Seit Mitternacht läuft der Feuerwerksverkauf für Silvester, der wie jedes Jahr erst am 29. Dezember beginnen darf. „Und seitdem ist bei uns die Hütte voll“, sagt Feuerwerkshändler Meyer, der nur seinen Nachnamen nennen möchte. Er betreibt seinen Charlottenburger Pop-up-Store in der Otto-Suhr-Allee.

Zwischen null und drei Uhr morgens hätte er bereits geöffnet gehabt, danach hätten er und seine Kollegen kurz geschlafen. Bei der zweiten Ladenöffnung um neun Uhr morgens sei die Warteschlange wieder ähnlich lang gewesen. Gekauft werde alles: „Batterien, Raketen, Tischfeuerwerk“, erzählt der Mann am Telefon. Im Hintergrund ist das geschäftige Treiben deutlich zu hören.

Von einer „hervorragenden Nachfrage“ berichten auch andere Berliner Feuerwerkshändler aus Schöneberg, Kreuzberg, Lichtenberg und Pankow, bei denen der Tagesspiegel eine kurze Abfrage zur Verkaufssituation gemacht hat. „Ich kann leider nicht sprechen, ein Mitarbeiter ist ausgefallen und mein Laden ist gerade rappelvoll“, entschuldigt sich gegen 11 Uhr vormittags ein Verkäufer vom Laden Dekolager aus Schöneberg. Andere nehmen sich ein paar Minuten, trotz wartender Kundschaft. Alle betonen: „Es läuft unglaublich gut.“

Manche fragen auch nach Polenböllern.

Verkäufer Meyer vom Feuerwerksverkauf Charlottenburg

Die Verkäuferin der Silvesterwelt Berlin in Lichtenberg berichtet, sie müsse seit dem frühen Morgen eine Person nach der anderen bedienen. „Die Schlange reißt nicht ab.“ Die Kundschaft sei generationenübergreifend. Frauen wie Männer, die älteste Person sei über 70 gewesen, die Jüngsten 18 Jahre alt. „Der Verkauf an Minderjährige ist nicht erlaubt“, betont sie.

Zwischen dem 29. und 31. Dezember darf in Deutschland Silvesterfeuerwerk frei verkauft werden.

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Wird auch nach illegaler Ware gefragt? „Das kommt schon vor, dass Leute nach den sogenannten Polenböllern oder stärkerem Zeug fragen, doch so etwas verkaufen wir nicht, wir sind schon lange in dem Geschäft und seriös“, sagt Händler Meyer vom Feuerwerksverkauf Charlottenburg. Bei der Silvesterwelt Berlin in Lichtenberg komme das kaum vor, sagt die Verkäuferin. Verboten heißt verboten.

Was sagen die Händler zu einem Böllerverbot?

Und wie stehen die Händler zu einem möglichen berlinweiten Böllerverbot? Sollte der Bund tatsächlich den Weg dafür frei machen, könnte der Berliner Senat über ein regionales Böllerverbot im kommenden Jahr entscheiden. Aus persönlichen Gründen hält die Verkäuferin der Silvesterwelt davon „gar nichts“. Ihr Verkauf befindet sich in einem gewöhnlichen Kiosk und benennt sich nur einmal im Jahr kurzzeitig um, um Feuerwerk anzubieten. An den anderen Tagen im Jahr werden stattdessen Limo, Bier, Zeitschriften und Süßwaren vertrieben. „Der Silvesterverkauf macht allerdings für uns einen wichtigen Teil unseres Jahresgeschäfts aus. Ein Berliner Böllerverbot wäre deshalb für uns definitiv schlecht“, sagt sie.

Händler Meyer kann die Diskussion um ein Böllerverbot nachvollziehen. „Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommt. Das würde eine komplette Industrie zerstören, da hängen zu viele Arbeitsplätze dran.“ Er verweist auch darauf, dass die meisten Probleme mit der Böllerei auf verbotene Pyrotechnik der Kategorie 4 zurückzuführen seien. „Es gibt viele Leute, die friedlich feiern, und für die gehört das Feuerwerk dazu. Und das, was wirklich schlimm ist, ist ohnehin schon verboten“, sagt Meyer. Allerdings zeigen Berichte, wie sehr der illegale Markt wächst. Aber auch das legale Geschäft boomt bundesweit.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) erwartet zu Silvester einen neuen Umsatzrekord. Gegenüber dem Vorjahr wird mit 10 bis 15 Prozent mehr Ware im Handel gerechnet. 2024 verzeichnete die Branche nach eigenen Angaben einen Umsatz von 197 Millionen Euro (2023: 180 Millionen).

Umweltschützer, Krankenhäuser, Ärztevertreter, Polizeigewerkschaft und Feuerwehr fordern hingegen ein generelles Anwendungsverbot für Böller und Raketen – nicht zuletzt durch das Ausmaß an Zerstörung im Vorjahr.

Was nicht bedeuten muss, dass es künftig gar keine Feuerwerkskunst am Silvesterhimmel geben soll. Ein Vorschlag ist beispielsweise, dass nur noch professionelle Pyrotechniker an zentralen Stellen der Stadt Raketen entzünden dürfen – und für entsprechende Farb- und Knalleffekte sorgen.

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Ein solcher Feuerwerkstechniker ist Klaus Kutzer. Seine Firma Feuerwerk Events Berlin veranstaltet dieses Jahr zu Silvester drei große Shows, eine in München, eine im Allgäu und eine in Falkensee. Auch er sei beim vergangenen Jahreswechsel ins Grübeln gekommen, erzählt der Pyrotechniker. „Als ich die Verwüstungen gesehen habe, habe ich schon kurz gedacht: alles verbieten. Aber ich bin auch Gegner einer Verbotskultur.“

Seiner Meinung nach gehe die Mehrheit, bundesweit betrachtet, friedlich mit dem Feuerwerk um. „Wir dürfen den Leuten auch nicht den Spaß nehmen.“ Allerdings meint selbst der Profi, dass man spezifische Lösungen für die an Silvester verbreitete Gewalt und Zerstörungswut finden müsse.