlungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine, aber von einem Durchbruch kann keine Rede sein.

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Quelle: AP29.12.2025

Dennoch: US-Präsident Donald Trump sagte nach dem Treffen, die Frage der Sicherheitszusagen für die Ukraine sei zu „95 Prozent“ gelöst.

Der Militär- und Sicherheitsexperte Christian Mölling ordnet das Treffen für BILD ein. Mölling: „Das Gute ist, dass es erst mal nicht schiefgegangen ist. Es gibt einen Dialog – und es gibt Varianten eines Dokuments, an denen jetzt weitergearbeitet wird. Aber wir dürfen nicht vergessen: Was bis jetzt als verhandelt dargestellt wird, muss nicht so bleiben. Zugeständnisse können auch widerrufen werden.“

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Mit Blick auf die Sicherheitsgarantien für die Ukraine verweist Politikprofessor Dr. Thomas Jäger (Uni Köln) in BILD zudem auf viele offene Grundsatzfragen: „Während die Europäer sagen, es gibt keine Sicherheitsgarantien ohne die USA, sehen die USA Europa in der Pflicht.“ Zwar sei es laut Sicherheitsexperte Nico Lange (50) als Erfolg zu werten, dass der US-Kongress Garantien bestätigen würde. ABER: „‚90 oder 95 Prozent geeinigt‘ klingt gut, reicht aber nicht.“

▶︎ Zumal: Im Moment wollen die Amerikaner solche Garantien laut Selenskyj nur für 15 Jahre zusichern. Der ukrainische Präsident will aber mindestens 50 Jahre erreichen.

Auch die Grenzfrage bleibt ungelöst

Besonders heikel bleibt zudem die Frage nach Gebietsabtretungen. „Bei der Frage, wo die neue Grenze gezogen wird, ist die Uneinigkeit öffentlich“, so Jäger. „Russland wird sich auf keinen Vorschlag einlassen – sei es eine Freihandelszone, ein neutrales Gebiet oder anderes, das nicht völlige russische Souveränität beinhaltet.“

Christian Mölling (51) glaubt, dass sich Putin in eine Zwickmühle gebracht hat

Christian Mölling (52) glaubt, dass sich Putin in eine Zwickmühle gebracht hat

Foto: DGAP/ Zsófia Pölöske

Ein Grund dafür könnte laut Mölling sein, dass sich Kremlchef Wladimir Putin (73) selbst „in eine Zwickmühle“ manövriert hat. „An ihn wird eine Mindestanforderung gestellt von denjenigen, die ihn an der Macht halten – und das ist nicht der Donbass, sondern die vier Oblaste, die er als russisches Gebiet schon in die Verfassung geschrieben hat. Deshalb ist Putin noch kein verfassungstreuer Herrscher, aber die Verfassung ist sein Feigenblatt.“

Mölling warnt zudem vor dem Narrativ, „das die russischen Medien schon das ganze Jahr streuen: Erstens: Ein Sieg der russischen Armee ist unausweichlich. Zweitens: Nur die Europäer wollen noch den Krieg, die Amerikaner wollen Frieden“. Trump habe „die Position Russlands“ auf groteske Weise übernommen, indem er „Putin mehrfach zitiert und dessen Wohlwollen gegenüber der Ukraine“ herausgestellt habe, kritisiert der Politikprofessor Jäger.

Europa muss Gratwanderung versuchen

Sein Ziel, Putin doch noch an den Verhandlungstisch zu holen, werde der US-Präsident aber auch so nicht erreichen. „Trump bekommt Putin nur an den Tisch, wenn die Ukraine zur Totalaufgabe gezwungen ist“, sagt Experte Mölling. „Das wird aber nicht passieren, solange sich die Amerikaner nicht vollends auf die russische Seite schlagen.“

Politikprofessor Dr. Thomas Jäger hält das Auftreten von Trump in Mar-a-Lago für grotesk

Politikprofessor Dr. Thomas Jäger hält das Auftreten von Trump in Mar-a-Lago für grotesk

Foto: Jäger

Für Nico Lange ist es deshalb umso wichtiger, dass die Initiative weiter bei Kiew und den Europäern liegt – in einer „Gratwanderung aus lobenden Worten und inhaltlichem Widerstand“ gegen Trump und seine Leute, „weil die intuitiv sonst immer wieder Putin in die Arme laufen“, so die Prognose des Experten auf X.

Zu den Personen

Christian Mölling ist Sicherheitsexperte, Politikwissenschaftler und Buchautor. Seit April 2025 ist er Berater am European Policy Centre (EPC) in Brüssel. Er war bis 2024 Vize-Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin und Leiter des Zentrums für Sicherheit und Verteidigung. Bis März 2025 leitete er zudem das Programm „Europas Zukunft“ der Bertelsmann Stiftung.

Thomas Jäger ist Professor für internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. Ein Schwerpunkt seiner Forschung und Lehre liegt in der Analyse der deutschen und US-amerikanischen Außenpolitik.

Nico Lange verfügt über langjährige Erfahrung in sicherheitspolitischer Analyse und war unter anderem als Ukraine-Referent und Berater im deutschen Verteidigungsministerium tätig. Seit 2022 ist er Senior Fellow für die Zeitenwende-Initiative bei der Münchner Sicherheitskonferenz.